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25.2.2011 von Axel Janßen.
Das Unternehmen
Ein Unternehmen setzt sich mit der Zukunft auseinander und will ein betriebswirtschaftliches Überleben (Produktivität, Liquidität, Wirtschaftlichkeit)oder ein betriebswirtschaftliche Verbesserung sicherstellen. Der Mensch selbst, manchmal als Produktionsfaktor gesehen, ist Teil des Humankapitals des Unternehmens, das den gegenwärtigen oder zukünftigen Anforderungen seines Marktes gerecht werden muss. Es gilt, dieses Kapital zu erhalten und zu entwickeln. Coaching wird deswegen bezahlt, weil das Unternehmen glaubt, eben das damit zu erreichen. Dafür ist das Unternehmen bereit, Geld zu investieren. Abhängig davon, welches Menschenbild bzw. welche Werte ein Unternehmen hat, wird es unter Coaching auch Training oder Beratung ggf. Therapie verstehen wollen.
Qualität wird (noch) subjektiv als Beitrag zur Erhaltung der Humankapitalrendite verstanden.
Organisationen oder NGOs unterliegen denselben betriebswirtschaftlichen Bedingungen mit dem kleinen Unterschied, dass sie Wertschöpfung in Bezug auf ein Thema betreiben.
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24.2.2011 von Axel Janßen.
Sicherlich werden wir rasch im Duden oder bei wikipedia fündig, wenn wir eine Definition für das Wort “Qualität” suchen. Doch wer stellt Ansprüche an das Thema Qualität und beeinflusst die Deutung?
Der Endkunde (Coachee)
Vielleicht ist der Endkunde das eigentliche Problem. Informiert durch eine mediale Beliebigkeit baut er Erwartungen an das Thema auf.
Jeder Mensch will für sich erfolgreich sein. Wie er selbst Erfolg versteht und in welchen Kontexten er sich verändern möchte, legt er selbst fest. Wird nun versprochen, dass Coaching
- „eine Maßnahme zur Leistungssteigerung ist“, erwartet er subjektiv als Qualität, dass er seine Leistung (in Bezug auf was?) gesteigert hat.
- neue Impulse für mehr Erfolg im … gibt, erwartet er, dass sein Coach ihm aus seiner Sicht zu etwas anregt. Die Qualität liegt in der subjektiven Bewertung der „Impulse“ durch den Coachee.
- das unentdeckte Potenzial entfacht oder entfesselt, erwartet er, im Coaching durch den Coach etwas zu erfahren, was er über sich selbst nicht weiß und es anschließend nutzen kann. Die Qualität liegt im subjektiv wahrgenommenen Unterschied zwischen dem Zustand vor dem Coaching und dem Zustand nach dem Coaching. Gibt es einen Erkenntnisgewinn und kann ich diese Erkenntnisse zu meinem Vorteil nutzen (Vorsicht für QCA-Coachs: An den Frieden denken).
- professionelle Beratung, Begleitung und Unterstützung von Menschen in Unternehmen ist (auf Prozessebene), erwartet er, (dass eine Hausfrau nicht gecoacht werden kann) dass der Coach ihm Ratschläge gibt, wie er sein Thema bearbeiten soll (kann). Gleichzeitig wird er in der Umsetzung der Veränderung vom Coach aktiv unterstützt und begleitet (so lange es dauert). Die Qualität liegt subjektiv in der Beurteilung der fachlichen Expertise des Coachs und in der Kongruenz des erreichten Ergebnisses in Relation zum Aufwand und zur Erwartung.
- Hilfe zur Selbsthilfe ist, erwartet der Coachee, dass der Coach ihn dabei unterstützt, sich zukünftig ohne Coach (selbst) reparieren zu können.
Anmerkung: Früher gab es eine Buchreihe zur Autoreparatur für verschiedene Modelle, die „Jetzt helfe ich mir selbst“ hieß.
Die Qualität liegt in der subjektiven Bewertung „kann ich das jetzt?“
Allgemein wird ein Coachee den Unterschied zwischen vor dem Coaching und nach dem Coaching emotional bewerten. Er fragt sich “entspricht das, was jetzt anders ist als vor dem Coaching meinen Erwartungen?”
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23.2.2011 von Axel Janßen.
Die QCA (Qualitätsgemeinschaft Coach Ausbildungen) hat „Minimale ethische Sollens-Grundsätze für Coaches“ festgelegt.
Lesenswert ist der Sollens-Grundsatz Nr. 14:
„Coaches sind zum einen ehrbare „Kaufleute“, die wirtschaftlichen Erfolg anstreben. Zum anderen sehen sie sich in einer besonderen Verantwortlichkeit für diese Welt. Das Ziel ihrer Arbeit ist es nicht ausschließlich Geld zu verdienen – da Geld kein Ziel sondern nur ein Mittel ist. Stattdessen dienen sie mit ihrer Arbeit drei Zielen: Mehr Frieden, mehr Wohlergehen, mehr Entfaltungsmöglichkeiten zu ermöglichen – für die Klienten, ihr soziales Umfeld, für den Coach selbst (…)“
Ein Coach, der sich diesem Gedanken verpflichtet fühlt, muss demzufolge im Coaching darauf achten, dass es
a) Für ihn selbst im Coaching darum geht, sein eigenes Wohlergehen sicher zu stellen. Er sich im Coaching selbst ausreichend entfalten kann und er vielleicht mehr Frieden für sich und alle anderen auf dieser Welt erreicht.
Der Coach ist in einer „besonderen Verantwortlichkeit für diese Welt.“ Der Coachee selbst oder sein Unternehmen kaufen demnach einen Dienstleister, der durch seinen ethischen Bezug, eigene Ziele verfolgt, für deren Realisierung ein Kunde bezahlt.
b) Für die Klienten im Coaching darum geht, Ihr Coachingthema so zu bearbeiten, dass damit auch ein Beitrag zum „Frieden“ einhergeht, dass es immer um das Wohlergehen und die Entfaltungsmöglichkeiten seines gesamten sozialen Umfeldes geht (dazu gehört auch der Coach).
Wie auch immer die Begriffe „Wohlergehen“ und „Entfaltungsmöglichkeiten“ gedeutet werden – Für den Klienten bedeutet es, dass er nicht die Freiheit hat, Lösungen zu entwickeln, die diesen beiden Begriffen entgegenstehen. Er wird gezwungen, bei jeder Entwicklung das zu berücksichtigen und sein Coach achtet ethisch verpflichtet darauf.
Trifft der Coachee z.B. im Coaching die Entscheidung, sein Unternehmen in´ s Ausland zu verlagern, so muss er Wohlergehen und Entfaltungsmöglichkeiten seiner Deutschen Mitarbeiter im Auge haben (sofern sie zu seinem sozialen Umfeld zählen), gleichzeitig aber auch die Mitarbeiter im Ausland. Es sei denn, er zählt sie dann nicht zu seinem sozialen Umfeld. Doch vielleicht ist es ein Beitrag für den Frieden.
c) Für das soziale Umfeld, auch wenn es selbst im Coaching nicht anwesend ist, Frieden bedeutet, das Wohlergehen und Entfaltungsmöglichkeiten sicher gestellt sind. Auch wenn nicht das gesamte Umfeld im Zusammenhang mit dem Coaching Thema steht.
Eine harte Aufgabe, die dieser Coach hat, wenn er seiner besonderen Verantwortlichkeit für diese Welt nachkommen will. Dazu hat er sich ja verpflichtet.
Wie kann nun ein solches Coaching aussehen?
Der Coach wird zunächst für sich festlegen, was er selbst unter „Verantwortlichkeit für diese Welt“, „Wohlergehen“ und „Entfaltungsmöglichkeiten“ und „Frieden“ versteht. Mit dieser Mission macht er sich auf in´s Coaching. Vor Augen vielleicht die Vision einer besseren Welt. Sein Klient hat vielleicht ein Thema, dass er selbst als „Zeitmanagement“ bezeichnet. Nun lässt sich Zeit nicht managen – jeder managed sich selbst. Der QCA Ideologie zufolge muss der Klient in seinem Selbstmanagement grundsätzlich den Frieden, das Wohlergehen aller, die ihm bekannt sind und deren Entfaltungsmöglichkeiten im Blick haben … und natürlich sein eigenes (und darf seinen Coach auch nicht vergessen).
Doch der Klient hat einen Arbeitsvertrag und Familie. War es vorher schon schwer genug, die eigenen Ressourcen mit den kontextbezogenen Anforderungen in Einklang zu bringen, so ist es nach dem Coaching vielleicht unmöglich.
Die Anforderungen des Kontextes, der aus Sicht des Klienten zu seinem Thema gehört, steigen um Frieden, sowie Entfaltungsmöglichkeiten und Wohlergehen für alle (einschl. Coach).
Was hat der Klient (Coachee) davon? Was hat das Unternehmen davon, das das Coaching bezahlt?
Oder wird hier von Weltverbesserern Wertverzehr auf hohem Niveau betrieben?
Eine Auseinandersetzung mit dem Kontext und den Folgen beabsichtigter Handlungen in Bezug auf den Kontext ist auch nach der Hamburger Schule, die Coaching grundsätzlich als systemisch versteht, integraler Bestandteil der Coachingprozesses. Doch legt der Coachee selbst fest, wer und was mit seinem Thema zusammenhängt und ob mögliche systemische Folgen für ihn selbst oder andere attraktiv sind oder nicht.
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20.10.2010 von Dr. Meier.
Die Frage “was ist eine Coachingschule”, ist wohl nicht ganz einfach zu beantworten, da wir keinen verbindlichen Maßstab dafür haben. Keinen verbindlichen Maßstab für “was ist Coaching” und keinen gültigen Maßstab was ist in diesem Zusammenhang “eine Schule” ist. Die Schulen der Coachs sind nicht staatlich, geschweige denn eine wissenschaftliche Einrichtung.
Hinzu kommt, dass wir in Deutschland eine große Anzahl von Coachausbildungen und Coachausbildnern aber auch eine kleinere Anzahl von Zertifizierungen von Coachs haben. Dies macht es uns schwer, Überblick zu behalten oder zu bekommen.
Dies sollte uns aber auch nicht irritieren oder verstören, können wir doch Merkmale identifizieren, die uns in die Lage versetzen, Orientierung für Merkmale einer Coachingschule zu bekommen.
Coachingschulen sind zunächst Einrichtungen oder Lehr- / Lernkonstrukte, in denen Coaching gelehrt und gelernt wird. Dies kann in einer Einrichtung mit mehreren Lehrern aber auch mit einer Lehrkraft geschehen. Es kann ein Lehrer einen oder mehrere Schüler haben und ein oder mehrere Schüler können ein oder mehrere Lehrer haben. Wohl wissend, dass die Lehrer wiederum in einer Schule ausgebildet wurden oder nach einer Schule unterrichten. Möglicherweise sind es aber auch selbsternannte Coachinglehrer. Hinzu kommt, dass es keine Aussagen darüber gibt, ob die Lehrer lehren gelernt haben — und wenn ja, nach welchen Maßstäben.
Je nach Betrachtung kann als Schule sowohl eine öffentliche als auch private Anstalt verstanden werden, in deren Räumen themenspezifischer Unterricht den Lernenden durch Lehrende vermittelt wird.
Öffentliche Coachingschulen erkennen wir in Studiengängen an Fach- und Hochschulen. Beispiele: Die Internationale Hochschule Calw bietet einen Masterstudiengang „Innovative Veränderungprozesse — Coaching und Systementwicklung” an. Die Universität Hannover z.B., bietet ein Kontaktstudium Coaching an. So finden sich in der deutschen Hochschullandschaft vielfältige Angebote. Einen eigenen Lehrstuhl für Coaching gibt es bisher nicht an deutschen Hochschulen.
Private Coachingschulen sind Einrichtungen des Privatrechts als Personengesellschaft oder Kapitalgesellschaft. Nach den Recherchen von Christopher Rauen gibt mehr als 300 Coachausbildungen in Deutschland. Nur ein geringer Teil dieser Anbieter von Coachausbildungen sind in Coachingverbänden organisiert.
Interessanterweise empfinden sich die Verbände nicht als „Oberschulen”. Zwar geben sie allgemeine Rahmenbedingungen für die Mitgliedschaft als Coachausbildungsinstitut, aber diese beschränken sich in der Regel auf quantitative Ordnungsmerkmale und sehr allgemeine (abstrakte und damit interpretationsfähige) Hinweise was Coaching sein könnte.
Unter Schule wird aber auch der Zusammenschluss Gleichgesinnter verstanden, die eine spezifische Auffasung der Interpretation eines Themas haben.
Schulen sind auch Einrichtungen, in denen im Geiste vorangegangener Generationen oder Einzelpersönlichkeiten bestimmte Einsichten, Regularien und Werte gelebt und an „Schüler” weitervermittelt werden.
Dies gilt besonders für Schüler oder Anhänger bekannter Persönlichkeiten wie Bandler, de Shazer … usw.
So gesehen sind Coachingschulen zu betrachten als Horte und Orte in denen spezifisches Coachingverständnis vermittelt, gelehrt und weiterentwickelt wird. Zu Ende gedacht, bedeutet es aber auch, dass die Schulen öffentliches Interesse am Thema Coaching nicht beachten oder berücksichtigen müssen.
Coachingschulen in Deutschland unterscheiden sich nach ihrer Wirkungserwartung, so genannte Coachingansätze. Dazu zählen Ausprägungen, wie:
• thematische Grundierung, wie Coachausbildung auf der Basis der Transaktionsanalyse, Coachausbildung auf der Basis des NLP
• werteorientiertes Coachverhalten, wie systemisch-konstruktivistisches Coaching,
• anlassbezogene Coachingthemen, wie Kopfschmerzcoaching, Mentalcoaching, Bewerbungscoaching, Präsentationscoaching
• nach einzelformatbezogenem Coaching, wie z.B. wingave-Coaching, Entspannungscoaching, Sprechcoaching.
Zusammenfassend kann gesagt werden: Coachingschulen haben wir in Deutschland — wenn überhaupt — sehr wenige. Wenn wir die Idee der Schule aus anderen Bereichen transferieren, wie „Das Bauhaus” — eine Richtung des architektonischen Verständnisses und daraus abgeleitete Baumuster. Oder ein musikalisches Klangbild wie das der „Wiener Philharmoniker” oder das der „Berliner Philharmoniker” um daraus musikalische Interpretationsmuster abzuleiten, können in diesem Verständnis nur wenige Einrichtungen als Coachingschulen betrachtet werden.
Es sind die Anerkennung und Wiedererkennung des Verständnisses bzw. inhaltlich reproduktionsfähige Anwendungen, die eine „Schule” zur „Schule” machen. Aber auch die überprüfbare und legitimierende Grundlage der Wirkungserwartung und dem damit verbundenen Coachingansatz des Coachingverständnisses.
Überprüfbare und legitimierende Grundlagen gibt es objektiv nur im Kontext wissenschaftlicher Erkenntnis. Diese Erkenntnisse basieren auf Modellen, Theorien sowie Axiomen und Theoremen.
Wer sich umschaut auf den Homepages und Internetdarstellungen von Coachausbildungsanbieter, wird zu seinem Erstaunen feststellen, dass in der Regel Coachausbildungen diesen Anforderungen nicht gerecht werden.
Die Frage aller Fragen des Artikels lautet also: „Wer in Deutschland ist überhaupt eine Coachingschule?”
Antwort:
Coachingverständnis nach der Erklärungssystematik der Hamburger Schule. Theorie vom Selbstorganisierten Coaching. Also hier.
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30.8.2010 von Axel Janßen.
Soeben erreichte mich per mail eine Pressemitteilung der Zeitschrift managerSeminare mit dem Titel
“managerSeminare-Umfrage Trainingsmethoden 2010:
Coaching ist Deutschlands beliebtestes Beratungs- und Trainingsformat”
(Was konkret ist in diesem Zusammenhang ein Format?)
Nach eigenen Angaben hat managerSeminare “einen Blick in den Methodenkoffer von Deutschlands Trainern geworfen und aus den Antworten ein Methoden-Ranking errechnet. (Wie hängt denn nun Methode mit Format zusammen?)
Von mangerSeminare wurde gefragt “Wie oft nutzen Sie diese Trainingsmethode?” daraus ergab sich laut der Pressemitteilung folgende Reihenfolge:
”
1. Coaching
2. Simulationen
3. Action Learning
4. Problembasiertes Lernen
5. Gewaltfreie Kommunikation
6. Storytelling
7. Supervision
8. Collaborative Learning
9. Großgruppenübungen
10. NLP-Methoden
”
Nun ist Coaching also eine Trainingsmethode (Gut, dass ich als einer der Gründer des dvct e.V. den Verband damals als Verband für Coaching UND Training angelegt habe. Nur wollte ich nie, dass alles in einen Topf geworfen wird.)
Ganz unabhängig von meiner Meinung zum Thema Coaching ist es interessant, dass Coachs am Markt mit Ausnahme des so bezeichneten “Problembasierten Lernens” alle der oben genannten “Methoden” im Einzel/Team/Gruppen-Coaching nutzen.
Schlichtweg bedauerlich ist es hier vielleicht für Coachs, die NLP-Methoden nutzen, dass Coaching die beliebteste Methode ist, NLP aber nur auf Platz 10 rangiert. Doch Coaching ist ja nach Meinung der Verfasser der Pressemitteilung eine Trainingsmethode.
Was ist denn nun der Coach? ein Trainer? ein Berater? Warum nennt er sich dann Coach?
Das Wort Trainer gab es vor einigen Jahren noch nicht. Damals hieß es Übungsleiter. Ein Verantwortlicher für den korrekten Ablauf einer Übung, die ein bestimmtes Ziel verfolgt. Heute heißt umgangssprachlich Übung Methode und der Übungsleiter ist ein Trainer. Was bleibt ist, dass ein Trainer ganz konkret ein Ziel verfolgt. Methoden sind reproduzierbare Abläufe, um eben ein konkretes Ziel zu erreichen. Doch welches Ziel verfolgt ein Trainer, wenn er eine der o.a. “Methoden” anwendet?
Jede dieser Strichaufzählungen hat ein konkretes Ziel. Wäre in der Umfrage ein Trainings (Lern-)Ziel definiert worden, so könnte die Reihenfolge legitimiert werden. Ohne dieses formulierte Ziel werden Äpfel mit Birnen verglichen. Bedauerlich für all die, die diese “Methoden” zur Erreichung eines konkreten Ziels nutzen und sich so vielleicht abgewertet fühlen.
Versöhnlich stimmte mich dann doch eine Aussage von Frau Bußmann: “Als ein sehr selbstgesteuertes Format gilt das Problembasierte Lernen als eine der Lernformen, die in einer angestrebten Kultur des lebenslangen Lernens noch wichtiger werden könnte.” (”Ausgehend von einer konkreten Problemstellung erarbeitet der Lerner weitgehend eigenständig Lernziele und entsprechende Lernwege.”) Ist das “Hilfe zur Selbsthilfe, wenn ein Mensch so etwas dann eigenständig kann?
Diese Aussage kommt der Theorie vom Selbstorganisierten Coaching der Hamburger Schule schon recht nahe. Möglicherweise mag ein Magazin darunter nicht Coaching verstehen, da der Begriff “Lernen” enthalten ist.
Ich verstehe auch, dass managerSeminare zum Thema Coaching keine eigene Meinung entwickeln mag, da der Markt des Magazins o.a. Verständnis hat und eine differenziertere Meinung unweigerlich zum Verlust von Lesern führen könnte. So werden dann wohl weiterhin Äpfel mit Birnen verglichen. Ganz ähnlich der Marburger Studie zum Thema Coaching.
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20.8.2010 von Axel Janßen.
Nur eine approbierte Person darf eine Diagnose stellen. Das kann ein Arzt, Therapeut oder auch psychologischer Berater (nach HPG) sein - Rechtlich entscheidend ist, dass diese Diagnosen Krankheiten betreffen.
Ein Coach, der autoritär, dass heißt beratend arbeitet, muss sich demzufolge immer auf das Terrain der “(Prozeß-) Begleitung” zurückziehen, da es ihm, sofern er nicht approbiert ist, verboten ist, zu diagnostizieren. Er darf alles feststellen, solange er nicht eine Krankheit feststellt.
Nun ist Krankheit ja nicht das Fehlen von Gesundheit. wiki definiert Krankheit wie folgt: “Störung oder Einschränkung der normalen körperlichen und/oder seelischen Funktionen; das Kranksein bzw. …. ist die Störung der Funktion eines Organs, der Psyche oder des gesamten Organismus.”
Wenn ein Coach einen Glaubenssatz “diagnostiziert” und vorschlägt, diesen Glaubenssatz zu entfernen oder durch einen “förderlichen” zu ersetzen - geht er da nicht von einer Störung oder Einschränkung der normalen seelischen Funktionen aus? Oder beziehen sich diese Einschränkungen grundsätzlich auf ein damit einher gehendes Leiden?
Es ist wahrscheinlich, dass bei einem gesunden Menschen eine Störung diagnostiziert wird.
Wenn sich, wie viele behaupten, Coaching aus der Therapie herleitet und Coachausbildungen eindeutig auf ihre Verwandschaft mit lösungsorientierter Kurzzeittherapie, Transaktionsanalyse oder NLP hinweisen, so geht damit in der Regel ein diagnostisches Vorgehen einher. Da aber keine Krankheit (wörtlich) diagnostiziert wird, ist ein solches Vorgehen rechtlich (noch) unbedenklich.
Der Grat ist schmal. Mal ist ein innerer Antreiber ursächlich für eine Krankheit verantwortlich - mal schränkt sie nur erfolgreiches Verhalten ein. Wer aber beurteilt das? Für Krankheiten gibt es die ICD. Für erfolgreiches Verhalten haben viele Coachs ihr ganz eigenes Verständnis. Doch immer dann, wenn der Coach bewertet, ob etwas förderlich oder hinderlich ist, begibt er sich in eine rechtliche Grauzone.
Da autoritäres Coaching offiziell unter “Beratung” oder “Prozessbegleitung” firmiert, wird diese Grauzone literarisch umschifft.
Vielleicht ist die Fraktion der Coachs, die unter Coaching Training versteht dann doch die angenehmere. Sie verzichtet zur Gänze auf “Diagnosen” und arbeitet munter autoritär drauflos. Das ist zumindest rechtlich unbedenklich.
Was die Ideen und Ansätze des autoritären Coaching eint, ist die konsequente Vernachlässigung des Grundgesetzes (allgemeines Persönlichkeitsrecht aus Art. 2 Abs. 1 i.V.m. 1 Abs. 1 GG - siehe auch http://hamburger-schule.net/ausbildung/rechtsgrundlagen.htm ).
Dabei könnte alles viel einfacher sein. Wenn der Coachee sich selbst “diagnostizieren” kann und der Coach gänzlich auf jedwede Form der Diagnose verzichtet. Dafür steht die Hamburger Schule.
Zu guter Letzt noch ein Aspekt, der eine besondere Relevanz für Unternehmen haben kann, die Coaching als Dienstleistung einkaufen (bitte sehen Sie mir nach, dass ich nicht als Rechtsgelehrter formuliere, sondern in diesem blog nur meine Gedanken zum Ausdruck bringe):
Personalentwicklung ist an das Bertriebsverfassungsgesetz gebunden. Ein autoritäres Verständnis von Coaching kann einer Berufsbildungsmaßnahme entsprechen und zwingt damit zur Berücksichtigung des BetrVG. Glücklicherweise ist Coaching kein Begriff, der rechtlich erfaßt ist. Doch sollte der Beriebsrat einmal autoritäres Coaching als Berufsbildungsmaßnahme verstehen, dann kann der Paragraph 97 oder 98 ganz interessant werden.
Autonomes Coaching, so wie es die Hamburger Schule versteht, kann nie einer Berufsbildungsmaßnahme entsprechen, da es keinen bildenden oder erzieherischen Charakter verfolgt oder in irgendeiner Weise auf einen Betroffenen einwirken will. Es geht in einem Thema um selbstorganisierte Wahrnehmungserweiterung, Entscheidungsfähigkeit und Verhaltensalternativen und eben nicht um fremdorganisiertes Lernen wie bei einer Berufsbildungsmaßnahme.
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9.8.2010 von Axel Janßen.
“Wie wird in Ihrem Coachingverständnis denn der Konstruktivismus berücksichtigt?” fragte ich einen Coach. Seine Antwort lautete sinngemäß: “Jeder Mensch hat seine eigene Landkarte, die er aufgrund seiner Wahrnehmungsvorlieben, z.B. visuell oder auditiv, konstruiert. Das berücksichtige ich als Coach. Da ich selbst als Coach ganz andere Wahrnehmungsvorlieben habe, hinterfrage ich vor meiner Analyse alle Zahlen, Daten und Fakten meines Coachee und wähle Tools aus, die zu seinen Wahrnehmungsvorlieben passen, um unser vereinbartes Ziel zu erreichen.”
Diese Aussage mutet zunächst plausibel an. Doch berücksichtigt das wirklich den Konstruktivismus?
Richtig ist: Jeder Mensch deutet seine Welt aus sich heraus (autoritär: aus der eigenen Person heraus). “Welt” ist ein allumfassender Begriff. Auf ein Thema übertragen bedeutet es, dass der Coachee alles, was aus seiner Sicht mit einem Thema zusammenhängt (systemisch), autoritär deutet und bewertet - einschließlich der Zusammenhänge. Die Hamburger Schule setzt diese Tatsache so um, dass der Coach gänzlich auf eigene Deutungen und Bewertungen verzichtet bzw. verzichten muss, da diese ebenfalls konstruktivistisch bzw. autoritär sind. Damit ist jede Diagnose oder Analyse durch den Coach tabu. Der Coach kann und darf daher nur Hypothesen bilden.
Aus Sicht der Hamburger Schule kann der Konstruktivismus im Coaching nur berücksichtigt werden, wenn der Coachee sich selbst analysieren oder diagnostizieren darf. Hierin liegt das Wesen des plakativen Begriffs “Hilfe zur Selbsthilfe”.
Sicherlich haben die NLP-Coachs Recht, wenn Sie behaupten, dass es für den Coachee förderliche und hinderliche Glaubenssätze gibt. (Axiom der Hamburger Schule: Werte, die handlungsleitend sind, aber hinsichtlich ihrer Bedeutung nicht reflektiert werden, führen zu Glaubenssätzen. Glaube ist ein Wertekontext, der nicht hinterfragt wird.) Doch wer diagnostiziert einen Glaubenssatz? Und was legitimiert einen Coach, einen Glaubenssatz zu ersetzen? NLP liefert hier eine Reihe von Methoden, um eben das zu erreichen, z.B. “walking belief exchange”. Kennzeichnend ist, dass der Coach selbst einen Glaubenssatz seines Coachee identifiziert (ähnlich einem transaktionsanalytischen Therapeuten, der “innere Antreiber” entdeckt). Stimmt der Coachee der Diagnose seines Coachs zu, wird vereinbart, eben diesen Glaubenssatz zu ersetzen. An dieser Stelle entfaltet NLP seine volle Wirkung: vom Ankern bis zu Swish-Techniken unternimmt der Coach alles, um Glaubenssätze umzuwandeln.
Bemerkenswert ist die Verantwortung, die der Coach aufgrund seiner Diagnose hier für sein Handeln übernimmt. Er repariert, er diagnostiziert, er läßt üben. Das kann für den Coach schon berauschend sein. Er greift in´s mentale Geschehen eines Menschen ein. Doch was unterscheidet den Coach hier von einem Trainer? (oder Therapeuten?)
Wäre der Konstruktivismus berücksichtigt, so würde der Coachee (s)einen Glaubenssatz selbst diagnostizieren. Dazu müßte der Coach ihm Angebote unterbreiten, die ihm eine Selbstdiagnose ermöglichen, so dass er, zurückgreifend auf seine Ressourcen, aus sich selbst heraus Alternativen entwickelt. Die Hamburger Schule verfügt hier über den Coachingprozess, das MVWK-Modell, das Kompetenzmodell und verschiedene andere wissenschaftlich legitimierte Strukturen, die dem Coachee eben das bieten.
Diagnosen, Analysen und jedwede Form der Bewertung ist autoritär. Praktiziert ein Coach auf diese Weise, kann der Konstruktivismus nicht berücksichtigt sein. Der Coach übernimmt automatisch Verantwortung für das Ergebnis und verläßt seine Prozessverantwortung. Erkenntnisse aus dem Coaching kann der Coachee nicht nutzen. Es liegt also auch keine Hilfe zur Selbsthilfe vor (Es sei denn, der Coachee lernt NLP im Coaching und kann die Methoden selbst bewerten und mental applizieren).
Was unterscheidet ein Coaching, bei dem der Coach diagnostiziert von einer Therapie?
Vom Wesen her nichts. Mit einem großen Unterschied: Ein Therapeut ist idR umfassend diagnostisch ausgebildet. Er verfügt über Diagnoseraster, die es ihm erlauben, Abweichungen, die zu einem Leiden führen, festzustellen und für seinen Patienten Strategien zu entwickeln, diesem Leiden zu begegnen.
Zum Coach wird niemand kommen, der bereits körperlich unter seiner seelischen Verfassung leidet. Wenn aber dem gesunden Menschen mit Therapie begegnet wird, so muss er wohl aus Sicht des Coachs krank sein.
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23.6.2010 von Dr. Meier.
Guten Tag liebe Leser,
ich möchte Sie über folgende Neuerscheinung informieren:
Dr. Rolf Meier und Dipl.Päd. Axel Janßen
CoachAusbildung - ein strategisches Curriculum
Gebunden - 612 Seiten - DIN A 4
Verlag Wissenschaft & Praxis, Dr. Brauner GmbH, 75447 Sternenfels
ISBN: 978-3-89673-547-8
Worum geht es?
Coaching unterstützt Menschen darin, ihre Wahrnehmung zu erweitern, entscheidungsfähig zu werden, Verhaltensalternativen zu entwickeln und ihre Erkenntnisse in andere Bereiche zu übertragen.
Aber in welchem Wertesystem wird Coaching als Unterstützung verstanden und praktiziert?
Die Autoren begreifen Coaching nur dann als wirksam, wenn Coaching als autonomes selbstorganisiertes Handlungslernen verstanden wird. Dazu zählen fundamental die Werte Freiheit, Freiwilligkeit, Ressourcenverfügung und Selbststeuerung als handlungsleitende Basis für das Verständnis von Coaching .
Der Coachingprozess als Wirkmethode ist der “Star” und der Coach sein Diener.
Die praktisch-pragmatische Darstellung aller systemisch-konstruktivistischen Elemente einer Coachausbildung, 37 Abstracts coachingrelevanter Wissenschaftsdisziplinen, inhaltliche und strukturelle Beispiele, Rechtsgrundlagen, Vertragsmuster, Leitfaden und vieles mehr, versetzen den Leser in die Lage, eigene CoachAusbildungen zu konstruieren, vorhandene weiter zu entwickeln und das eigene Coachingverständnis zu evaluieren.
Ein Grundlagenmaßstab für Qualität in der CoachAusbildung, entworfen von lebens- und berufserfahrenen Coachs und Coach-Ausbildern.
Das Inhaltsverzeichnis für Ihre Orientierung:
Vorwort
Die Mitwirkenden und die sehr, sehr herzliche Danksagung
1 Grundlagen
1.1 Strukturmerkmale des Curriculums und ihre Deutung
1.2 Coachingansätze im Vergleich
1.3 Theorie vom „selbstorganisierten Coaching”
1.4 Coachinganlässe
2 Kompetenz in der systemischen Betrachtung
2.1 Kompetenz als Anspruch
2.2 Anspruchsgruppen an Kompetenz
2.3 Potenzialanforderungen an Auszubildende und Ausbilder
2.4 Kompetenz und grundlegende Pflichten des Ausbilders
2.5 Die Multifunktionalität de Ausbilders — Der Mentor
2.6 Die Feedbacksystematik als curriculare Kontrollinstanz
3 Didaktik und praktische Handhabung
3.1 Die Didaktik einer Ausbildung
3.2 Planung einer Ausbildung orientiert am Kompetenzmodell
3.3 Entwicklung von Lehr- und Lernmethoden und Einordnung in die Lern- und Zielorganisation
3.4 Dramaturgie
3.5 Beispiel eines Ausbilderleitfadens
4 Fähigkeiten des Coach
4.1 Einleitung
4.2 Selbsteinschätzung des eigenen Verhaltens
4.3 Fragen
4.4 Bedeutungen und Zusammenhänge klären
4.5 Hypothesenbildung auf Abstraktionsebene
4.6 Prozess führen
4.7 Angebote auf Abstraktionsebene
4.8 Perspektivwechsel auslösen
4.9 Kommunikationskontext vereinbaren
4.10 Branchen-, themenspezifische- oder kulturelle Fähigkeiten
5 Identifikation von pädagogischer und betriebswirtschaftlicher Qualität
5.1 Die Zertifizierung — Überprüfung von Coachkompetenzen
5.2 Kriterienkatalog für die Auswahl von Coachs
6 Rechtliche, normative und betriebswirtschaftliche Bezüge einer Ausbildung
6.1 Recht im Coaching
6.2 PAS 1093 (Deutsches Institut für Normierung e.V., 10. Juli 2009)
6.3 Marketingkonzeption und ihre Merkmale
6.4 Der Businessplan und seine Merkmale
7 Die mentale Vorbereitung und Durchführung eines Coaching
7.1 Das Modell der kritischen Erfolgsfaktoren im Coaching
7.2 Zentrale Werte und Normen des Managementcoaching
7.3 Denken in Kontexten — das MVWK-Modell
7.4 Dokumentation eines Coaching
8 Ausbildungsbezogenes Wörterbuch
9 Coaching relevante Wissensgebiete
9.1 Andragogik
9.2 Axiomatik
9.3 Betriebswirtschaft
9.4 Curriculum
9.5 Entscheidungstheorie — ET
9.6 Führung
9.7 Führungswissen für den Führungsalltag
9.8 Glaube
9.9 Handlungslernen
9.10 Kommunikation
9.11 Konsequenzen aus der psychologischen Lernforschung
9.12 Konstruktivismus / pädagogischer Konstruktivismus
9.13 Kreativität
9.14 Lehren und Lernen
9.15 Lernen
9.16 Linguistik
9.17 Logik
9.18 Marketing und Markenmanagement
9.19 Motivationspsychologie — Motive und Motivation
9.20 Naturheilkunde
9.21 Neuro Linguistisches Programmieren — NLP
9.22 Neurowissenschaftliches Wissen für Veränderungen und Lernen
9.23 Pädagogik
9.24 Philosophie
9.25 Psychologie
9.26 Psychotherapie
9.27 Rechtswissenschaft
9.28 Semantik besser verstehen
9.29 Soziologie
9.30 Strategie — eine Begriffsführung
9.31 Supervision
9.32 Systemtheorie
9.33 Transaktionsanalyse — TA
9.34 Visionen — woher und wofür?
9.35 Werte — Lichtspiele
9.36 Wissenschaftstheorie
9.37 Ziele
9.38 Autorinnen und Autoren der Coaching relevanten Wissensgebiete
9.39 Persönliches Nachwort der Herausgeber
_________________
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2.6.2010 von Dr. Meier.
Johannes Thönneßen vom MWonline hat in seinem Blog das Thema Nachhaltigkeit aufgegriffen. Er beklagt wie manch anderer, daß der Begriff zu einem inhaltsleeren “Plastikwort” zu verkommen droht. Eine Suche nach “Definition Nachhaltigkeit” in Google bringt viele interessante Erklärungen:
Die Hamburger Schule ( www.hamburger-schule.net) verwendet den Begriff “nachhaltig” auch. Nachhaltige Selbstlernkonzeption meint in der Theorie vom Selbstorganisiertem Coaching, daß der Coachee durch den Coachingprozeß lernt, wie er eigenständig ohne fremde Inhaltshilfe zu seinen Lösungen und Umsetzungsplänen kommt und wie er in vergleichbaren thematischen Kontexten sein Veränderungsthema oder Veränderungswunsch dann selber coachen kann. Nachhaltig meint damit: selber können, selber wollen und sich selbst controllen können. Die nachhaltige Selbstlernkonzeption befähigt zur Handlungskompetenz “Selbstcoaching”.
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18.5.2010 von Axel Janßen.
Die Coaching News von Christopher Rauen greifen am 26.4.10 einen Beitrag von Marit Alke in der aktuellen Ausgabe 5/10 der Zeitschrift
managerSeminare auf. Es gibt “Transfer Coaching”.
Bemerkenswert an dem kommentierten Ausschnitt ist, dass (wie auch der Autor der News erkennt), Frau Alke weder Erkenntnisse aus den Transfertheorien, noch aus dem Bereich der Motivation, noch aus dem Handlungslernen, noch in irgendeiner anderen wissenschaftlich überprüfbaren Form liefert.
Wohlgemerkt, es geht um den Transfer von Trainingsinhalten in den beruflichen Alltag. Die Autorin hat da vier typische Hürden identifiziert:
“Ich hatte beim besten Willen keine Zeit für den Transfer.”
“Ich hab’s probiert, aber meine Mitarbeiter/Kollegen spielen nicht mit.”
“Ich will nicht!”
“Ich schaff das sowieso nicht.”
Diesen Hürden wird Transfer Coaching gerecht. „Nach einer Maßnahme hakt der Coach mehrfach zu vorher festgesetzten Terminen telefonisch nach. Seine Aufgabe: die Teilnehmer dabei zu unterstützen, ihre Umsetzungsziele in alltagstaugliche, zur Person stimmige Schritte herunterzubrechen und anschließend immer wieder zu überprüfen, wie die Umsetzung funktioniert hat.“
Dann war das Training wohl nichts, wenn´s diese Hürden gibt und dann ein Coach den Transfer verantwortet. Wieso macht das eigentlich nicht die Trainingsperson?
Kann es sein, dass eben die o.a. Hürden das eigentliche Problem des Trainings darstellen? Was wäre, wenn hier ein wenig Kenntnis zum Thema Lernen und Motivation vorlege?
Nun ist es sicherlich eine Marktlücke für Anbieter nun auch Transfer-Coaching anzubieten. Doch warum nicht auf das Training verzichten und gleich coachen? Was bringt so ein Training wenn das, was damit erreicht sein soll nicht eintritt? (Vermutlich wurden vom Auftraggeber nur Inhalte eingekauft, nicht aber das Lernziel vereinbart) So muss dann der Coach ran und “immer wieder” überprüfen, “wie die Umsetzung funktioniert hat.”Ich finde es erstaunlich, dass mit dem Begriff Transfer-Coaching sich der Coach zum Erfüllungsgehilfen für schlechte Trainings degradiert.
Doch auch hier weis man Rat:
“Um den Transfer zu verbessern, kann man an drei Punkten ansetzen:
Teilnehmerauswahl:hohe Leistungsmotivation, Selbstwirksamkeitserwartung, Offenheit für Erfahrung sind beispielsweise hilfreich.
Trainingsdesign: Trainings- und Transferbedingungen sollten ähnlich sein, Vielfalt in den Übungsbedingungen sind ebenfalls hilfreich.
Arbeitsumgebung: Förderung durch das Management und unterstützendes Organisationsklima.”
Ein bekannter Comedian würde hier sagen: “Ja nee iss klar”. Wenn ich nur Teilnehmer aussuche, bei denen das Training voraussichtlich klappt, dann ist es natürlich gut. Nebenbei: Leistungsmotivation beschäftigt sich mit der Attraktivität der Folgen einer beabsichtigten Handlung. Was kann das wohl für´s Trainingsdesign bedeuten? Was ist wohl, wenn Veränderung subjektiv als unangenehm bewertet wird? Pauschal und kontextlos hier Leistungsmotivation aufzuzählen ist haltlos.
Albert Banduras Idee der Selbstwirksamkeitserwartunghat nichts damit zu tun, dass jemand eine Selbstwirksamkeitserwartung hat, sondern dass jemand aufgrund seiner, in unterschiedlichen Kontexten gemachten, reflektierten Erfahrung, seine individuelle Erfolgschance in einem bestimmten Kontext bewerten kann. Ich frage: Wie soll ich da ansetzen bei der Teilnehmerauswahl? Ich hoffe, da gibt´s was zu wählen (abgesehen davon, dass eine Auswahl hier nach Gesichtspunkten erfolgen müßte, die in jedem Fall den Beriebsrat auf den Plan rufen. Zum Glück ist die Aufforderung von Frau Alke ja keine Aufforderung zur Straftat. Ein klein wenig Kenntnis des BetrVg ist jedoch ratsam. Gerade wenn in Managerseminare veröffentlicht wird). Prosaisch: “Offenheit für Erfahrung”
Doch gibt es auch Licht im Dunkeln: “Trainings- und Transferbedingungen sollten ähnlich sein” Immerhin eine grundsätzliche Erkenntnis aus einer Transfertheorie. Und auch der gute alte Herzberg wurde bemüht mit der Arbeitsumgebung.
Was ist nun wirklich neu am Transfercoaching? Ich habe das Gefühl, dass wirklich jeder ein Bindestrich Coaching erfindet, um sich selbst in Szene zu setzen (Das ist auch ok, Der blog, den ich schreibe erfüllt das auch) Und falls jemand da draußen Bindestrich-Coachings braucht, hier mal ein paar Dinge, zu denen ich gerne etwas schreibe. Und wenn´s nur ist damit managerseminare es druckt. Wie wäre es mit:
Substitutions-Coaching?
MICE-Coaching?
Diversitäts-Coaching?
Vermutlich gibt es das schon alles.
Ich kann nun nicht beurteilen, ob Frau Alke coacht oder berät. Eine gute Geschäftsfrau ist sie bestimmt.
Zu bedenken gebe ich jedoch, dass wenn Inhalte eines Trainings individuell umgesetzt werden sollen und die Motivation für die Umsetzung fehlt (im Kern richtiger: der Wille) das Ziel aus dem Training aber bleibt, wohl kaum der Aspekt der Freiheit und Freiwilligkeit gegeben ist. Frau Alke ist so Auftragnehmer für den Auftrag “Die Teilnehmer werden das im Training für sie formulierte Ziel umgesetzt haben”.
Und das ist dann wohl doch eher Training als Coaching. Warum also dieser Begriff Transfer-Coaching?
Schlussbemerkung: Coaching macht Training nicht überflüssig. Die Unternehmen investieren nach wie vor in Training. Das Thema Training ist leider durch den Coaching-Hype in Vergessenheit geraten und somit auch die Diskussion darum. Wie es um Trainings in Deutschland bestellt ist, dafür liefert der Artikel ein Indiz. Ich glaube, durch die dramatische Verwässerung des Themas Coaching bis hin zur Beliebigkeit der Bindestriche wird dem gesamten Sektor der Weiterbildung geschadet.
Besonders der Verzicht auf jede Form der wissenschaftlichen Überprüfbarkeit, den auch Thomas Webers bemerkt, eröffnen der Beliebigkeit die Türen.
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