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Das Ende der Qualität im Coaching, Teil 5 – die Verbände

Die Verbände
Der medienpräsente DBVC betont ausdrücklich, dass er unter Coaching Beratung versteht. Auch er schreibt in seiner Definition „Als ergebnis- und lösungsorientierte Beratungsform dient Coaching der Steigerung und dem Erhalt der Leistungsfähigkeit.“ Wer unter Coaching Beratung versteht, wird an den Begriff Qualität Kriterien anlegen, die die Qualität von Beratung messen. Doch was ist eigentlich eine Beratungsform? Gelten da andere Qualitätsanforderungen? Ist eine Beratungsform Einzel-, Team- oder Gruppenberatung? Oder eher zu verstehen als Beratung mit anschließender Hilfe bei der Umsetzung?
Der BDU empfiehlt als Beraterverband seinen Mitgliedern einen differenzierten Beratungsablauf, den er auch dokumentiert hat. Beratung ist Ausdruck einer Expertise, die der Beratende dem zu Beratenden in Bezug auf ein Thema zur Verfügung stellt. In der Regel wird mit Qualität die Qualität der Expertise (in Relation zu einer Idealqualität sowie der subjektiven Bewertung des Ergebnisses durch den Beratenen) verbunden mit der Einhaltung einer Beratungsstruktur verstanden. Da jeder Berater  das Problem der Umsetzung seiner Expertise kennt, wird dem Kunden bei der Umsetzung geholfen. Nun scheitern Projekte selten an der Technik, sondern am Menschen mit all seinen Emotionen. Was lag da näher als an die Beratung noch einen emotionalen Umsetzungsteil anzuhängen und das Coaching zu nennen? Es bleibt Beratung.
Das Verständnis teilen viele Verbände und der DBVC ist hier aufgrund des Bekanntheitsgrades erwähnenswert.
Eher NLP oder behaviouristisch orientierte Verbände verstehen unter Qualität meist, dass der Coachee
erfolgreiches Verhalten anderer nachahmen kann und auf jeden Fall Gewinner-Gewinner Lösungen produziert.
Therapeutisch orientierte Verbände fordern oft maximales tiefenpsychologisches Wissen des Coachs oder auch psychopathologisches Wissen. Augenscheinlich ist das, was ein Coach macht so gefährlich, dass nur ein ausgefeiltes diagnostisches know how den Coachee vorm Coach schützen kann. Qualität ist diagnostische Qualität. Der Coachee kann sich zwar selbst steuern, da er offiziell ja nicht krank ist, doch besser ist es, davon erst einmal nicht auszugehen. Qualitätsgrundlage können nur diagnostische Kataloge sein (z.B. ICD 10). Der Coach muss erkennen können, ob es eine Krankheit ist oder nicht. Denn ohne Zulassung darf er keine Krankheiten heilen.
Nebenbei bemerkt: Ein Verband muss nicht zwangsläufig über eine Expertise in Bezug auf Coachausbildungen verfügen. Der Verband sind viele Mitglieder, die sich in der Regel unterschiedlichster Coachingverständniswelten bedienen. Doch jeder Verband fühlt sich berufen dazu etwas zu sagen. Irgendwie hat man sich auf 150h Ausbildung geeinigt. Was eine Ausbildung konkret leisten soll und wie Qualität nachvollziehbar bzw. legitimiert gemessen wird, beantworten die Verbände nicht. Von persönlich zum Ausbildungsabschluss erscheinenden Gutachtern des Verbandes bis hin zur Anerkennung aller Ausbildungsteilnehmer durch den Verband in dem die Ausbildungseinrichtung Mitglied ist, reicht das Spektrum.
Letzen Endes orientiert sich jeder Verband dann doch an den Interessen seiner Mitglieder und wird in der Regel kein Qualitätsverständnis entwickeln, das innerhalb des Verbandes zu Konflikten führt.
Qualitätssiegel von Verbänden haben nur einen Effekt – der Kunde von Coaching glaubt, dass jemand anderes sich über Qualität Gedanken gemacht hat und gibt vielleicht dem Coach mit Verbandssiegel in der Auswahl den Vorzug.
Da es mittlerweile eine Unzahl von Siegeln gibt, die alle suggerieren sollen „hier ist Qualität“ (bestes Beispiel hier wieder die QCA, die 2 farblich unterschiedliche Siegel herausgibt je nachdem wie viel Stunden die Ausbildung hat) und die alle auf ganz unterschiedlichen Qualitätsverständnissen beruhen, ist die Verbandszene zur Beliebigkeit verkommen und  kein Auswahlmerkmal für Qualität eines Coachs oder die Qualität einer Ausbildung. Vielleicht ist die Bezeichnung Werbegemeinschaften geeigneter?
Sichtbar für  Internetnutzer ist, dass es bei den Verbänden z.T. „Premium-Profile“ für Coachs gibt, die dafür Geld bezahlen. Ebenso kosten bestimmte Funktionen zur bessseren werblichen Darstellung  extra.
Im Verband zu sein heißt, die Mitgliedschaft und das Siegel werblich alleine oder auf der Verbandsplattform zu nutzen. Wer noch mehr bezahlt erhält Extrawerbefunktionen. So ist das in der Wirtschaft.

Die Vielzahl der Verbände (gegenwärtig 28 nach eigener Zählung. Vgl. auch die websites von C.Rauen) sind ein Spiegelbild dessen, was unter Coaching verstanden wird oder verstanden werden soll. Ein Grundlagenmaßstab für Qualität ist für mich nicht zu erkennen.

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Das Ende der Qualität im Coaching, Teil 4 – die Supervisoren

Supervisoren
Bevor der Hype Coaching einsetzte waren Supervisoren meist in Non Profit Organisationen unterwegs und stellten aus Ihrer Perspektive Abweichungen von einem möglichen Ideal fest. Diese Abweichungen wurden mit den Betroffenen diskutiert und Änderungen initiiert. Dafür waren die Supervisoren gut ausgebildet – sie hatten einen Maßstab. Seit einigen Jahren beanspruchen die Supervisoren auch das Thema Coaching für sich. Entweder als Coach selbst oder aber als Supervisor für Coachs (siehe Beitrag Dr. Meier Allmachtsphantasien). Um einen Coach zu supervidieren benötigt der Supervisor ein konkretes Verständnis von Coaching bzw. des zu supervidierenden Coachingansatzes. Nur so können beobachtete Abweichungen auch begründet werden. Gegenwärtig ist es modern zu schreiben „der Coach wird supervidiert“. Das Qualitätsverständnis eines Supervisors beruht grundsätzlich auf dem Coachingverständnis des Supervisors.

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Das Ende der Qualität im Coaching, Teil 3 – die Coachpersonen

Die Coachpersonen
In ihrer Selbstvermarktung haben die Coachs einen erheblichen Beitrag zur allgemeinen Verwirrung geleistet – das Bindestrich-Coaching (z.B. Potenzial-Coach, Männer-Coach, Ermöglichungs-Coach). Nur Coach nennt sich keiner. „Me too Produkte“ sind unerwünscht. Auch der Business-Coach setzt einen Akzent auf seine Spezialisierung, um sich für seinen Markt hübsch zu machen. Qualität ist das, was der Coach selber unter dem, was er macht, versteht. Meistens wird Qualität mit Kundenzufriedenheit gleich gesetzt. Wer heilt hat Recht und hat auch Qualität.

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Das Ende der Qualität im Coaching, Teil 2 – das Unternehmen

Das Unternehmen
Ein Unternehmen setzt sich mit der Zukunft auseinander und will ein betriebswirtschaftliches Überleben (Produktivität, Liquidität, Wirtschaftlichkeit)oder ein betriebswirtschaftliche Verbesserung sicherstellen. Der Mensch selbst, manchmal als Produktionsfaktor gesehen, ist Teil des Humankapitals des Unternehmens, das den gegenwärtigen oder zukünftigen Anforderungen seines Marktes gerecht werden muss. Es gilt, dieses Kapital zu erhalten und zu entwickeln. Coaching wird deswegen bezahlt, weil das Unternehmen glaubt, eben das damit zu erreichen. Dafür ist das Unternehmen bereit, Geld zu investieren. Abhängig davon, welches Menschenbild bzw. welche Werte ein Unternehmen hat, wird es unter Coaching auch Training oder Beratung ggf. Therapie verstehen wollen.
Qualität wird (noch) subjektiv als Beitrag zur Erhaltung der Humankapitalrendite verstanden.
Organisationen oder NGOs unterliegen denselben betriebswirtschaftlichen Bedingungen mit dem kleinen Unterschied, dass sie Wertschöpfung in Bezug auf ein Thema betreiben.

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Das Ende der Qualität im Coaching, Teil 1 – der Coachee

Sicherlich werden wir rasch im Duden oder bei wikipedia fündig, wenn wir eine Definition für das Wort “Qualität” suchen. Doch wer stellt Ansprüche an das Thema Qualität und beeinflusst die Deutung?

Der Endkunde (Coachee)
Vielleicht ist der Endkunde das eigentliche Problem. Informiert durch eine mediale Beliebigkeit baut er Erwartungen an das Thema auf.
Jeder Mensch will für sich erfolgreich sein. Wie er selbst Erfolg versteht und in welchen Kontexten er sich verändern möchte, legt er selbst fest. Wird nun versprochen, dass Coaching
- „eine Maßnahme zur Leistungssteigerung ist“, erwartet er subjektiv als Qualität, dass er seine Leistung (in Bezug auf was?) gesteigert hat.
- neue Impulse für mehr Erfolg im … gibt, erwartet er, dass sein Coach ihm aus seiner Sicht zu etwas anregt. Die Qualität liegt in der subjektiven Bewertung der „Impulse“ durch den Coachee.
- das unentdeckte Potenzial entfacht oder entfesselt, erwartet er, im Coaching durch den Coach etwas zu erfahren, was er über sich selbst nicht weiß und es anschließend nutzen kann. Die Qualität liegt im subjektiv wahrgenommenen Unterschied zwischen dem Zustand vor dem Coaching und dem Zustand nach dem Coaching. Gibt es einen Erkenntnisgewinn und kann ich diese Erkenntnisse zu meinem Vorteil nutzen (Vorsicht für QCA-Coachs: An den Frieden denken).
- professionelle Beratung, Begleitung und Unterstützung von Menschen in Unternehmen ist (auf Prozessebene), erwartet er, (dass eine Hausfrau nicht gecoacht werden kann) dass der Coach ihm Ratschläge gibt, wie er sein Thema bearbeiten soll (kann). Gleichzeitig wird er in der Umsetzung der Veränderung vom Coach aktiv unterstützt und begleitet (so lange es dauert). Die Qualität liegt subjektiv in der Beurteilung der fachlichen Expertise des Coachs und in der Kongruenz des erreichten Ergebnisses in Relation zum Aufwand und zur Erwartung.
- Hilfe zur Selbsthilfe ist, erwartet der Coachee, dass der Coach ihn dabei unterstützt, sich zukünftig ohne Coach (selbst) reparieren zu können.
Anmerkung: Früher gab es eine Buchreihe zur Autoreparatur für verschiedene Modelle, die „Jetzt helfe ich mir selbst“ hieß.
Die Qualität liegt in der subjektiven Bewertung „kann ich das jetzt?“

Allgemein wird ein Coachee den Unterschied zwischen vor dem Coaching und nach dem Coaching emotional bewerten. Er fragt sich “entspricht das, was jetzt anders ist als vor dem Coaching meinen Erwartungen?”

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Der Coach als Weltverbesserer

Die QCA (Qualitätsgemeinschaft Coach Ausbildungen) hat „Minimale ethische Sollens-Grundsätze für Coaches“ festgelegt.
Lesenswert ist der Sollens-Grundsatz Nr. 14:

„Coaches sind zum einen ehrbare „Kaufleute“, die wirtschaftlichen Erfolg anstreben. Zum anderen sehen sie sich in einer besonderen Verantwortlichkeit für diese Welt. Das Ziel ihrer Arbeit ist es nicht ausschließlich Geld zu verdienen – da Geld kein Ziel sondern nur ein Mittel ist. Stattdessen dienen sie mit ihrer Arbeit drei Zielen: Mehr Frieden, mehr Wohlergehen, mehr Entfaltungsmöglichkeiten zu ermöglichen – für die Klienten, ihr soziales Umfeld, für den Coach selbst (…)“

Ein Coach, der sich diesem Gedanken verpflichtet fühlt, muss demzufolge im Coaching darauf achten, dass es

a)      Für  ihn selbst im Coaching darum geht, sein eigenes Wohlergehen sicher zu stellen. Er sich im Coaching selbst ausreichend entfalten kann und er vielleicht mehr Frieden für sich und alle anderen auf dieser Welt erreicht.
Der Coach ist in einer „besonderen Verantwortlichkeit für diese Welt.“ Der Coachee selbst oder sein Unternehmen kaufen demnach einen Dienstleister, der durch seinen ethischen Bezug, eigene Ziele verfolgt, für deren Realisierung ein Kunde bezahlt.

b)      Für die Klienten im Coaching darum geht, Ihr Coachingthema so zu bearbeiten, dass damit auch ein Beitrag zum „Frieden“ einhergeht, dass es immer um das Wohlergehen und die Entfaltungsmöglichkeiten seines  gesamten sozialen Umfeldes geht (dazu gehört auch der Coach).
Wie auch immer die Begriffe „Wohlergehen“ und „Entfaltungsmöglichkeiten“ gedeutet werden – Für den Klienten bedeutet es, dass er nicht die Freiheit hat, Lösungen zu entwickeln, die diesen beiden Begriffen entgegenstehen. Er wird gezwungen, bei jeder Entwicklung das zu berücksichtigen und sein Coach achtet ethisch verpflichtet darauf.
Trifft der Coachee z.B. im Coaching die Entscheidung, sein Unternehmen in´ s Ausland zu verlagern, so muss er Wohlergehen und Entfaltungsmöglichkeiten seiner Deutschen Mitarbeiter im Auge haben (sofern sie zu seinem sozialen Umfeld zählen), gleichzeitig aber auch die Mitarbeiter im Ausland. Es sei denn, er zählt sie dann nicht zu seinem sozialen Umfeld. Doch vielleicht ist es ein Beitrag für den Frieden.

c)       Für das soziale Umfeld, auch wenn es selbst im Coaching nicht anwesend ist, Frieden bedeutet, das Wohlergehen und Entfaltungsmöglichkeiten sicher gestellt sind. Auch wenn nicht das gesamte Umfeld im Zusammenhang mit dem Coaching Thema steht.

Eine harte Aufgabe, die dieser Coach hat, wenn er seiner besonderen Verantwortlichkeit für diese Welt nachkommen will. Dazu hat er sich ja verpflichtet.

Wie kann nun ein solches Coaching aussehen?
Der Coach wird zunächst für sich festlegen, was er selbst unter „Verantwortlichkeit für diese Welt“, „Wohlergehen“  und „Entfaltungsmöglichkeiten“  und „Frieden“ versteht. Mit dieser Mission macht er sich auf in´s Coaching. Vor Augen vielleicht die Vision einer besseren Welt. Sein Klient hat vielleicht ein Thema, dass er selbst als „Zeitmanagement“ bezeichnet. Nun lässt sich Zeit nicht managen – jeder managed sich selbst. Der QCA Ideologie zufolge muss der Klient in seinem Selbstmanagement grundsätzlich den Frieden, das Wohlergehen aller, die ihm bekannt sind und deren Entfaltungsmöglichkeiten im Blick haben … und natürlich sein eigenes (und darf seinen Coach auch nicht vergessen).
Doch der Klient hat einen Arbeitsvertrag und Familie. War es vorher schon schwer genug, die eigenen Ressourcen mit den kontextbezogenen Anforderungen in Einklang zu bringen, so ist es nach dem Coaching vielleicht unmöglich.
Die Anforderungen des Kontextes, der aus Sicht des Klienten zu seinem Thema gehört, steigen um Frieden, sowie Entfaltungsmöglichkeiten und Wohlergehen für alle (einschl. Coach).

Was hat der Klient (Coachee) davon? Was hat das Unternehmen davon, das das Coaching bezahlt?

Oder wird hier von Weltverbesserern Wertverzehr auf hohem Niveau betrieben?

Eine Auseinandersetzung mit dem Kontext und den Folgen beabsichtigter Handlungen in Bezug auf den Kontext ist auch nach der Hamburger Schule, die Coaching grundsätzlich als systemisch versteht, integraler Bestandteil der Coachingprozesses. Doch legt der Coachee selbst fest, wer und was mit seinem Thema zusammenhängt und ob mögliche systemische Folgen für ihn selbst oder andere attraktiv sind oder nicht.

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Allmachtsphantasien

  • Ich mag ja den Coaching-Report. Bringt er doch immer wieder viele Neuigkeiten aus dem Feld Coaching und angrenzenden Gebieten. Heute, nun, lese ich da, dass der DGSv einen neuen Vorstand gewählt hat. Prima. Und der neue Vorstand hat Vorstellungen, wie die Gesellschaft (DGSv) sich weiterentwickeln und sich im Markt positionieren soll. Auch prima.
  • Aber nun kommt’s: Supervision als Beratungsdisziplin in der gewerblichen Wirtschaft stärker zu positionieren, ist daher dritter Schwerpunkt der zukünftigen Vorstandsarbeit. „Es ist ein Irrglaube, dass sich wirtschaftlich vernünftiges Handeln und eine wertschätzende humane Grundhaltung ausschließen. In diesem Spannungsfeld zur Lösung von Konflikten und zur Stärkung der Menschen beizutragen, das kann niemand besser als unsere Supervisor/innen“, sagte die neue Vorsitzende Geißler-Piltz abschließend.
  • Allmachtsphantasien. Ich denke, die Dame kennt sich nicht aus im Deutschen Markt. Oder ist es “Pfeifen im Walde”?Aber so ist es halt mit den autoritären Ansätzen.

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Coachingschulen

Die Frage “was ist eine Coachingschule”, ist wohl nicht ganz einfach zu beantworten, da wir keinen verbindlichen Maßstab dafür haben. Keinen verbindlichen Maßstab für “was ist Coaching” und keinen gültigen Maßstab was ist in diesem Zusammenhang “eine Schule” ist. Die Schulen der Coachs sind nicht staatlich, geschweige denn eine wissenschaftliche Einrichtung.

 

Hinzu kommt, dass wir in Deutschland eine große Anzahl von Coachausbildungen und Coachausbildnern aber auch eine kleinere Anzahl von Zertifizierungen von Coachs haben. Dies macht es uns schwer, Überblick zu behalten oder zu bekommen.

 

Dies sollte uns aber auch nicht irritieren oder verstören, können wir doch Merkmale identifizieren, die uns in die Lage versetzen, Orientierung für Merkmale einer Coachingschule zu bekommen.

 

Coachingschulen sind zunächst Einrichtungen oder Lehr- / Lernkonstrukte, in denen Coaching gelehrt und gelernt wird. Dies kann in einer Einrichtung mit mehreren Lehrern aber auch mit einer Lehrkraft geschehen. Es kann ein Lehrer einen oder mehrere Schüler haben und ein oder mehrere Schüler können ein oder mehrere Lehrer haben. Wohl wissend, dass die Lehrer wiederum in einer Schule ausgebildet wurden oder nach einer Schule unterrichten. Möglicherweise sind es aber auch selbsternannte Coachinglehrer. Hinzu kommt, dass es keine Aussagen darüber gibt, ob die Lehrer lehren gelernt haben — und wenn ja, nach welchen Maßstäben.

 

Je nach Betrachtung kann als Schule sowohl eine öffentliche als auch private Anstalt verstanden werden, in deren Räumen themenspezifischer Unterricht den Lernenden durch Lehrende vermittelt wird.

Öffentliche Coachingschulen erkennen wir in Studiengängen an Fach- und Hochschulen. Beispiele: Die Internationale Hochschule Calw bietet einen Masterstudiengang „Innovative Veränderungprozesse — Coaching und Systementwicklung” an. Die Universität Hannover z.B., bietet ein Kontaktstudium Coaching an. So finden sich in der deutschen Hochschullandschaft vielfältige Angebote. Einen eigenen Lehrstuhl für Coaching gibt es bisher nicht an deutschen Hochschulen.

Private Coachingschulen sind Einrichtungen des Privatrechts als Personengesellschaft oder Kapitalgesellschaft. Nach den Recherchen von Christopher Rauen gibt mehr als 300 Coachausbildungen in Deutschland. Nur ein geringer Teil dieser Anbieter von Coachausbildungen sind in Coachingverbänden organisiert.

Interessanterweise empfinden sich die Verbände nicht als „Oberschulen”. Zwar geben sie allgemeine Rahmenbedingungen für die Mitgliedschaft als Coachausbildungsinstitut, aber diese beschränken sich in der Regel auf quantitative Ordnungsmerkmale und sehr allgemeine (abstrakte und damit interpretationsfähige) Hinweise was Coaching sein könnte.

 

Unter Schule wird aber auch der Zusammenschluss Gleichgesinnter verstanden, die eine spezifische Auffasung der Interpretation eines Themas haben.

 

Schulen sind auch Einrichtungen, in denen im Geiste vorangegangener Generationen oder Einzelpersönlichkeiten bestimmte Einsichten, Regularien und Werte gelebt und an „Schüler” weitervermittelt werden.

Dies gilt besonders für Schüler oder Anhänger bekannter Persönlichkeiten wie Bandler, de Shazer … usw.

 

So gesehen sind Coachingschulen zu betrachten als Horte und Orte in denen spezifisches Coachingverständnis vermittelt, gelehrt und weiterentwickelt wird. Zu Ende gedacht, bedeutet es aber auch, dass die Schulen öffentliches Interesse am Thema Coaching nicht beachten oder berücksichtigen müssen.

 

Coachingschulen in Deutschland unterscheiden sich nach ihrer Wirkungserwartung, so genannte Coachingansätze. Dazu zählen Ausprägungen, wie:

 

thematische Grundierung, wie Coachausbildung auf der Basis der Transaktionsanalyse, Coachausbildung auf der Basis des NLP

werteorientiertes Coachverhalten, wie systemisch-konstruktivistisches Coaching,

anlassbezogene Coachingthemen, wie Kopfschmerzcoaching, Mentalcoaching, Bewerbungscoaching, Präsentationscoaching

nach einzelformatbezogenem Coaching, wie z.B. wingave-Coaching, Entspannungscoaching, Sprechcoaching.

 

Zusammenfassend kann gesagt werden: Coachingschulen haben wir in Deutschland — wenn überhaupt — sehr wenige. Wenn wir die Idee der Schule aus anderen Bereichen transferieren, wie „Das Bauhaus”  — eine Richtung des architektonischen Verständnisses und daraus abgeleitete Baumuster. Oder ein musikalisches Klangbild wie das der „Wiener Philharmoniker” oder das der „Berliner Philharmoniker” um daraus musikalische Interpretationsmuster abzuleiten, können in diesem Verständnis nur wenige Einrichtungen als Coachingschulen betrachtet werden.

 

Es sind die Anerkennung und Wiedererkennung des Verständnisses bzw. inhaltlich reproduktionsfähige  Anwendungen, die eine „Schule” zur „Schule” machen. Aber  auch die überprüfbare und legitimierende Grundlage der Wirkungserwartung und dem damit verbundenen Coachingansatz des Coachingverständnisses.

 

Überprüfbare und legitimierende Grundlagen gibt es objektiv nur im Kontext wissenschaftlicher Erkenntnis. Diese Erkenntnisse basieren auf Modellen, Theorien sowie Axiomen und Theoremen.

 

Wer sich umschaut auf den Homepages und Internetdarstellungen von Coachausbildungsanbieter, wird zu seinem Erstaunen feststellen, dass in der Regel Coachausbildungen diesen Anforderungen nicht gerecht werden.

 

Die Frage aller Fragen des Artikels lautet also: „Wer in Deutschland ist überhaupt eine Coachingschule?”

Antwort:

Coachingverständnis nach der Erklärungssystematik der Hamburger Schule. Theorie vom Selbstorganisierten Coaching. Also hier.

 

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Äpfel sind Birnen und Birnen sind Äpfel

Soeben erreichte mich per mail eine Pressemitteilung der Zeitschrift managerSeminare mit dem Titel
“managerSeminare-Umfrage Trainingsmethoden 2010:
Coaching ist Deutschlands beliebtestes Beratungs- und Trainingsformat

(Was konkret ist in diesem Zusammenhang ein Format?)
Nach eigenen Angaben hat managerSeminare “einen Blick in den Methodenkoffer von Deutschlands Trainern geworfen und aus den Antworten ein Methoden-Ranking errechnet. (Wie hängt denn nun Methode mit Format zusammen?)
Von mangerSeminare wurde gefragt “Wie oft nutzen Sie diese Trainingsmethode?” daraus ergab sich laut der Pressemitteilung folgende Reihenfolge:

1. Coaching
2. Simulationen
3. Action Learning
4. Problembasiertes Lernen
5. Gewaltfreie Kommunikation
6. Storytelling
7. Supervision
8. Collaborative Learning
9. Großgruppenübungen
10. NLP-Methoden

Nun ist Coaching also eine Trainingsmethode (Gut, dass ich als einer der Gründer des dvct e.V. den Verband damals als Verband für Coaching UND Training angelegt habe. Nur wollte ich nie, dass alles in einen Topf geworfen wird.)

Ganz unabhängig von meiner Meinung zum Thema Coaching ist es interessant, dass Coachs am Markt mit Ausnahme des so bezeichneten “Problembasierten Lernens” alle der oben genannten “Methoden” im Einzel/Team/Gruppen-Coaching nutzen.

Schlichtweg bedauerlich ist es hier vielleicht für Coachs, die NLP-Methoden nutzen, dass Coaching die beliebteste Methode ist, NLP aber nur auf Platz 10 rangiert. Doch Coaching ist ja nach Meinung der Verfasser der Pressemitteilung eine Trainingsmethode.
Was ist denn nun der Coach? ein Trainer? ein Berater? Warum nennt er sich dann Coach?

Das Wort Trainer gab es vor einigen Jahren noch nicht. Damals hieß es Übungsleiter. Ein Verantwortlicher für den korrekten Ablauf einer Übung, die ein bestimmtes Ziel verfolgt. Heute heißt umgangssprachlich Übung Methode und der Übungsleiter ist ein Trainer. Was bleibt ist, dass ein Trainer ganz konkret ein Ziel verfolgt. Methoden sind reproduzierbare Abläufe, um eben ein konkretes Ziel zu erreichen. Doch welches Ziel verfolgt ein Trainer, wenn er eine der o.a. “Methoden” anwendet?
Jede dieser Strichaufzählungen hat ein konkretes Ziel. Wäre in der Umfrage ein Trainings (Lern-)Ziel definiert worden, so könnte die Reihenfolge legitimiert werden. Ohne dieses formulierte Ziel werden Äpfel mit Birnen verglichen. Bedauerlich für all die, die diese “Methoden” zur Erreichung eines konkreten Ziels nutzen und sich so vielleicht abgewertet fühlen.

Versöhnlich stimmte mich dann doch eine Aussage von Frau  Bußmann: “Als ein sehr selbstgesteuertes Format gilt das Problembasierte Lernen als eine der Lernformen, die in einer angestrebten Kultur des lebenslangen Lernens noch wichtiger werden könnte.” (”Ausgehend von einer konkreten Problemstellung erarbeitet der Lerner weitgehend eigenständig Lernziele und entsprechende Lernwege.”) Ist das “Hilfe zur Selbsthilfe, wenn ein Mensch so etwas dann eigenständig kann?
Diese Aussage kommt der Theorie vom Selbstorganisierten Coaching der Hamburger Schule schon recht nahe. Möglicherweise mag ein Magazin darunter nicht Coaching verstehen, da der Begriff “Lernen” enthalten ist.

Ich verstehe auch, dass managerSeminare zum Thema Coaching keine eigene Meinung entwickeln mag, da der Markt des Magazins o.a. Verständnis hat und eine differenziertere Meinung unweigerlich zum Verlust von Lesern führen könnte. So werden dann wohl weiterhin Äpfel mit Birnen verglichen. Ganz ähnlich der Marburger Studie zum Thema Coaching.

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Rechtsphilosophie

Nur eine approbierte Person darf eine Diagnose stellen. Das kann ein Arzt, Therapeut oder auch psychologischer Berater (nach HPG) sein - Rechtlich entscheidend ist, dass diese Diagnosen Krankheiten betreffen.

Ein Coach, der autoritär, dass heißt beratend arbeitet, muss sich demzufolge immer auf das Terrain der “(Prozeß-) Begleitung” zurückziehen, da es ihm, sofern er nicht approbiert ist, verboten ist, zu diagnostizieren. Er darf alles feststellen, solange er nicht eine Krankheit feststellt.

Nun ist Krankheit ja nicht das Fehlen von Gesundheit. wiki definiert Krankheit wie folgt: “Störung oder Einschränkung der normalen körperlichen und/oder seelischen Funktionen; das Kranksein bzw. …. ist die Störung der Funktion eines Organs, der Psyche oder des gesamten Organismus.”
Wenn ein Coach einen Glaubenssatz “diagnostiziert” und vorschlägt, diesen Glaubenssatz zu entfernen oder durch einen “förderlichen” zu ersetzen - geht er da nicht von einer Störung oder Einschränkung der normalen seelischen Funktionen aus? Oder beziehen sich diese Einschränkungen grundsätzlich auf ein damit einher gehendes Leiden?

Es ist wahrscheinlich, dass bei einem gesunden Menschen eine Störung diagnostiziert wird.

Wenn sich, wie viele behaupten, Coaching aus der Therapie herleitet und Coachausbildungen eindeutig auf ihre Verwandschaft mit lösungsorientierter Kurzzeittherapie, Transaktionsanalyse oder NLP hinweisen, so geht damit in der Regel ein diagnostisches Vorgehen einher. Da aber keine Krankheit (wörtlich) diagnostiziert wird, ist ein solches Vorgehen rechtlich (noch) unbedenklich.
Der Grat ist schmal. Mal ist ein innerer Antreiber ursächlich für eine Krankheit verantwortlich - mal schränkt sie nur erfolgreiches Verhalten ein. Wer aber beurteilt das? Für Krankheiten gibt es die ICD. Für erfolgreiches Verhalten haben viele Coachs ihr ganz eigenes Verständnis. Doch immer dann, wenn der Coach bewertet, ob etwas förderlich oder hinderlich ist, begibt er sich in eine rechtliche Grauzone.
Da autoritäres Coaching offiziell unter “Beratung” oder “Prozessbegleitung” firmiert, wird diese Grauzone literarisch umschifft.

Vielleicht ist die Fraktion der Coachs, die unter Coaching Training versteht dann doch die angenehmere. Sie verzichtet zur Gänze auf “Diagnosen” und arbeitet munter autoritär drauflos. Das ist zumindest rechtlich unbedenklich.

Was die Ideen und Ansätze des autoritären Coaching eint, ist die konsequente Vernachlässigung des Grundgesetzes (allgemeines Persönlichkeitsrecht aus Art. 2 Abs. 1 i.V.m. 1 Abs. 1 GG - siehe auch http://hamburger-schule.net/ausbildung/rechtsgrundlagen.htm ).

Dabei könnte alles viel einfacher sein. Wenn der Coachee sich selbst “diagnostizieren” kann und der Coach gänzlich auf jedwede Form der Diagnose verzichtet. Dafür steht die Hamburger Schule.

Zu guter Letzt noch ein Aspekt, der eine besondere Relevanz für Unternehmen haben kann, die Coaching als Dienstleistung einkaufen (bitte sehen Sie mir nach, dass ich nicht als Rechtsgelehrter formuliere, sondern in diesem blog nur meine Gedanken zum Ausdruck bringe):
Personalentwicklung ist an das Bertriebsverfassungsgesetz gebunden. Ein autoritäres Verständnis von Coaching kann einer Berufsbildungsmaßnahme entsprechen und zwingt damit zur Berücksichtigung des BetrVG. Glücklicherweise ist Coaching kein Begriff, der rechtlich erfaßt ist. Doch sollte der Beriebsrat einmal autoritäres Coaching als Berufsbildungsmaßnahme verstehen, dann kann der Paragraph 97 oder 98 ganz interessant werden.

Autonomes Coaching, so wie es die Hamburger Schule versteht, kann nie einer Berufsbildungsmaßnahme entsprechen, da es keinen bildenden oder erzieherischen Charakter verfolgt oder in irgendeiner Weise auf einen Betroffenen einwirken will. Es geht in einem Thema um selbstorganisierte Wahrnehmungserweiterung, Entscheidungsfähigkeit und Verhaltensalternativen und eben nicht um fremdorganisiertes Lernen wie bei einer Berufsbildungsmaßnahme.