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Das fachliche Schuldbewußtsein - Teil 1: Grundfragen

Natürlich ist die Formulierung “das fachliche Schuldbewußtsein” provokativ und vielleicht auch anmaßend. Aber es ist so gewollt.

Martin Luther soll am Ende seiner Rede auf dem Reichstag 1521 in Worms gesagt haben: “Hier stehe ich, ich kann nicht anders.” Ein wenig fühle ich mich mich auch so, denke ich an  Coaching und erfahre ich Coaching in Diskussionen, das Verständnis von Coaching, wie darüber in der Öffentlichkeit gedacht, legitimiert, publiziert, behandelt und gehandelt wird.

Ganz offentsichlich haben wir uns mit der Beschäftigung des Themas “Coaching” zu einem geschlossenen System  (Autopoiesis) entwickelt, dass nur noch selbstrefrenziell über das Thema denken und schreiben kann. Jeder schreibt von Jedem ab, keiner “hinterfragt”, ob die traditionellen Auguren des Themas, wie Wissenschaft, Coachingverbände, bekannte Internetforen aber auch bekannte Einzelpersonen sowie die Fachpublikationen und sonstige Meinungsmacher ihr Tun fachlich begründen können. Ich gewinne den Eindruck , es geht nur noch um die Aufrechterhaltung einer “political correctness”. Aber wessen “political correctness” ist es eigentlich?

In Abwandlung eines bekannten Zitat, kann Coaching zu recht die Aussage machen: Erkenntnis vergib ihnen, denn sie wissen nicht, dass es dich gibt. Modern formuliert: Der Beobachter sieht nicht, dass er nicht sieht, was er nicht sieht.

Wer hinterfragt?

Wer stellt “in-Frage”?

Wer denkt Neues?

Wer legitimiert sich noch aus Primärlitertur im Sinne von Faktenwissen und nicht im Sinne von motivgesteuertem Deuten? Von der Verwendung der Sekundär- und Terziärliteratur ‘mal ganz abgesehen.

Was sind die Grundfragen, die gestellt werden müssen? Ich meine folgende:

1. Was bedeutet der Konstruktivismus im Coaching?

2. Ist es legitim aus Systemtheorien - der Schwerpunkt liegt auf  T h o r i e n  -  das Verständnis und Handeln von und für Coaching (logisch und/oder konstruktivistisch) abzuleiten?

3. Was ist der Unterschied zwischen systemischen und systemtheoretischen Denken und Handeln im Coaching

4. Hat der Beobachter erster Ordnung und der Beobachter 2. Ordnung eine Bedeutung im Coaching. Wenn ja -welche?

5. Was bedeutet konkret  Prozessberater und Beratung auf Prozessebene im Coaching?

6. Was sind die erklärbaren Unterschiede zwischen den Disziplinen Coaching, Beratung, Training. Supervision, Führung, Mediation und Mentoring?

7. Gibt es eine eigenständige Theorie für Coaching?

8. Welche Funktion haben die Pädagogik und die Neurobiologie im Coaching?

9. Wie muss ein unabhängig von Partikularinteressen freies Gremium personell und organisatorisch konstruiert sein, das Kontinuität und Innovation  von Denken und Handeln zu Coaching gewährleistet, ohne ein selbstrefrenzielles System zu werden?

10. Wann gibt es ein “Grundgesetz Coaching” und das “Verfassungsgericht Coaching”?

Bei diesen Fragen will ich es heut belassen - die Antworten folgen in loser Reihenfolge.

Mit Zweifeln zum Ziel - Misstrauen als Methode

So lautet ein Beitrag (S. 50ff) im Juni-Heft von ManagerSeminare. In diesem Beitrag geht um die Art und Weise unsere Wahrnehmung, Deutung und Entscheidungsverhalten in Situationen, insbesondere auch neuen Situationen. Worauf stützen sich Führungskräfte und wie wird bewusst oder unbewusst das Entscheidungsverhalten von ihnen organisiert?

Intuition, so die Autoren, ist hilfreich, insbesondere wenn wir für Entscheidungen auf bekannte Lösungen und/oder Ressurcen zurückgreifen können. Gilt diese Intuition auch für Situationen, die Führungskräften unbekannt sind?

Natürlich kann die Intuition genauso hilfreich wie schädlich sein. Zweifel haben, so wird in dem Artikel formuliert, kann sehr hilfreich sein für das Entstehen von Entscheidungen (Lösungsalgorythmus).
In diesem Zusammenhang wird besonders darauf hingewiesen, dass Führungskräfte in  klassische Kognitionsfallen stolpern können:

- Framing-Fehler
- Rückschaufehler
- Validierungsfehler
- Confirmation Bias
- Negativity Bias
- Halo-Effekt
- Primäreffekt
- Rezenzeffekt
- Falsche Ursache-Wirkung-Schlüsse ziehen.

Skeptiker und Zweifler, so die Autoren, gehören in der Regel nicht zu den beliebtesten Kollegen oder Führungskräften. Gelten sie doch eher als Nörgler und Stimmungsverderber.

In der Management- und Führungskräfteausbildung wird in der Regel nicht expliziet auf den Vorteil von angemessenen Zweifeln hingewiesen und ausgebildet. Wenn es gut kommt, dann ist das Thema implizit (”versteckt”) vorhanden.

Die Essenz des Artiikels lautet also: Wie hälst du es mit deinem Entscheidungsverhalten - liebe Führungskraft?

Nun kommt die gute Nachricht: in einem Coaching, genau so in einer Coachausbildung gehört der “Zweifel” zur Systematik. Jedenfalls wenn nach der Hamburger Schule gearbeitet wird.

Wo in unserem Coachingprozess finden wir den “Zweifel”? Auch wenn er begrifflich in einem anderem Gewand daher kommt.

1. Die initiierte Wahrnehmungserweiterung in der visuellen Aufstellung durch die Verwendung des St.Galler Managementmodells oder der TZI nach Ruth Cohn oder dem 10 Feldermodell sind strukturierte Zweifel an der Unvollkommenheit der eigenen Wahrnehmung.

2. Der Perspektivwechsel bei der Bearbeitung der “Zielerreichungsmerkmale” - Frage hier: Woran kann das ZEM erkennen, dass du dein Ziel… erreicht hast?

3. In der Ressourcenphase, wenn der Coachee seine gescheiterte Lösung nicht nur offenlegen soll, sondern auch analysieren soll, warum es zum Scheitern kam.

4. Bei der  Orienierung an einer strukturellen Ressource, um Verhaltensalternativen zu generieren (Selbstorganisation des Lösungsweges)

5. Bei der Analyse potenzieller Probleme, wenn es gilt “blauäugige” Handlungen zu identifizieren.

So gesehen ist unser Coachingprozess hoch modern und lässt Führungskräfte bewusst Entscheidungen generieren.

Der Lösungsalgorithmus und die Jauchegrube

… ach ja, sympathisch ist er mir der Karl Theodor.

Er tritt immer so klar und orientiert auf. Kann emotional - hängt natürlich mit seine Stimmlage und dem Sprechduktus zusammen - uns ohne anzuschauen die Aura der Freundschaft und des guten Familienmitglieds vermitteln. Bei Persil heißt es: da weiss man was man hat. Und bei Karl Theodor zu Guttenberg ” da weiss man was man kriegt”.Und was kriegen wir? In entscheidenden Situationen stimmt die erste Entscheidung nicht bei ihm:

- Schneiderhahn und der Staatsekretär

- das Entscheidungsdesaster um Oberst Klein

- die Suspendierung des Kapitäns der Gorch Fock

und nun seine Einlassungen zu seiner Promotion.

Was in der öffentlichen Diskussion beobachtet werden kann . ist, dass jedwede Argumentation geleitet ist von Interessen. Interessen die sich aus den Motiven und Bedürfnissen der Personen ergeben. Ob Frau Merkel, ob die CSU, ob die Opposition, ob die Damen und Heren aus der Wissenschaft ob “angeekelte” Ministerkollgen und Parlamentspräsidenten ob……..

Keiner fragt aber nach  dem Interesse der Position “Verteidigungsminister”. Diese Frage würde ein nach der Hamburger Schule ausgebildeter Coach stellen. Die Position “Verteidigungsminister” hätte den Anspruch, daß nur diejenige Person geeignet ist, der “politisch denken und systemisch handeln” kann. Der Handeln auf der Basis von wirksamen Ressourcen orientiert. Und eine “Analyse potentieller Probleme” mit einem überarbeiteten Handlungsplan wäre auch entstanden.

Wer ein starkes Anerkennungsmotiv hat und die Anerkennung in seiner Umwelt sucht und nicht in sich, wird erst handeln und dann a l l e s  über- und durchdenken, um zu einer weiteren Entscheidung zu kommen. Assoziiert nennt der Kundige es. Wer seine Interessen in einem “öffentlichen Amt” realisiert, muss scheitern. Die Interessen des Amt wollen realisiert werden.

Insofern ist es gut, Karl Theodor in sein Kloster “Besinne Dich” zu schicken, um in ein paar Jahren nach zu sehen, ob er für eine TOP-Führungsaufgabe gereift ist oder nicht.

Ich denke nicht. Solange er im Wertesystem seines Kontextes verharrt, wird er sich nicht ändern. (Ich möchte nicht, das Herr zu Guttenberg im Ernstfall -militärische Auseinandersetzung- die oberste Befehlsgewalt hat.)  Denn durch wen könnte so eine Erkenntnis bekommen? Na klar: durch einen ausgebildeten Systemischen Management Coach(SMC)® auf der Basis der Hamburger Schule. Wer differenzierte Lösungsalgorithmen hat, landet halt nicht in der Jauchegrube.

Allmachtsphantasien

  • Ich mag ja den Coaching-Report. Bringt er doch immer wieder viele Neuigkeiten aus dem Feld Coaching und angrenzenden Gebieten. Heute, nun, lese ich da, dass der DGSv einen neuen Vorstand gewählt hat. Prima. Und der neue Vorstand hat Vorstellungen, wie die Gesellschaft (DGSv) sich weiterentwickeln und sich im Markt positionieren soll. Auch prima.
  • Aber nun kommt’s: Supervision als Beratungsdisziplin in der gewerblichen Wirtschaft stärker zu positionieren, ist daher dritter Schwerpunkt der zukünftigen Vorstandsarbeit. „Es ist ein Irrglaube, dass sich wirtschaftlich vernünftiges Handeln und eine wertschätzende humane Grundhaltung ausschließen. In diesem Spannungsfeld zur Lösung von Konflikten und zur Stärkung der Menschen beizutragen, das kann niemand besser als unsere Supervisor/innen“, sagte die neue Vorsitzende Geißler-Piltz abschließend.
  • Allmachtsphantasien. Ich denke, die Dame kennt sich nicht aus im Deutschen Markt. Oder ist es “Pfeifen im Walde”?Aber so ist es halt mit den autoritären Ansätzen.

Prozess - wie unterschiedlich sind doch die Verständnisse

 

Im Netz finde ich folgende Erklärungen für Prozess:

 

- Prozess heißt das streitige Verfahren vor einem Gericht, das durch eine Klage (im Falle des Strafprozesses durch eine Anklage) eingeleitet wird und darauf zielt, die Situation durch eine verbindliche Entscheidung (ein Gerichtsurtei oder einen Gerichtsbeschlus) zu klären.

 

- Ein Geschäftsprozess beschreibt eine Folge von Einzeltätigkeiten, die schrittweise ausgeführt werden, um ein geschäftliches oder betriebliches Ziel zu erreichen.

 

- Ein Prozess erläutert den Fluss und die Transformation von Material, Informationen, Operationen und Entscheidungen.[1] Eine Spaltung in Teilprozesse, die sich wiederum in Schritte und Aktivitäten gliedern, ist möglich.

 

- Lange beschäftigte sich die Betriebswirtschaftslehre ausschließlich mit der Gestaltung der Aufbauorganisation. Dies führte zu einer Entfremdung vom Kunden sowie zu mangelnderFlexibilitä und Schlagkraft am Markt und damit verbundenen Wettbewerbsnachteilen. Deshalb kam es zu einer Fokussierung auf die Qualität im Unternehmen, so dass die Prozessorientierung an Bedeutung gewann. Erste Arbeiten zu diesem Thema wurden 1932 von Fritz Nordsieck, 1960 von Erich Kosiol und in den 80ern von Michael Gaitanides und August-Wilhelm Scheer veröffentlicht. Grundlage für die hier entworfenen Modelle hat Adam Smith bereits 1776 mit An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations gelegt.

 

- Scheer beschreibt einen Prozess als eine Abfolge von Ereignissen und Funktionen. Dabei ist ein Ereignis der Auslöser für eine Funktion oder auch Tätigkeit.

 

- Fritz Nordsieck weist in folgendem Zitat auf die Notwendigkeit einer an Prozessen ausgerichteten Unternehmensgestaltung hin:

Der Betrieb ist in Wirklichkeit ein fortwährender Prozess, eine ununterbrochene Leistungsktte. […] anzustreben ist in jedem Fall eine klare Prozessgliederung.“ (Nordsieck: 1932). Nordsieck begründet damit zwar noch kein prozessorientiertes Konzept, bildet aber immerhin die gedankliche Grundlage, denn er erkennt einen abstrakten Betriebsprozess als Grundlage für die Strukturierung der Aufbauorganisation.

 

- Nach DIN 19226 Teil 1 wird ein Prozess definiert als „Gesamtheit von aufeinander einwirkenden Vorgängen in einem System, durch die Materie, Energie oder auch Information umgeformt, transportiert oder auch gespeichert wird“[1]

 

- Der Technische Prozess wird mithilfe von Einflussgrößen gesteuert und liefert und Ergebnisgrößen. Materie- Energie und Information fließt zu bzw. ab. [2]Folge logisch zusammenhängender Aktivitäten zur Erstellung einer Leistung oder  Veränderung eines Objektes (Transformation) mit definiertem Anfang (Auslöser oder Input) und definiertem Ende (Ergebnis, Wert, Output) mit dem Hauptaugenmerk auf Wertzuwachs bzw. Wertschöpfung.

 

- Ein Prozess ist eine zusammengehörige Abfolge von Tätigkeiten zum Zweck einer Leistungserstellung. Innerhalb eines Prozesses werden Eingaben in Ergebnisse umgewandelt.

 

- Prozess (allg.:) Ablauf, Geschehen

 

- Prozess (Statistik) : Methode in der Statistik

 

- Die Methodologie (griechisch μεθοδολογία, etwa „Lehre über die Vorgehensweise“) ist die Lehre von den wissenschaftlichen Methoden.

 

 

WAS GILT DENN NUN IN UNSEREM  COACHING  - Hamburger Schule -?

 

..wenn dort vom Prozess gesprochen wird?  Unsere Teilnehmer fragen auch immer wieder danach.

 

Wir verstehen  unter Prozess  im Coaching  einen generell strukturierten Ablauf. Und verdichten unsere Sichtweise über den Prozess als eine Methode.

 

Methoden sind “richtige Abläufe” in einem Kontext. Wir ( www.hamburger-schule.net) definieren Methoden als themenspezifische Analyse- und Lösungsmuster, die ein “richtiges” Ablaufverfahren im Kontext definieren.

 

Unser Coachingprozess basiert auf den wissenschaftlich anerkannten Theorien: Selbstgesteuertes Lernen, Rubikonmodell nach Heckhausen. Kepner-Tregoe-Methode , Transfertheorien. Die Handhabung erfolgt auf Bais der Werte Freiheit, Feiwilligkeit, Ressourcenverfügung und Selbststeuerung, die konsequent zu beachten und einzuhalten sind.

 

Wer und was entscheidet die Entscheidung?

In diesen Tagen wird viel über einen Mann berichtet, der sich vor einen Zug geworfen hat und dabei zu Tode kam. Neben der individuellen und kollektiven Trauer, wird in der veröffentlichten Meinung der Eindruck vermittelt, daß die Krankheit des Mannes für den Siuzid verantwortlich ist. Ein Psychotherapeut erwähnt heute in einem Kommentar in DIE WELT, daß die Krankheit des Mannes nicht permanent auftritt. Es wechseln sich Phasen der Krankheit und den damit einhergehenden psychischen und physischen Beeinträchtigungen mit den Phasen der Nichtbeeinträchtigung ab.10 % der von dieser Krankheit Befallenen verüben den Siuzid. “Zwischen den Phasen ist der Patient in der Regel gesund”  schreibt der Psychotherapeut Manfred Lütz. ” Es handel sich übrigens nicht um einen “Freitod”, denn es war die Krankheit, die ihn in den Tod trieb” formuliert er weiter. Ich interpretiere diese veröffentlichte Meinung, daß der Mann “folgerichtig” seinen Suizid begang und er keinen freien Willen hatte, sich dagegen zu entscheiden.Der Mensch als was?Als Coach, der durch Coaching Entscheidungsfähigkeit durch den Coachee  auslösen will, komme ich nun in Bedrängnis. Hat der Mensch nun einen freien Willen zur Entscheidung oder nicht? Ist die enttäuschte großartige und einmalige Liebe, die sehnlichst nicht eingetretene Beförderung usw. verantwortlich für Siuzide?Motive und Selbstwirksamkeitserwartungen verbunden mit wertegeleiteten Kontexten veranlassen mich zum Verhalten, dem immer eine Entscheidung vorausgeht. Die absolute rationale - also entemotionalisierte - Entscheidung gibt es nicht. Bedeuten emotionale Einflüsse auf unsere Entscheidungen - welche Stärke auch immer -, daß wir keine freien Wahl der Entscheidung haben? Also dafür oder dagegen bzw. sowohl als auch?

“Prozessebene” Versuch einer Erklärung

Nun habe ich ein wenig recherchiert zum Thema “Prozesse” in der Welt von Psychologie und Therapie und bin dabei auf das Transtheoretische Modell, TTM (Prochaska & DiClemente, 1983; Prochaska, Velicer, DiClemente, & Fava, 1988) gestoßen (Nachdem andere Recherchen und Telefonate mit psychologischen Psychotherapeuten zur Definition von Prozess lediglich “das, was ein Patient durchlaufen muß, um Heilung zu erlangen” als Ergebnis brachten).
Wohlgemerkt geht es immer noch um das Thema “Beratung auf Prozessebene”. Das Modell wurde von mir ausgewählt, da es nach meiner Recherche (bisher) als Einziges sowohl den Begriff Prozess als auch Ebene (level) enthält. Im Sinne dieses blog-Beitrages wird es nicht vollständig behandelt.

Das Modell besteht aus drei Kerndimensionen: Prozesse (processes), Phasen (stages) und Ebenen (levels) der Veränderung.
Es postuliert 6 Stadien (stages) der (Verhaltens-)Veränderung, die es bei “problematischem Verhalten” zu durchlaufen gilt. Innerhalb dieses “Durchlaufens” gibt es wiederum 10 Prozesse (Processes of Change), 5 kognitiv-affektive Prozesse und 5 verhaltensorientierte Prozesse, die Menschen nutzen, um sich durch die Stadien zu bewegen.
Prozess im Sinne dieses Modells  sind offene oder verdeckte Aktivitäten, in die Menschen sich einlassen, um Emotion, Denken, Verhalten oder Beziehungen zu bestimmten Problemen oder Verhaltensmustern zu ändern.

kognitiv-affektiv
• Steigerung des Problembewusstseins („Consciousness raising“)
• emotionale Entlastung („Catharsis/dramatic relief”), („Emotional arousal“)
• Neubewertung des Selbst („Self-reevaluation“)
• Neubewertung der persönlichen Umwelt („Environmental reevaluation“)
• Selbstbefreiung („Self-liberation“), Selbstverpflichtung („Commitment“)
• Soziale Befreiung („Social liberation“)

verhaltensorientiert
• Gegenkonditionierung („Counterconditioning“)
• Stimuluskontrolle/ Kontrolle der Umwelt („Stimulus control“)
• Wiederholt gleicher Umgang mit Möglichkeiten („Contingency management“), Selbstverstärkung („Reinforcement management“)
• Hilfreiche Beziehung („Helping relationship“)

Diese 10 “Prozesse” müssen (nacheinander) durchlaufen werden, um eine Verhaltensveränderung herbeizuführen.
Ein Prozess im psychologisch-therapeutischem Sinne beschreibt demnach, wie Menschen Veränderungen in Angriff nehmen, um selbstschädigendes Verhalten mit oder ohne professionelle Behandlung zu verändern.

Allgemein verstanden ist ein Prozess ein gerichteter (mit Prozessziel) Ablauf eines Geschehens. Prozesse im Sinne der Psychologie haben zwar Ablaufcharakter - im Sinne eines Ziels geht es jedoch darum,  “selbstschädigendes Verhalten” in ein selbstförderliches Verhalten zu wandeln. Das Ziel eines Prozesses im Sinne der Psychologie beinhaltet demnach immer eine “Idealvorstellung” von selbstförderlichem Verhalten.  Diese Idealvorstellung ist abhängig von der jeweiligen Persönlichkeitstheorie (oder stark vereinfacht: dem Menschenbild) der ein Psychologe folgt. Der bemerkenswerteste Unterschied liegt in dem, was verändert werden soll.

Wenn wir uns  dem Begriffspaar  “Beratung auf Prozessebene” weiter nähern, empfehle ich, zuerst zu fragen “welcher Schule” entstammt der Autor?” Eine Entlehnung von Begrifflichkeiten aus der Psychotherapie beinhaltet m.E. zwangsläufig eine “therapeutische Deutung”.
Ziehe ich den Bogen vereinfacht zum Thema Coaching, entsteht folgendes Bild: Der Berater als der “Profi” für den Prozeß (die Prozesse), macht eine Analyse und diagnostiziert, entsprechend seiner professionellen Einschätzung, (möglicherweise) eine Abweichung von “seiner” Idealvorstellung.  Anschließend entwickelt er eine Vorstellung davon, welche Prozesse sein Coachee zu durchlaufen hat und berät  seinen Coachee, wie diese Veränderung wohl am besten in Angriff zu nehmen ist.
DiePsychotherapie ist die Behandlung psychisch, emotional und psychosomatisch bedingter Krankheiten, Leidenszustände oder Verhaltensstörungen mit Hilfe verschiedener Formen verbaler und nonverbaler Kommunikation.Letzen Endes bleibt es “Therapie”. Besonders “prickelnd” ist dann auch die Sichtweise von Dr. Björn Migge, der in seinem Handbuch Coaching und Beratung nicht von Analyse sondern Anamnese spricht. Ein Krankenbild.
Näher betrachtet erfordert diese Vorgehensweise (neben psychologisch) fundierter Ausbildung eine ausgesprochen tragfähige Beziehungsebene. Da zwischen “Coach” und “Coachee” ein Konsens bestehen muss, dass das Ziel der Veränderung, das der “Coach” orientiert an seiner Idealvorstellung, formuliert, auch das Ziel des Coachees ist. Für mich ist der Mensch im Coaching gesund. Er ist von einem selbstschädigenden Verhalten weit entfernt.
Ein therapeutisch orientierter Coach müßte auf die Frage, “was will Coaching?” seine Idealvorstellung eines “selbstwirksamen” (gesunden) Menschen formulieren.Damit wiese er letztlich nach, dass er autoritär ist und unter Coaching demnach “Fremdführung” versteht. In den Hochglanzprospekten steht aber “Hilfe zur Selbsthilfe”.

Die Hamburger Schule verwendet bewußt keine Deutungen aus einem therapeutischem Verständnis heraus. Der Prozeß im Coaching wird hier als “teilautonomes Handlungslernen” verstanden mit dem Ziel einer nachhaltigen Selbstlernkonzeption.
Durch die Sichtweise von Coaching als empathisch-dramaturgischen Kontext ist auch der Prozeß grundsätzlich an die Werte von Coaching (Freiheit, Freiwilligkeit, Ressourcenverfügung und Selbststeuerung) gebunden. Wie alles, was in irgendeiner Form im Coaching statt findet, an diese Werte gebunden ist. Daraus ergibt sich auch das Menschenbild und vor allem wird durch den Coach keine Lösung angeboten. Weder durch eine Frage, noch durch einen Rat. Ein Coach im Sinne der Hamburger Schule macht Reflektionsangebote auf einer Abstraktionsebene. Die auf dieser Ebene durch den Coachee entdeckten Verhaltensalternativen werden (deduktiv) ebenfalls nur durch den Coachee in seine thematische Welt übertragen und überprüft. Es geht darum, dass der Coachee selbst seine Lösung findet. Diese Lösungen sind durch den Coachee selbst in andere Kontexte übertragbar. Der Coachee hat “gelernt”. Er kann sich selber (kontextübergreifend) in seinem Veränderungsanliegen erfolgreich steuern.

Fazit: Stützten sich die Analyse und das Vorgehen im Coaching rein auf o.a. Prozesse ab, so bleibt Coaching Therapie.

Bemerkung: An dieser Stelle kann ich die Psychologen verstehen, die  ein abgeschlossenenes Psychologiestudium für Coachs fordern …. Coachs, die lediglich in beliebigen Methoden ausgebildet sind, haben nicht einmal die Ressourcen für eine Analyse zur Verfügung. Sie denken in einer Matrix “Bei Anliegen XY hole ich Tool 41 aus dem Koffer”. Das ist weitaus schlimmer als unter Coaching Therapie zu verstehen.
Abgesehen davon würde bei diesem Verständnis auch ein Psychologiestudium nicht reichen. Eine therapeutische Zusatzqualifikation ist hier auch vom Gesetzgeber vorgesehen. Noch sind die deutschen Gerichte nicht so weit, die Dienstleistung Coaching zu bewerten. Gelingt jedoch einmal der Nachweis, dass Laien therapeutisch arbeiten, so wird die Hamburger Schule in dieser Zeit hoffentlich nicht die “einzige Schule” sein, die das Zepter von Freiheit, Freiwilligkeit, Ressourcenverfügung und Selbststeuerung hochhält. Da werden viele Mitstreiter gebraucht.

Ich könnte ja die Lust verlieren…..

Es gibt wirklich gut Einrichtungen - so z.B. das Internetnetzwerk “Xing”. Da gibt es viele Foren in dem “man” sich mit Gleichgesinnten treffen kann. Rumalbern, Frust abladen, Gedankenaustausch und ernsthaft diskutieren kann man und Vieles mehr - alles ist oder scheint möglich. Aber ich glaube gegen Dummheit, Arroganz und assoziale Werte und Verhaltensweisen kann wenig getan werden. In Xing gibt es ein Forum “Coaching”. Mittlerweile sind dort über 3.700 Mitglieder eingetragen, von der weit überwiegenden Zahl merkt man nichts, weil sie sich nicht durch Beiträge zu erkennen geben.Eine ernsthafte, differenzierte und am Thema Coaching orientierte Diskussion kann ich dort nicht führen. Selbstdarsteller, Besserwisser und schlicht dumme Menschen, die sich da zum Teil tummeln. Schade, daß sich so was Coach nennen darf.Ich könnte ja die Lust verlieren - tue ich nicht, dann bliebe mir nur Frust. Schöner ist es doch, wenn die Anderen Frust haben und ich Lust auf meine Missionarstätigkeit in Sachen Coaching nach den Erkenntnissen der Hamburger Schule fröne.

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