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Die wundervolle Welt der Normen, Standards, Werte und der Qualität

Problem Nr. 1 - Die Ethik
In Berichten zum Thema Coaching wird periodisch auf das Verlangen des Marktes nach Normen, Standards, Werten und  Qualität im Coaching gerufen. Der Ruf wird mit einem Interesse der Nachfrager an Orientiering erklärt.

Der verbandlich organisierte Teil der Coachingszene debattiert im roundtable der Coachingverbände zu dem der
BDP - Bund Dt. Psychologinnen und Psychologen, Sektion Coaching in Wirtschafts- und Organisationpsychologie
BDVT - Berufsverband für Trainer, Berater und Coaches
DBVC - Deutscher Bundesverband Coaching
DCV - Deutscher Coaching-Verband
DGSv - Deutsche Gesellschaft für Supervision
dvct - Deutscher Verband für Coaching und Training
EMCC - European Mentoring and Coaching Council
ICF - International Coaching Federation, Sektion Deutschland
QRC - Qualitätsring Coaching
SG - Systemische Gesellschaft

gehören.

Die Diskussion war bisher ergebnislos und wurde von der ICF erneut aufgenommen. Sie kündigte schon im Herbst vergangenen Jahres eine Initiative im Round Table der Coaching-Verbände an. Die Deutschen  Verbände sollen sich ähnlich der britischen Verbände auf gemeinsame Standards einigen.

Die Briten hatten die Diskussion aufgenommen und sich verbandsübergreifend auf gemeinsame Professionswerte geeinigt. Das „Statement of Shared Professional Values“ enthält ein Meta- und sieben einzelne Prinzipien:

  • Meta-Prinzip: Ansehen und Kompetenz der Coaching-Profession sind jederzeit zu mehren.
  • Reputation: Jeder Coach wird wertschätzend agieren in der Form, dass das öffentliche Verständnis und die Akzeptanz von Coaching zunimmt.
  • Kontinuierliche Verbesserung: Jeder Coach befürwortet die Notwendigkeit, kontinuierlich die eigene Erfahrung, das Wissen, das Verständnis und die Kompetenz zu erweitern.
  • Klienten-Zentriertheit: Jeder Klient wird als kreativ, reich an Ressourcen und ganzheitlich wahrgenommen. Die Aufgabe des Coachs ist es, den Klienten in seiner Entwicklung zu unterstützen; zu diesem Ziel sind alle nötigen Hilfestellungen zu leisten.
  • Vertraulichkeit und Standards: Jeder Coach hat – jenseits des Kontrakts mit dem Klienten – eine professionelle Verantwortung hinsichtlich Geschäftsgebaren und -verhalten. Über die eingesetzten Methoden und Techniken ist Auskunft zu geben. Es sind ausschließlich den Coaching-Fall betreffende Aufzeichnungen gestattet. Die Vertraulichkeit, die Arbeit mit dem Klienten und seinem Umfeld betreffend, ist zu wahren.
  • Gesetzmäßigkeit und Diversity: Jeder Coach arbeitet im Rahmen geltender Gesetze und wird sich jederzeit für Diversity einsetzen.
  • Respekt der eigenen fachlichen Grenzen: Jeder Coach ist sich seiner fachlichen Grenzen bewusst und respektiert diese bzw. die Kompetenzbereiche anderer Professionen. Der Klient ist berechtigt, den Coaching-Prozess jederzeit zu beenden. Andere Coaching-Ansätze als die eigenen werden respektiert, insbesondere wenn sie effektiver erscheinen, dem Klienten zu helfen als der eigene. Es wird jeder Versuch unternommen, Interessenkonflikte zu vermeiden.
  • Persönliche Verpflichtung: Jeder Coach wird die genannten Prinzipien einhalten sowie weitere Ergänzungen ethischer Art oder Durchführungs- sowie Vertragsverletzungsbestimmungen, die der eigene Verband erlassen wird.

Mit einem Blick auf die Ethik der Hamburger Schule, die auch vom dvct verfolgt wird, erübrigt sich eine Diskussion der Ethik, da hohe Übereinstimmungen vorliegen. Historisch gesehen ist es vielleicht interessant, dass die Ethik der Hamburger Schule (www.hamburger-schule.net) bereits vor 3 Jahren dem roundtable vorgestellt wurde, sie aber gänzlich unberücksichtigt blieb.
Eines ist aber doch interessant daran:

“Klienten-Zentriertheit: Jeder Klient wird als kreativ, reich an Ressourcen und ganzheitlich wahrgenommen.Die Aufgabe des Coachs ist es, den Klienten in seiner Entwicklung zu unterstützen; zu diesem Ziel sind alle nötigen Hilfestellungen zu leisten.”

Heißt es, dem Coach ist ethisch erlaubt, wirklich alles zu tun solange es den Klienten in seiner Entwicklung unterstützt? Wie verträgt sich das mit dem Menschenbild des kreativen, reich an Ressourcen seienden Menschen? Wenn er doch so reich an Ressourcen ist, was machen dann Hilfestellungen im Coaching? Da muss doch dann eine Ressource fehlen, sonst würde er nicht alle nötigen Hilfestellungen bekommen.

Das Problem mit diesen ethischen Formulierungen ist, dass sich diese Formulierung dann eben nicht an Werten orientiert. Wenn ich dem Coachee zutraue, dass er alle Ressourcen für eine Veränderung in sich trägt, dann muss gefragt werden, was es bedeutet, einen Menschen in seiner Entwicklung zu unterstützen. Dieser Wert “Ressourcenverfügbarkeit”, den auch die Hamburger Schule verwendet, bedeutet, dass ich dem Coachee zutraue selbst sein Veränderungsthema zu erkennen, ein Ziel zu formulieren und eine Strategie abzuleiten. In der Konsequenz heißt das, dass ich ihm dann lediglich beim Denken helfen kann. Was nötig ist, darüber entscheidet der Coachee.

Besonders problematisch ist die Sicht auf das Wort “Entwicklung”. Wird es so verstanden, dass der Coach den Coachee entwickelt, was vermutlich der Fall ist, so wird der Wert Ressourcenverfügbarkeit nicht beachtet. Die britische Ethik widerspricht sich selbst und ist damit wohl irrelevant.

Die Hamburger Schule (www.hamburger-schule.net) definiert Werte als Orientierung für Verhalten. Eben das leistet eine Ethik. Sie ist ein Orientierungsrahmen für (ethisches) Verhalten derer, die sich dieser Ethik verpflichtet fühlen.
Eine Ethik leistet immer einen Beitrag zur Professionalität. Da sie jedoch nur den Rahmen zur Orientierung schafft, ist es dem Einzelnen überlassen, sich selbst zu organisieren. Sind die Werte der Ethik wenig trennscharf formuliert, so finden sich auch viele Phantasien für Verhalten wieder. Die Ethik der Briten ist so formuliert, dass hier jedweder Coachingansatz und jedwedes Verständnis von Coaching Platz hat. Politisch gesehen ist das wichtig, da alle Verbandsmitglieder sich in ihrer Heterogenität darin wiederfinden sollen. Und so kommt es, dass der derzeitige Stand der ethische Diskussion wirklich nur den kleinsten gemeinsamen Nenner aufgreift.
Ein Wert, der für die Hamburger Schule (www.hamburger-schule.net) von immenser Bedeutung ist, wird bewußt nicht diskutiert: FREIHEIT. Freiheit bedeutet, den Coachee selbst entscheiden zu lassen, was er verändern will und wie er es tut. Jede Form der Entwicklung aus Sicht des Coachs ist damit tabu. Nur der Coachee selbst kann sich  diagnostizieren. Alles andere ist ein Eingriff in diese Freiheit. Und wenn ein Coach seinen Coachee diagnostiziert und ihm ein Veränderungsziel vorschlägt und ihn dahingehend entwickelt, so ist das autoritär und eben nicht an einem Wert Freiheit orientiert.
Mit wenigen Ausnahmen sind daher die meisten Coachinansätze autoritär. Ethische Entwürfe der Anhänger dieser Ansätze werden höchstwahrscheinlich nie einen Wert FREIHEIT definieren.
Ich glaube, den Coachingverbänden wird es nicht gelingen, sich auf ein freiheitliches Menschenbild zu einigen, das ja ganz gut aus dem Grundgesetz bekannt ist. Das Vorherrschen autoritärer Ansätze bei denen der Coach weiß, was gut für seinen Coachee (… die Entwicklung) ist, wird das zu verhindern wissen.

Dieser Wert würde eine Umorientierung bedeuten, eine Abkehr von Beratung. Und solange bekannte Verände wie der DBVC Coaching als Beratung definieren wird sich da wohl nichts ändern.

Da auf der ethischen Ebene das Menschenbild nicht definiert ist, kann eine Diskussion über Normen und Qualität auch nicht erfolgen. Es fehlt schlichtweg eine brauchbare ethische Grundlage. Professionswerte sind richtig - müssen aber Orientierung für professionelles Verhalten im Thema bieten auf Basis eines Menschenbildes. Freiheit ist ein Persönlichkeitsrecht. Für einen Coach bedeutet das, dass er sich in all seinem Tun daran zu orientieren hat.

Problem Nr. 2 - Die Definition

Nachwievor wird unter Coaching einerseits Beratung, andererseits “Hilfe zur Selbsthilfe” verstanden.
Über Beratung lohnt es sich nicht zu diskutieren. Wer unter Coaching Beratung versteht, der soll es so nennen, dann kann er sich an den vorhandenen Empfehlungen, z.B. des BDU orientieren. Was allerdings konkret unter “Hilfe zu Selbsthilfe” verstanden wird, gilt es zu definieren. Auch hier wird vielleicht deutlich, dass die Diskusssion vom Menschenbild nicht trennbar ist.

Wenn das geschehen ist, ist zu definieren, was ein Coachingansatz ist (nach Hamburger Schule: Wirkungserwartung an das Coaching) und  dann kann induktiv geprüft werden, welche Ansätze dem was Coaching erreichen will, also dem Ziel des Themas, gerecht werden. Oder es wird deduktiv vorgegangen und aus dem Ziel der Ansatz abgeleitet. Zwangsläufig ergibt sich dann die Erkenntnis, was ein Prozess im Coaching leisten muss und wie Verantwortungen aufzuteilen sind.

Zukünftige Normen können lediglich den Coachingprozess untersuchen und ggf. normieren. Voraussetzung ist ein klares Verständnis von Coaching. Der Prozess ist Teil des wertegedeuteten Kontext, der sich Coaching nennt. Und wenn ein Wert FREIHEIT lautet, fällt Beratung damit schon einmal aus.

Das es in Deutschland eine DinNorm für Verhalten gibt, ist wohl eher unwahrscheinlich. Das wird eine Ethik leisten müssen. Bestandteil einer Ethik müssen immer die Persönlichkeitsrechte eines Menschen sein.

Und wenn das alles erledigt ist, kann es sein, dass so etwas wie die Hamburger Schule (www.hamburger-schule.net) dabei rauskommt.
Da zu viele Einzelinteressen sich im Thema Coaching vereinigen wollen, werden die Verbände das nicht schaffen, da sie sich dann Konflikten aussetzen und sich von Mitgliedern trennen müssen. Eine Einigung ist nur auf sehr hoher Abstraktionsebene möglich. Daraus kann sich Qualität jedoch schlecht entwickeln.

Es regnet Coaching-Preise

Ich wurde vor kurzem gefragt, ob ich an einer Preisverleihung teilnehmen möchte. Schließlich ist die Hamburger Schule sehr innovativ.

Ein Preis ist in der Regel mit einer Ehrung für besondere Verdienste in Bezug auf ein Thema verbunden. Auch der Preis in einem sportlichen Wettbewerb folgt dieser Idee. Der Sportler hat in seiner Disziplin, d.h. seinem Thema eine Platzierung innerhalbp eines Wettbewerbs errungen. Die Plätze 1-3 entsprechen einer Taxonomie der besonderen Verdiensten innerhalb dieses Wettbewerbs.

Was hat das nun alles mit Coaching zu tun? Ob nun auf “Conventions”, Personalmessen oder bei anderen Gelegenheiten, man wird nicht müde, Preise an alle zu verleihen, die irgendwie mit dem Thema Coaching zu tun haben oder zu tun haben könnten.
Doch welche Verdienste werden geehrt? Leider existiert keine verbindliche Übereinkunft in den zentralen Themen von Coaching, z.B.:
- Was genau ist und beinhaltet Hilfe zur Selbsthilfe?
- Welche Bedeutung hat der Prozess im Coaching?
- Was heißt es, konstruktivistisch zu denken und zu handeln?
- Warum wird Coaching als Beratung bezeichnet?

So bleiben dann bei näherem Hinsehen auf die Kriterien zur Preisvergabe Zweifel. Entweder sie sind überhaupt nicht vorhanden oder entstammen der Deutung einer Zweckgemeinschaft.

Doch welchen Zweck verfolgen diese Preise, wenn sie nachgerade willkürlich verteilt werden (Auffällig oft an Mitglieder der ausrichtenden Zweckgemeinschaft)? Ich glaube, es ist nichts anderes als Marktschreierei. Eine Öffentlichkeit wird auf “besondere Verdienste” aufmerkasm gemacht, der Geehrte und vor allem die Preisverleiher stehen im Licht.

Ich finde Preise gut. Sie sind ein Feedback für Geleistetes. Wenn aber nicht klar ist, was konkret dafür geleistet werden muss, welches Menschenbild die Verleiher haben und ob nicht mehr Schaden als Nutzen mit der öffentlichen Meinung getrieben wird, dann kann meine Antwort nur NEIN lauten.

Was mich ehrlich verwundert ist die Einstellung der Preisverleiher gegenüber denen, die sie aufmerksam machen wollen.
Bei sportlichen Wettbewerben stehen die Regeln nicht nur der Jury, sondern auch der Öffentlichkeit zur Verfügung. Wäre die Öffentlichkeit in der Anwendung dieser Regeln so erfahren wie die Preisrichter, käme sie zu einer vergleichbaren Bewertung.
Bei Coaching-Preisen wird das der Öffentlichkeit nicht zugetraut. Ohne verfügbaren Maßstab haben diese Preise keine Legitimation. Da der Maßstab der Verleiher oftmals nicht oder nur ungenügend zur Verfügung steht, frage ich mich, was es hier zu verbergen gilt. Bisweilen liegt wohl nichts anderes vor, als eine Manipulation des Marktes zugunsten der Verleiher.

Ich habe mir übrigens auch gerade einen Preis verliehen. Jetzt muss ich nur noch ein Logo dafür haben und kann´s dann auf unsere Internetseite stellen. Gewinner des “Excellence awards der Hamburger Schule 1st class” Das wär doch was. Beeindruckt?

Insel der Glückseeligen

Nun stelle ich mir vor, ich wäre Kunde. Habe gehört, dass Coaching dabei helfen soll, (wieder) erfolgreich zu sein und spiele mit dem Gedanken mir einen Coach zu leisten. Zufällig kommt mir eine kostenlose online Zeitschrift in die Hände in der die “Coaches selbst schreiben”. Auch Speaker sind mit von der Partie. Ansprechendes Layout. Wer über Coaching schreibt sollte ja etwas davon verstehen.
Coaching ist Hilfe zur Selbsthilfe. Das habe ich als Kunde schon mal gehört. Psychologie ist auch dabei. Und am Ende bin ich dann “erfolgreich”. Wenn ich allein aufgrund dieses Erfahrungshintergrundes die Artikel bewerte, so bin ich hilflos. Ratschläge, Ratschläge und noch mehr Ratschläge. Coaches sind wohl doch Berater für Glückseeligkeit. Selbst die Ratschläge der Artikel sind von der Stange. Aus der Person heraus geschrieben. Gänzlich ohne Bezug zur Wirklichkeit anderer. Eine rosarote “win-win-Ethik” weht über die Themen und legt eine kindliche Aura über diese letzte Insel der Glückseeligkeit.
Beraten kann scheinbar jeder. Doch auch von einem Berater erwarte ich Sachverstand. Warum sich die Autoren dann noch Coach nennen werde ich wohl nie verstehen.
Manchmal maile ich den Autoren und stelle eine Frage zu ihrem Verständnis von Coaching. Eine Antwort erhalte ich selten. Doch das liegt wohl an mir. Um es in der Sprache der Autoren zu formulieren: Ich habe mir die Erlaubnis zum Nachdenken erteilt.

Potenzial ist das, was der Coach darunter versteht

Habe ich einen Diamanten in mir, den der Coach nur zu bergen braucht, damit ich zu vollem Glanz erstrahle?
Mein Coaching bringt ihr Potenzial zum Vorschein.
Wozu brauche ich das?
Jede der werblichen Behauptung einer Coacherin löste jüngst in mir mehr Verwunderung als Bewunderung für die sympathische Person aus. Ihre gesamte Körpersprache unterstrich das, woran sie glaubte. Die Stimmung schwankte, als ich das automatische “Du” nicht annahm. Die Frage, was sie denn unter Potenzial verstehe, ist nachwievor unbeantwortet und wird es wohl auch bleiben.
Wer ein wenig Freude an Verwirrung hat, der stelle einfach einem Potenzial Coach dieselbe Frage. Ich habe das Gefühl, Coachs möchten nur zu gern aus dem Saulus einen Paulus machen.

Vereinfacht gesagt, ist Potenzial das Vermögen, etwas Bestimmtes zu können bzw. erreichen zu können. Voraussetzungen dafür sind eine “gewisse Form der intellektuellen Belastbarkeit” (Das Konzept der mulitiplen Intelligenzen nach Gardner liefert hier gute Hinweise zum Nachdenken, die eigenen Antriebe und Werte, Methoden und Mittel, (motorische Fähigkeiten) und ein Kontext, der als so attraktiv empfunden wird, dass sich Potenzial überhaupt entfalten kann.
Ein Unternehmen will, dass sich die Investition in eine Führungskraft rentiert. Psychometrische Testverfahren bewerten zuvor definierte Leistungsmerkmale im Sinne der Anforderungen, die ein Unternehmen an die Führungskraft hat. Ein Unternehmen hat notwendigerweise eine sehr subjektive Sicht auf das Thema Potenzial. Der Potenzialträger eines Dax-Unternehmens wird sich höchstwahrscheinlich in einer Behörde nicht wohl fühlen. Adios Potenzial.
Die Gefahr liegt nun darin, dass Coachs, ähnlich wie o.a. Unternehmen, ein konkretes Bild von Potenzial - der Diamant - haben, es also bewerten. Natürlich muss das alles ganz positiv sein. Den Diamanten gibt es ja. Mir drängt sich der Verdacht auf, dass hier eher im Sinne von “positiver Verstärkung” gearbeitet wird, um einen Coachee zu haben, der genauso ist, wie man selbst, als dass der Begriff Potenzial auf eine seriöse Grundlage gestellt wird.
Der Coachee und nur der Coachee selbst ist in der Lage, sein Potenzial zu bewerten. Damit das klappt, macht ein Coach Reflexionsangebote. Dafür muss er leider Wissen über Potenzial haben.
Ich plädiere dafür, dass sich alle selbsternannten Glücksbringer einfach Trainer nennen oder Berater. Das ist dann wenigstens etwas zutreffender als “Coach”.

“Prozessebene” Versuch einer Erklärung

Nun habe ich ein wenig recherchiert zum Thema “Prozesse” in der Welt von Psychologie und Therapie und bin dabei auf das Transtheoretische Modell, TTM (Prochaska & DiClemente, 1983; Prochaska, Velicer, DiClemente, & Fava, 1988) gestoßen (Nachdem andere Recherchen und Telefonate mit psychologischen Psychotherapeuten zur Definition von Prozess lediglich “das, was ein Patient durchlaufen muß, um Heilung zu erlangen” als Ergebnis brachten).
Wohlgemerkt geht es immer noch um das Thema “Beratung auf Prozessebene”. Das Modell wurde von mir ausgewählt, da es nach meiner Recherche (bisher) als Einziges sowohl den Begriff Prozess als auch Ebene (level) enthält. Im Sinne dieses blog-Beitrages wird es nicht vollständig behandelt.

Das Modell besteht aus drei Kerndimensionen: Prozesse (processes), Phasen (stages) und Ebenen (levels) der Veränderung.
Es postuliert 6 Stadien (stages) der (Verhaltens-)Veränderung, die es bei “problematischem Verhalten” zu durchlaufen gilt. Innerhalb dieses “Durchlaufens” gibt es wiederum 10 Prozesse (Processes of Change), 5 kognitiv-affektive Prozesse und 5 verhaltensorientierte Prozesse, die Menschen nutzen, um sich durch die Stadien zu bewegen.
Prozess im Sinne dieses Modells  sind offene oder verdeckte Aktivitäten, in die Menschen sich einlassen, um Emotion, Denken, Verhalten oder Beziehungen zu bestimmten Problemen oder Verhaltensmustern zu ändern.

kognitiv-affektiv
• Steigerung des Problembewusstseins („Consciousness raising“)
• emotionale Entlastung („Catharsis/dramatic relief”), („Emotional arousal“)
• Neubewertung des Selbst („Self-reevaluation“)
• Neubewertung der persönlichen Umwelt („Environmental reevaluation“)
• Selbstbefreiung („Self-liberation“), Selbstverpflichtung („Commitment“)
• Soziale Befreiung („Social liberation“)

verhaltensorientiert
• Gegenkonditionierung („Counterconditioning“)
• Stimuluskontrolle/ Kontrolle der Umwelt („Stimulus control“)
• Wiederholt gleicher Umgang mit Möglichkeiten („Contingency management“), Selbstverstärkung („Reinforcement management“)
• Hilfreiche Beziehung („Helping relationship“)

Diese 10 “Prozesse” müssen (nacheinander) durchlaufen werden, um eine Verhaltensveränderung herbeizuführen.
Ein Prozess im psychologisch-therapeutischem Sinne beschreibt demnach, wie Menschen Veränderungen in Angriff nehmen, um selbstschädigendes Verhalten mit oder ohne professionelle Behandlung zu verändern.

Allgemein verstanden ist ein Prozess ein gerichteter (mit Prozessziel) Ablauf eines Geschehens. Prozesse im Sinne der Psychologie haben zwar Ablaufcharakter - im Sinne eines Ziels geht es jedoch darum,  “selbstschädigendes Verhalten” in ein selbstförderliches Verhalten zu wandeln. Das Ziel eines Prozesses im Sinne der Psychologie beinhaltet demnach immer eine “Idealvorstellung” von selbstförderlichem Verhalten.  Diese Idealvorstellung ist abhängig von der jeweiligen Persönlichkeitstheorie (oder stark vereinfacht: dem Menschenbild) der ein Psychologe folgt. Der bemerkenswerteste Unterschied liegt in dem, was verändert werden soll.

Wenn wir uns  dem Begriffspaar  “Beratung auf Prozessebene” weiter nähern, empfehle ich, zuerst zu fragen “welcher Schule” entstammt der Autor?” Eine Entlehnung von Begrifflichkeiten aus der Psychotherapie beinhaltet m.E. zwangsläufig eine “therapeutische Deutung”.
Ziehe ich den Bogen vereinfacht zum Thema Coaching, entsteht folgendes Bild: Der Berater als der “Profi” für den Prozeß (die Prozesse), macht eine Analyse und diagnostiziert, entsprechend seiner professionellen Einschätzung, (möglicherweise) eine Abweichung von “seiner” Idealvorstellung.  Anschließend entwickelt er eine Vorstellung davon, welche Prozesse sein Coachee zu durchlaufen hat und berät  seinen Coachee, wie diese Veränderung wohl am besten in Angriff zu nehmen ist.
DiePsychotherapie ist die Behandlung psychisch, emotional und psychosomatisch bedingter Krankheiten, Leidenszustände oder Verhaltensstörungen mit Hilfe verschiedener Formen verbaler und nonverbaler Kommunikation.Letzen Endes bleibt es “Therapie”. Besonders “prickelnd” ist dann auch die Sichtweise von Dr. Björn Migge, der in seinem Handbuch Coaching und Beratung nicht von Analyse sondern Anamnese spricht. Ein Krankenbild.
Näher betrachtet erfordert diese Vorgehensweise (neben psychologisch) fundierter Ausbildung eine ausgesprochen tragfähige Beziehungsebene. Da zwischen “Coach” und “Coachee” ein Konsens bestehen muss, dass das Ziel der Veränderung, das der “Coach” orientiert an seiner Idealvorstellung, formuliert, auch das Ziel des Coachees ist. Für mich ist der Mensch im Coaching gesund. Er ist von einem selbstschädigenden Verhalten weit entfernt.
Ein therapeutisch orientierter Coach müßte auf die Frage, “was will Coaching?” seine Idealvorstellung eines “selbstwirksamen” (gesunden) Menschen formulieren.Damit wiese er letztlich nach, dass er autoritär ist und unter Coaching demnach “Fremdführung” versteht. In den Hochglanzprospekten steht aber “Hilfe zur Selbsthilfe”.

Die Hamburger Schule verwendet bewußt keine Deutungen aus einem therapeutischem Verständnis heraus. Der Prozeß im Coaching wird hier als “teilautonomes Handlungslernen” verstanden mit dem Ziel einer nachhaltigen Selbstlernkonzeption.
Durch die Sichtweise von Coaching als empathisch-dramaturgischen Kontext ist auch der Prozeß grundsätzlich an die Werte von Coaching (Freiheit, Freiwilligkeit, Ressourcenverfügung und Selbststeuerung) gebunden. Wie alles, was in irgendeiner Form im Coaching statt findet, an diese Werte gebunden ist. Daraus ergibt sich auch das Menschenbild und vor allem wird durch den Coach keine Lösung angeboten. Weder durch eine Frage, noch durch einen Rat. Ein Coach im Sinne der Hamburger Schule macht Reflektionsangebote auf einer Abstraktionsebene. Die auf dieser Ebene durch den Coachee entdeckten Verhaltensalternativen werden (deduktiv) ebenfalls nur durch den Coachee in seine thematische Welt übertragen und überprüft. Es geht darum, dass der Coachee selbst seine Lösung findet. Diese Lösungen sind durch den Coachee selbst in andere Kontexte übertragbar. Der Coachee hat “gelernt”. Er kann sich selber (kontextübergreifend) in seinem Veränderungsanliegen erfolgreich steuern.

Fazit: Stützten sich die Analyse und das Vorgehen im Coaching rein auf o.a. Prozesse ab, so bleibt Coaching Therapie.

Bemerkung: An dieser Stelle kann ich die Psychologen verstehen, die  ein abgeschlossenenes Psychologiestudium für Coachs fordern …. Coachs, die lediglich in beliebigen Methoden ausgebildet sind, haben nicht einmal die Ressourcen für eine Analyse zur Verfügung. Sie denken in einer Matrix “Bei Anliegen XY hole ich Tool 41 aus dem Koffer”. Das ist weitaus schlimmer als unter Coaching Therapie zu verstehen.
Abgesehen davon würde bei diesem Verständnis auch ein Psychologiestudium nicht reichen. Eine therapeutische Zusatzqualifikation ist hier auch vom Gesetzgeber vorgesehen. Noch sind die deutschen Gerichte nicht so weit, die Dienstleistung Coaching zu bewerten. Gelingt jedoch einmal der Nachweis, dass Laien therapeutisch arbeiten, so wird die Hamburger Schule in dieser Zeit hoffentlich nicht die “einzige Schule” sein, die das Zepter von Freiheit, Freiwilligkeit, Ressourcenverfügung und Selbststeuerung hochhält. Da werden viele Mitstreiter gebraucht.

Coaching und Prinzipien

Cristopher Rauen nimmt in seinem Newsletter vom 23.06.09 das Thema “Prinzipien im Coaching” auf.  Vorweg sei gesagt, dass mir die Quelle seines Vergleichs unklar ist. Sätze wie ” Nicht selten gestalten sich ethische Grundsätze auf einem eher trivialen Niveau, welches zudem häufig in sich widersprüchlich ist.” drücken aus, dass irgendwo irgendwer etwas geschrieben hat, das als Ursache für den Beitrag dient. Im Rahmen eines “blogs” ist das erlaubt. Ob ein Newsletter dadurch profitiert, ich glaube es nicht.

Im Sinn der Hamburger Schule sind Werte eine Orientierung für Verhalten. Eine Ethik für Coachs formuliert demnach die “grundsätzlichen Werte” an denen sich das Verhalten eines Coachs während des Handelns als Coach orientiert. Werte sind in keinem Fall zu verwechseln mit Regeln. Werden Wörter wie ethische “Standards” verwendet so ist das eher irritierend als nutzbringend.
Mittlerweile gibt es eine bunte Begriffswelt rund um das Thema. Was konkret ein Standard im Coaching ist, ob nun im Zusammenhang mit Ethik oder Qualität, bleibt rätselhaft für mich. Mir stellt sich die Frage, ob dieser Beitrag nicht letztendlich nur geschrieben wurde, um ein wenig “Promotion” für den DBVC zu machen.

Natürlich darf eine “Ethik” nicht aus do´s and dont´s bestehen. Das so etwas eher einem Regelwerk ähnelt, darin stimme ich zu.
Erfeulich ist es, dass der DBVC nunmehr sein, dem Coaching zugrunde liegendes, Menschenbild veröffentlicht hat. Damit nimmt das Thema “Beratung” erneut Fahrt auf. Unabhängig davon, ob nun Prinzipien, Ethik oder anderes angelegt werden. Spannend, dass die Psychologen Anleihen bei der Anthropologie machen.

“Der Mensch ist Teil seiner Lebenswelt”
Sowohl der Coach als auch der Klient sind in einen Kontext eingebunden, der zu beachten ist.” …” Denn sowohl er selbst als auch sein Klient sind von Umgebungsfaktoren abhängig, die sich einer direkten Kontrolle durch den Coach entziehen.” Der Kontext in den Coach und Klient gleichermaßen eingebunden sind heißt schlicht und einfach Coaching. Er ist über Werte definiert. Was sich im Newsletter eher wie die Entschuldigung eines Beraters liest, gewinnt seine Bedeutung im Nebensatz: “die sich einer direkten Kontrolle durch den Coach entziehen.” Ein Coach hat ausschließlich die Verantwortung für den Coaching-Prozess. Ganz vereinfacht gesagt für eine plausible, kreativitäsfördernde Abfolge von Reflektionsangeboten. Eine direkte Kontrolle kann er also nur auf den Prozess ausüben, nicht aber auf die Konrolle von “Umgebungsfaktoren” (sehr schwammiges Wort). Es mag ja sein, dass die Formulierung dieses Prinzips aus Sicht des DBVC notwendig ist. Doch was genau sagt dieses Prinzip wirklich? Das Veränderungsanliegen des Klienten ist immer in Kontexte eingebunden, vereinfacht gesagt immer systemisch (nicht systemtheoretisch). Eine intensivere Beschäftigung mit dem Konstruktivismus, der ja keine Erfindung der Psychologen ist, gäbe hier bessere Einblicke.

“Der Mensch ist ein dialogisches Wesen”
..”Ein Dialog ist dann wertvoll, wenn er gegenseitigen Perspektivenwechsel und Erkenntnisgewinn zulässt und nicht durch (gegenseitige) Rechthaberei charakterisiert ist.” Hier frage ich mich, warum “gegenseitig”?. Brauche ich als Coach einen Erkenntnisgewinn wo ich doch nur für den Prozess zuständig bin? Oder geht es vielmehr um eine solide Hypothesenbildung,die zu einem Reflektionsangebot führt? Warum soll der Coach die Perspektive des Klienten einnehmen? und warum soll der Klient (wenn auch nur hypothetisch) eine durch den Coach angebotene Perspektive annehmen? Ein Menschenbild, dass dem Menschn etwas zutraut, läßt es zu, dass der Klient selbst eine andere Perspektive einnimmt. Nun hätte ja auch geschrieben werden können, dass der Mensch ein soziales Wesen ist. Ich glaube, “dialogisch” rechtfertigt hier lediglich ein autoritäres Verhalten des Coachs.

“Der Mensch hat einen Wert jenseits seiner Funktionen”
Das ist durch die brutale sprachliche Plakativität einfach nicht mehr zu “toppen”. Ich vermute mal, dass dieses Prinzip notwendig war.
Wiederum spannend die Wortverwendung “Rolle und Funktion”. Rolle ist immer noch eine normative Zuschreibung. Entweder spreche ich vom einen oder vom anderen. Wobei ich persönlich die Verwendung des Wortes “Rolle” als kritisch empfinde. Paßt das mit dem hier formulierten Menschenbild? Okay, der Autor ist ja auch Teil des Kontexts. Von daher entschuldbar. Ich kann mir nicht helfen. Doch drängt sich mir die Anmutung auf, dass dieses Prinzip eher einer “Ermahnung” entspricht und vielleicht auch die Gültigkeit von “Nachts ist es dunkel” hat. Wenn ich es richtig verstehe, dann wird hier angeregt, als Coach diese Perspektive anzubieten (”Dies ist ein zu reflektierendes Selbstverständnis und die Hinterfragung eines solchen Menschenbildes ist immer wieder ein implizites Ziel anspruchsvoller Coaching-Prozesse”) Wer gibt da eigentlich das Ziel vor? Ein humanistisches Menschenbild traut dem Menschen in der Regel zu, dass er sich mit Hilfe von  Coaching verändern möchte. Es traut ihm zu, dass er sich selbst hinterfragen kann. Nur darf es niemals implizites Ziel von Coaching sein. Es sei denn der Coach ist ein “Weltverbesserer”. Irgendwie auch beruhigend so
ein Prinzip. Wird das vielleicht später auch in die geheimnisvollen Coaching-Konzepte einfließen? Oder ist es einfach ein Teil der Beratung auf Prozessebene?

“Der Mensch ist lebenslang offen für bisher nicht verwirklichte Lebensmöglichkeiten”
Schon richtig als Satz. Doch wofür wird dieses Prinzip im Coaching benötigt? Wer sich coachen läßt, geht auch als Laie erst einmal davon aus, dass er etwas verändern kann. Mir deucht, dass dieses Prinzip aus dem Coach einen Berater macht. Prozessverantwortung heißt, nur für den Prozess die Verantwortung zu übernehmen. Was sich hier aufdrängt ist, dass der Coach “Lebensmöglichkeiten” seines Klienten erkennt und ihn zu dieser Erkenntnis coacht. (War da nicht so ein Möbelkonzern, der mit “entdecke die Möglichkeiten” wirbt?)

Nun fällt mir zu jedem der “Prinzipien”, die C. Rauen auch als “ethische Standards” beschreibt, etwas ein, was mit meinem Verständnis von Coaching nicht korrespondiert oder was in der Deutung erhebliche Plausibilitätslücken aufweist. Abschließen möchte ich diesen blog-Beitrag mit einer letzten Kommentierung der Prinzipien:

“Macht ist ein elementarer Bestandteil zwischenmenschlicher Beziehungen”
Sprache ist eine Ursache für Konflikte. Ein Coach untersucht Bedeutungen und Bedeutungszusammenhänge. Nun wird hier das Wort “Macht” verwandt. Ein Wort, dass, berücksichtigen wir o.a. Prinzipien, durch diese nicht erklärt werden kann. Das Wort macht, kann, systemisch gedacht, auf unterschiedlichste Weise gedeutet werden. Abhängig vom Kontext wird dem Wort ein Wert zugeschrieben. Ein “Prinzip” wird dann als Prinzip akzeptiert, wenn eine hohe Wahrscheinlichkeit an “Eineindeutigkeit” vorliegt. “….Machtmissbrauch präventiv reflektieren.” Welchen Auftrag hat der Coach? Welche “ethischen Standards” werden angelegt an das Wort “Macht” und das Wort “Missbrauch”?. Im Coaching obliegt die Deutung dem Coachee. Aussagen wie die Zitierte zeigen, dass ein Coach im Verständnis der “Prinzipien” entscheidet, dass ein “Missbrauch” vorliegt. Er entscheidet präventiv etwas zu unternehmen. (oder fragt er seinen Klienten, wie er sein Ausüben von Macht bewertet im Kontext xy? Ein Coachhe, der darüber reflektiert und ggf. zu einer Bewertung “missbräuchlich” kommt, wird sein Verhalten ändern, wenn er misserfolgreich war und einen Vorteil in einer
Veränderung erkennt) Hier wird erneut dem Meschen nichts zugetraut. Der Coach erhebt sich zum Korrektiv. Das bestätigt auch die letzte Aussage zum Prinzip “Coaching kann ein solches Korrektiv sein, um dysfunktionale (Selbst-)Wahrnehmungsprozesse bewusst zu machen und zu verändern.”

FAZIT: Ein Coach, der sich im Verständnis o.a. Prinzipien bewegt ist grundsätzlich autoritär. Er entscheidet, was zu “korrigieren” ist. Natürlich tut er das auf “Augenhöhe”.

Nachbemerkung
Meiner Meinung nach schadet ein solches Verständnis von Coaching. Coachs, die aus sich heraus (autoritär) bewerten, was gut für den Menschen ist, erheben sich. Lege ich als Modell einfach mal (ganz vereinfacht) ein wenig TA an, so ist da ein Ich-Zustand des Coachs, den ich mit “kritischem Eltern ICH” bezeichnen möchte. Eine tragfähige Beziehung unter dieser Voraussetzung zu gestalten ist schwierig. Es kann zu Übertragungen kommen, Trotz. Das volle Programm. Doch eins wird mir immer klarer. Die Überbetonung der Beziehungsebene ist für diese Coachs notwendig. Sonst werden Sie schlichtweg vom Klienten emotional abgelehnt. Warum mancherorts Coaching ein beflecktes Image hat wird daraus auch ersichtlich. Wer läßt sich schon gerne bevormunden? Auch wenn alles nur zum eigenen Besten erfolgt. Ist eine Absicht nur allein dadurch gut, weil der Beabsichtigende es für gut hält? Ich würde nicht wollen , , nicht für mich und nicht für meine Mitarbeiter, dass ich im Denken bevormundet werde.

Zur Erkenntnis gecoacht

Was soll ich nur machen? Können Sie mich supervidieren? Diese etwas hektisch hervorgebrachten Fragen leiteten jüngst einen Anruf bei mir ein.

Worum geht´s denn? Mein Coachee erkennt einfach nicht, dass er das Unternehmen wechseln muss. Aus welchem Grund ist Ihnen das wichtig?
Ich habe eine umfassende Analyse gemacht. Dabei ist mir aufgefallen, dass er als Personaler dort wo er arbeitet keine Aufstiegschancen mehr hat. Einen Rat darf ich als Coach ja nicht geben. Ich habe alles versucht. Perspektivwechsel und noch viel mehr.

Was hat das wohl mit Ihnen selbst zu tun? Hmmm… in meiner Ausbildung hatte ich einen großen Anteil Selbsterfahrung. Da habe ich festgestellt, dass ich bisweilen schon ungeduldig werden kann, wenn Menschen nicht so wollen, wie ich will. Vielleicht muss ich meinem Coachee nur Zeit geben?
Wissen Sie wann, wo, aus welchem Motiv heraus, .. , welche Werte Ihnen dann wichtig sind…? Warum das so ist weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass es so ist. Hat das etwas mit Ihrem Wunsch nach Supervision zu tun?

Welche Werte sind Ihnen denn im Zusammenhang mit Coaching wichtig? Mir kommt es darauf an, dass jeder seinen persönlichen Weg zu einem glücklichen und zufriedenen Leben findet. Wie autoritär ist das auf einer Skala von 1-10?>sehr lange Pause<

Das Resultat des 45min Telefonats war, dass der Anruferin die Differenz zwischen dem was Coaching erreichen will und dem was Sie persönlich erreichen wollte, bewußt war. Sie hat Verantwortung für das Ergebnis übernommen. Ihre Persönliche Kompetenz und damit verbunden ihre Handlungskompetenz waren nicht ausreichend entwickelt. Die Anruferin hat für sich Ist und Soll in diesen beiden Bereichen definiert und verfügt über die Ressourcen, selbst daran zu arbeiten.

Symptomatisch für diesen Anruf ist, dass viele Coachs ihren Coachee zu einer Erkenntnis coachen. Zwar wird augenscheinlich auf beratende Elemente verzichtet, doch werden die Angebote so gewählt, dass die mögliche Erkenntnis der Vorstellung des Coachs entspricht. Darunter leidet die Performance. Der Ruf nach “Supervision” wird laut.

Ein Coach, der im Sinne der Hamburger Schule (siehe Kompetenzmodell) seine Kompetenzen entwickelt hat, bzw. für sich selbst eine nachhaltige Selbstlernkonzeption dazu gefunden hat, braucht keine Supervision. Er ist selbst in der Lage, sein Handeln zu reflektieren.

Innerhalb der Ausbildung investieren wir als Ausbilder und Mentoren ein erhebliches Kontingent an Zeit, um die Handlungskompetenz zu entwickeln. Ein Coach, der in Kontakt mit seinen eigenen Motive, Interessen, Bedürfnissen ist, wird für sich coachen. Nicht aber für seinen Coachee.

Der lernende Kunde

Betrachten wir den Kunden als lernendes Wesen, so liegt in der Verwendung des Begriffs “Beratung” (auf “Prozessebene”) im Zusammenhang mit Coaching eine ungeheure Brisanz.

Der Mensch interpretiert “Neues” grundsätzlich auf der Basis von “Bekanntem”. Wissen wird “angedockt”. Biete ich einen Begriff an, der das Wort “Beratung” enthält, so wird unser Gehirn zuerst nach allem suchen, was es über “Beratung” weiß. Aus diesem Rahmen heraus wird der Begriff Coaching gedeutet. Damit besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass ein Kunde auch Beratung erwartet. Und vielleicht auch Qualitätskriterien von Beratung an Coaching anlegt.
Gehen wir noch einen Schritt weiter und folgen dem Axiom, das Wahrnehmung letztlich auf der Wahrnehmung von Unterschieden basiert, so bleibt als wahrnehmbarer Unterschied vermutlich nur das Wort “Prozessebene”. Andockbar sind die Begriffe “Prozess” und “Ebene”. Es bleibt ein kognitives Rauschen. Denn was das so genau eigentlich ist bleibt schleierhaft. (Natürlich besteht die Möglichkeit einer unsauberen Recherche meinerseits)
Wenn genügend “Kundige” oft genug schreiben, dass Coaching Beratung ist, wird vielleicht durch die pure Penetration diese Behauptung zur Meinung Vieler. Da gibt´s noch eine Menge zu klären. Auf Prozessebene versteht sich.

Ist Coaching “erfolgreiche Beratungsarbeit”?

Nein.
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Coaching sogar unter der Ägide von Cristopher Rauen vom DBVC (Deutscher Bundesverband Coaching) als “professionelle Beratung” formuliert wird. Die Frage, warum Coaching denn Coaching genannt wird und nicht Beratung / Optimierungsberatung / Lebensbewältigungsberatung o.ä, drängt sich hier auf. Die Verantwortung für das Ergebnis wird auch bei dieser Sicht nicht durch den Coach übernommen. Die Beratung erfolgt auf “Prozessebene”.
Eine zentrale Rolle scheint ebenfalls das Wort “Klärung” einzunehmen. Was genau soll geklärt werden? Oder: Was ist denn trübe? Häufig werden hier “zum Problem führende Prozesse” genannt, die es zu erkennen gilt. Hier macht sich das Wort “Prozess” erneut bemerkbar. Ein Prozess beschreibt, unabhängig von der deutenden Wissenschaft, immer einen Ablauf und er beinhaltet einen Zweck. Bei der Verwendung des Wortes Prozessebene liegt die Vermutung nahe, dass es noch andere Ebenen geben muss. Auf welcher Ebene erfolgt Beratung denn in der Regel? Was macht Coaching hier besonders? Geht es hier nicht eher um Zusammenhänge?
Nachwievor ist unklar, was denn mit der “Prozessebene” genau gemeint ist.
Vermutlich analysiert der Coach seinen Coachee, macht sich so seine Gedanken und bietet ihm eine andere Perspektive an. Ein Perspektivwechsel ist im Coaching generell förderlich. Nur darf es hier niemals um die Perspektive des Coachs gehen. Ein Coachee ist selbst in der Lage, unterschiedlichste Perspektiven einzunehmen und zu reflektieren.
Möglicherweise ist das Funktionsprinzip einer Beratung auf Prozessebene in der Tat das Prinzip einer Beratung. Der Berater analysiert (die Prozessebene) und bietet eine Lösungsidee vor dem Hintergrund seiner Expertise an. Der Kunde hat jederzeit die Freiheit zu entscheiden, ob er die Lösung annimmt oder nicht. Das begriffliche Novum “Coaching” erhält seine Legitimation durch die Berücksichtigung des Menschen als Individuum. Die Beratung ist “persönlich” und nicht von “der Stange”.
Doch Coaching dieser Denkart ist noch weitaus autoritärer als jede Beratung. Als Ziel von Coaching wird oft “die Entwicklung einer Arbeits- und Lebensperspektive” genannt. Ist es das was Coaching will? Wenn der Coach so denkt, wird er im Coaching auch genauso handeln. Er. entwickelt für seinen Coachee eine Perspektive (für das Leben). Autoritär bedeutet “aus der Person kommend”. Die Idee kommt also aus der beratenden Person des Coachs.
Eins ist sicher: Beratungsarbeit ist erfolgreicher, wenn sie auf den Menschen eingeht. Doch warum das dann Coaching genannt wird, ist schwer zu klären. Zumindest auf der Prozeßebene. Was auch immer das ist.

Effiziente Tools

An Wunderwaffen zu glauben ist nicht verboten. Doch gilt auch hier der englische Grundsatz “A Fool with a tool is still a fool”.

Doch was macht ein Tool aus? Was macht ein Tool effizient?
Zunächst einmal ist bereits der Begriff “Tool” in hohem Maße irreführend. Tool kann direkt mit “Arbeitsgerät” oder “Werkzeug”übersetzt werden. Ein Werkzeug wird für einen Arbeitsvorgang benötigt. Das Werkzeug selbst hat keinen Ablaufcharakter. Es kann nicht an Zeit abgebildet werden. Dem Charakter von Werkzeugen entspräche im Coaching am ehesten “die Frage” oder ein konkretes Hilfsmittel zur Visualisierung. In Publikationen über Coaching wird “Tool” meist synonym zum Wort “Methode” verwandt. Warum das Wort “Tool” bevorzugt wird, obgleich es schlichtweg falsch verwandt wird, läßt sich vielleicht durch den Wunsch nach einem Wunderwerkzeug erklären. Vermutlich aber deutet die Flucht in einen Anglizismus auf ein mangelndes Verständnis hin oder gibt der Materie Coaching im Sinne von “Vermarktung” einen modernen Anstrich. So erfährt das Wort “Tool” rasch eine enorme Verbreitung. Wer modern sein will schreibt “Tool” anstatt “Methode”.
Effizienz ergibt sich aus dem Verhältnis zwischen Aufwand und Nutzen. Mit wenig Aufwand viel erreichen. Wer will das nicht.Entscheidend hier ist die Frage: Was (welcher Nutzen) soll denn erreicht werden? Nur darüber läßt sich vergleichend die Frage nach Effizienz beurteilen. Coaching will, dass ein Coachee selbst erkennt, welche Kompetenzen er im Zusammenhang mit seinem Ziel erlangen muß und wie er diesen Weg   beschreitet. Im engeren Sinne geht es darum, dass die Selbstwahrnehmung des Coachee erweitert wird, dass die Entwicklung von Handlungsaltenativen durch den Coachee ausgelöst/ermöglicht wird und dass die Entscheidungsfähigkeit des Coachee ausgelöst/ermöglicht wird. Daran kann beurteilt werden, ob eine Methode (Tool) effizient ist.
Der Coachee und nur der Coachee kann Effizienz beurteilen. Er beurteilt, mit welchem Aufwand er welchen konkreten Nutzen im Coaching hat.
Ein weitaus größeres Problem in Hinblick auf den Begriff “Effizienz” ergibt sich aus der Haltung vieler Coachs dem Coaching selbst gegenüber. Weitestgehend besteht Einigkeit darüber, dass der Coach die Verantwortung für den Prozess hat, der Coachee für das Ergebnis. Eine Methode kann im Coaching selbst kein Ergebnis gebären. Der Coachee reflektiert und produziert Ergebnisse eigenständig. Eine Methode wird somit immer nur einen “Angebotscharakter” haben. Sobald ein Coach jedoch die Ergebnisverantwortung übernimmt, wird er Methoden wählen, die ihn eben darin unterstützen. Folglich wird er hier eine gänzlich andere Effizienzbewertung durchführen. Eine Sichtung verschiedener Ausbildungsangebote unterstützt diese These (Quellen können über die Betreiber der Hamburger Schule erfragt werden). So wird geschrieben von “integrativer Methodik - die hilfreichsten und wirksamsten Techniken aus systemischer, konstruktivistischer und hypnotherapeutischer Arbeit, NLP, Sport-Mentaltraining und Provokativer Therapie”. Es sei erlaubt, das Wort “Techniken” hier synonym zum Wort “Tool” zu interpretieren, da die Autoren selbst nicht differenzieren. Aus welchem Grund bedient sich ein Coach der Therapie oder dem NLP? Er hat die Idee, zu wissen, was gut für seinen Coachee ist. Um eben dieses Bild zu befriedigen wählt er Methoden, die ihn dabei unterstützen, ein Ergebnis zu erzielen. Ist der Aufwand gering, so ist die Methode effizient aus Sicht des Coachs. Doch letzten Endes manipuliert ein solcher Coach. Er coacht seinen Coachee zu einer Erkenntnis, der Erkenntnis des Coachs. Das gelingt natürlich mit einer Methodenwahl wie o.a. ganz vortrefflich. Welches Menschenbild dahinter steckt und ob das noch etwas mit Coaching zu tun hat, ist fraglich. Doch vielleicht ist es effizient.