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30.8.2010 von Axel Janßen.
Soeben erreichte mich per mail eine Pressemitteilung der Zeitschrift managerSeminare mit dem Titel
“managerSeminare-Umfrage Trainingsmethoden 2010:
Coaching ist Deutschlands beliebtestes Beratungs- und Trainingsformat”
(Was konkret ist in diesem Zusammenhang ein Format?)
Nach eigenen Angaben hat managerSeminare “einen Blick in den Methodenkoffer von Deutschlands Trainern geworfen und aus den Antworten ein Methoden-Ranking errechnet. (Wie hängt denn nun Methode mit Format zusammen?)
Von mangerSeminare wurde gefragt “Wie oft nutzen Sie diese Trainingsmethode?” daraus ergab sich laut der Pressemitteilung folgende Reihenfolge:
”
1. Coaching
2. Simulationen
3. Action Learning
4. Problembasiertes Lernen
5. Gewaltfreie Kommunikation
6. Storytelling
7. Supervision
8. Collaborative Learning
9. Großgruppenübungen
10. NLP-Methoden
”
Nun ist Coaching also eine Trainingsmethode (Gut, dass ich als einer der Gründer des dvct e.V. den Verband damals als Verband für Coaching UND Training angelegt habe. Nur wollte ich nie, dass alles in einen Topf geworfen wird.)
Ganz unabhängig von meiner Meinung zum Thema Coaching ist es interessant, dass Coachs am Markt mit Ausnahme des so bezeichneten “Problembasierten Lernens” alle der oben genannten “Methoden” im Einzel/Team/Gruppen-Coaching nutzen.
Schlichtweg bedauerlich ist es hier vielleicht für Coachs, die NLP-Methoden nutzen, dass Coaching die beliebteste Methode ist, NLP aber nur auf Platz 10 rangiert. Doch Coaching ist ja nach Meinung der Verfasser der Pressemitteilung eine Trainingsmethode.
Was ist denn nun der Coach? ein Trainer? ein Berater? Warum nennt er sich dann Coach?
Das Wort Trainer gab es vor einigen Jahren noch nicht. Damals hieß es Übungsleiter. Ein Verantwortlicher für den korrekten Ablauf einer Übung, die ein bestimmtes Ziel verfolgt. Heute heißt umgangssprachlich Übung Methode und der Übungsleiter ist ein Trainer. Was bleibt ist, dass ein Trainer ganz konkret ein Ziel verfolgt. Methoden sind reproduzierbare Abläufe, um eben ein konkretes Ziel zu erreichen. Doch welches Ziel verfolgt ein Trainer, wenn er eine der o.a. “Methoden” anwendet?
Jede dieser Strichaufzählungen hat ein konkretes Ziel. Wäre in der Umfrage ein Trainings (Lern-)Ziel definiert worden, so könnte die Reihenfolge legitimiert werden. Ohne dieses formulierte Ziel werden Äpfel mit Birnen verglichen. Bedauerlich für all die, die diese “Methoden” zur Erreichung eines konkreten Ziels nutzen und sich so vielleicht abgewertet fühlen.
Versöhnlich stimmte mich dann doch eine Aussage von Frau Bußmann: “Als ein sehr selbstgesteuertes Format gilt das Problembasierte Lernen als eine der Lernformen, die in einer angestrebten Kultur des lebenslangen Lernens noch wichtiger werden könnte.” (”Ausgehend von einer konkreten Problemstellung erarbeitet der Lerner weitgehend eigenständig Lernziele und entsprechende Lernwege.”) Ist das “Hilfe zur Selbsthilfe, wenn ein Mensch so etwas dann eigenständig kann?
Diese Aussage kommt der Theorie vom Selbstorganisierten Coaching der Hamburger Schule schon recht nahe. Möglicherweise mag ein Magazin darunter nicht Coaching verstehen, da der Begriff “Lernen” enthalten ist.
Ich verstehe auch, dass managerSeminare zum Thema Coaching keine eigene Meinung entwickeln mag, da der Markt des Magazins o.a. Verständnis hat und eine differenziertere Meinung unweigerlich zum Verlust von Lesern führen könnte. So werden dann wohl weiterhin Äpfel mit Birnen verglichen. Ganz ähnlich der Marburger Studie zum Thema Coaching.
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20.8.2010 von Axel Janßen.
Nur eine approbierte Person darf eine Diagnose stellen. Das kann ein Arzt, Therapeut oder auch psychologischer Berater (nach HPG) sein - Rechtlich entscheidend ist, dass diese Diagnosen Krankheiten betreffen.
Ein Coach, der autoritär, dass heißt beratend arbeitet, muss sich demzufolge immer auf das Terrain der “(Prozeß-) Begleitung” zurückziehen, da es ihm, sofern er nicht approbiert ist, verboten ist, zu diagnostizieren. Er darf alles feststellen, solange er nicht eine Krankheit feststellt.
Nun ist Krankheit ja nicht das Fehlen von Gesundheit. wiki definiert Krankheit wie folgt: “Störung oder Einschränkung der normalen körperlichen und/oder seelischen Funktionen; das Kranksein bzw. …. ist die Störung der Funktion eines Organs, der Psyche oder des gesamten Organismus.”
Wenn ein Coach einen Glaubenssatz “diagnostiziert” und vorschlägt, diesen Glaubenssatz zu entfernen oder durch einen “förderlichen” zu ersetzen - geht er da nicht von einer Störung oder Einschränkung der normalen seelischen Funktionen aus? Oder beziehen sich diese Einschränkungen grundsätzlich auf ein damit einher gehendes Leiden?
Es ist wahrscheinlich, dass bei einem gesunden Menschen eine Störung diagnostiziert wird.
Wenn sich, wie viele behaupten, Coaching aus der Therapie herleitet und Coachausbildungen eindeutig auf ihre Verwandschaft mit lösungsorientierter Kurzzeittherapie, Transaktionsanalyse oder NLP hinweisen, so geht damit in der Regel ein diagnostisches Vorgehen einher. Da aber keine Krankheit (wörtlich) diagnostiziert wird, ist ein solches Vorgehen rechtlich (noch) unbedenklich.
Der Grat ist schmal. Mal ist ein innerer Antreiber ursächlich für eine Krankheit verantwortlich - mal schränkt sie nur erfolgreiches Verhalten ein. Wer aber beurteilt das? Für Krankheiten gibt es die ICD. Für erfolgreiches Verhalten haben viele Coachs ihr ganz eigenes Verständnis. Doch immer dann, wenn der Coach bewertet, ob etwas förderlich oder hinderlich ist, begibt er sich in eine rechtliche Grauzone.
Da autoritäres Coaching offiziell unter “Beratung” oder “Prozessbegleitung” firmiert, wird diese Grauzone literarisch umschifft.
Vielleicht ist die Fraktion der Coachs, die unter Coaching Training versteht dann doch die angenehmere. Sie verzichtet zur Gänze auf “Diagnosen” und arbeitet munter autoritär drauflos. Das ist zumindest rechtlich unbedenklich.
Was die Ideen und Ansätze des autoritären Coaching eint, ist die konsequente Vernachlässigung des Grundgesetzes (allgemeines Persönlichkeitsrecht aus Art. 2 Abs. 1 i.V.m. 1 Abs. 1 GG - siehe auch http://hamburger-schule.net/ausbildung/rechtsgrundlagen.htm ).
Dabei könnte alles viel einfacher sein. Wenn der Coachee sich selbst “diagnostizieren” kann und der Coach gänzlich auf jedwede Form der Diagnose verzichtet. Dafür steht die Hamburger Schule.
Zu guter Letzt noch ein Aspekt, der eine besondere Relevanz für Unternehmen haben kann, die Coaching als Dienstleistung einkaufen (bitte sehen Sie mir nach, dass ich nicht als Rechtsgelehrter formuliere, sondern in diesem blog nur meine Gedanken zum Ausdruck bringe):
Personalentwicklung ist an das Bertriebsverfassungsgesetz gebunden. Ein autoritäres Verständnis von Coaching kann einer Berufsbildungsmaßnahme entsprechen und zwingt damit zur Berücksichtigung des BetrVG. Glücklicherweise ist Coaching kein Begriff, der rechtlich erfaßt ist. Doch sollte der Beriebsrat einmal autoritäres Coaching als Berufsbildungsmaßnahme verstehen, dann kann der Paragraph 97 oder 98 ganz interessant werden.
Autonomes Coaching, so wie es die Hamburger Schule versteht, kann nie einer Berufsbildungsmaßnahme entsprechen, da es keinen bildenden oder erzieherischen Charakter verfolgt oder in irgendeiner Weise auf einen Betroffenen einwirken will. Es geht in einem Thema um selbstorganisierte Wahrnehmungserweiterung, Entscheidungsfähigkeit und Verhaltensalternativen und eben nicht um fremdorganisiertes Lernen wie bei einer Berufsbildungsmaßnahme.
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9.8.2010 von Axel Janßen.
“Wie wird in Ihrem Coachingverständnis denn der Konstruktivismus berücksichtigt?” fragte ich einen Coach. Seine Antwort lautete sinngemäß: “Jeder Mensch hat seine eigene Landkarte, die er aufgrund seiner Wahrnehmungsvorlieben, z.B. visuell oder auditiv, konstruiert. Das berücksichtige ich als Coach. Da ich selbst als Coach ganz andere Wahrnehmungsvorlieben habe, hinterfrage ich vor meiner Analyse alle Zahlen, Daten und Fakten meines Coachee und wähle Tools aus, die zu seinen Wahrnehmungsvorlieben passen, um unser vereinbartes Ziel zu erreichen.”
Diese Aussage mutet zunächst plausibel an. Doch berücksichtigt das wirklich den Konstruktivismus?
Richtig ist: Jeder Mensch deutet seine Welt aus sich heraus (autoritär: aus der eigenen Person heraus). “Welt” ist ein allumfassender Begriff. Auf ein Thema übertragen bedeutet es, dass der Coachee alles, was aus seiner Sicht mit einem Thema zusammenhängt (systemisch), autoritär deutet und bewertet - einschließlich der Zusammenhänge. Die Hamburger Schule setzt diese Tatsache so um, dass der Coach gänzlich auf eigene Deutungen und Bewertungen verzichtet bzw. verzichten muss, da diese ebenfalls konstruktivistisch bzw. autoritär sind. Damit ist jede Diagnose oder Analyse durch den Coach tabu. Der Coach kann und darf daher nur Hypothesen bilden.
Aus Sicht der Hamburger Schule kann der Konstruktivismus im Coaching nur berücksichtigt werden, wenn der Coachee sich selbst analysieren oder diagnostizieren darf. Hierin liegt das Wesen des plakativen Begriffs “Hilfe zur Selbsthilfe”.
Sicherlich haben die NLP-Coachs Recht, wenn Sie behaupten, dass es für den Coachee förderliche und hinderliche Glaubenssätze gibt. (Axiom der Hamburger Schule: Werte, die handlungsleitend sind, aber hinsichtlich ihrer Bedeutung nicht reflektiert werden, führen zu Glaubenssätzen. Glaube ist ein Wertekontext, der nicht hinterfragt wird.) Doch wer diagnostiziert einen Glaubenssatz? Und was legitimiert einen Coach, einen Glaubenssatz zu ersetzen? NLP liefert hier eine Reihe von Methoden, um eben das zu erreichen, z.B. “walking belief exchange”. Kennzeichnend ist, dass der Coach selbst einen Glaubenssatz seines Coachee identifiziert (ähnlich einem transaktionsanalytischen Therapeuten, der “innere Antreiber” entdeckt). Stimmt der Coachee der Diagnose seines Coachs zu, wird vereinbart, eben diesen Glaubenssatz zu ersetzen. An dieser Stelle entfaltet NLP seine volle Wirkung: vom Ankern bis zu Swish-Techniken unternimmt der Coach alles, um Glaubenssätze umzuwandeln.
Bemerkenswert ist die Verantwortung, die der Coach aufgrund seiner Diagnose hier für sein Handeln übernimmt. Er repariert, er diagnostiziert, er läßt üben. Das kann für den Coach schon berauschend sein. Er greift in´s mentale Geschehen eines Menschen ein. Doch was unterscheidet den Coach hier von einem Trainer? (oder Therapeuten?)
Wäre der Konstruktivismus berücksichtigt, so würde der Coachee (s)einen Glaubenssatz selbst diagnostizieren. Dazu müßte der Coach ihm Angebote unterbreiten, die ihm eine Selbstdiagnose ermöglichen, so dass er, zurückgreifend auf seine Ressourcen, aus sich selbst heraus Alternativen entwickelt. Die Hamburger Schule verfügt hier über den Coachingprozess, das MVWK-Modell, das Kompetenzmodell und verschiedene andere wissenschaftlich legitimierte Strukturen, die dem Coachee eben das bieten.
Diagnosen, Analysen und jedwede Form der Bewertung ist autoritär. Praktiziert ein Coach auf diese Weise, kann der Konstruktivismus nicht berücksichtigt sein. Der Coach übernimmt automatisch Verantwortung für das Ergebnis und verläßt seine Prozessverantwortung. Erkenntnisse aus dem Coaching kann der Coachee nicht nutzen. Es liegt also auch keine Hilfe zur Selbsthilfe vor (Es sei denn, der Coachee lernt NLP im Coaching und kann die Methoden selbst bewerten und mental applizieren).
Was unterscheidet ein Coaching, bei dem der Coach diagnostiziert von einer Therapie?
Vom Wesen her nichts. Mit einem großen Unterschied: Ein Therapeut ist idR umfassend diagnostisch ausgebildet. Er verfügt über Diagnoseraster, die es ihm erlauben, Abweichungen, die zu einem Leiden führen, festzustellen und für seinen Patienten Strategien zu entwickeln, diesem Leiden zu begegnen.
Zum Coach wird niemand kommen, der bereits körperlich unter seiner seelischen Verfassung leidet. Wenn aber dem gesunden Menschen mit Therapie begegnet wird, so muss er wohl aus Sicht des Coachs krank sein.
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18.5.2010 von Axel Janßen.
Die Coaching News von Christopher Rauen greifen am 26.4.10 einen Beitrag von Marit Alke in der aktuellen Ausgabe 5/10 der Zeitschrift
managerSeminare auf. Es gibt “Transfer Coaching”.
Bemerkenswert an dem kommentierten Ausschnitt ist, dass (wie auch der Autor der News erkennt), Frau Alke weder Erkenntnisse aus den Transfertheorien, noch aus dem Bereich der Motivation, noch aus dem Handlungslernen, noch in irgendeiner anderen wissenschaftlich überprüfbaren Form liefert.
Wohlgemerkt, es geht um den Transfer von Trainingsinhalten in den beruflichen Alltag. Die Autorin hat da vier typische Hürden identifiziert:
“Ich hatte beim besten Willen keine Zeit für den Transfer.”
“Ich hab’s probiert, aber meine Mitarbeiter/Kollegen spielen nicht mit.”
“Ich will nicht!”
“Ich schaff das sowieso nicht.”
Diesen Hürden wird Transfer Coaching gerecht. „Nach einer Maßnahme hakt der Coach mehrfach zu vorher festgesetzten Terminen telefonisch nach. Seine Aufgabe: die Teilnehmer dabei zu unterstützen, ihre Umsetzungsziele in alltagstaugliche, zur Person stimmige Schritte herunterzubrechen und anschließend immer wieder zu überprüfen, wie die Umsetzung funktioniert hat.“
Dann war das Training wohl nichts, wenn´s diese Hürden gibt und dann ein Coach den Transfer verantwortet. Wieso macht das eigentlich nicht die Trainingsperson?
Kann es sein, dass eben die o.a. Hürden das eigentliche Problem des Trainings darstellen? Was wäre, wenn hier ein wenig Kenntnis zum Thema Lernen und Motivation vorlege?
Nun ist es sicherlich eine Marktlücke für Anbieter nun auch Transfer-Coaching anzubieten. Doch warum nicht auf das Training verzichten und gleich coachen? Was bringt so ein Training wenn das, was damit erreicht sein soll nicht eintritt? (Vermutlich wurden vom Auftraggeber nur Inhalte eingekauft, nicht aber das Lernziel vereinbart) So muss dann der Coach ran und “immer wieder” überprüfen, “wie die Umsetzung funktioniert hat.”Ich finde es erstaunlich, dass mit dem Begriff Transfer-Coaching sich der Coach zum Erfüllungsgehilfen für schlechte Trainings degradiert.
Doch auch hier weis man Rat:
“Um den Transfer zu verbessern, kann man an drei Punkten ansetzen:
Teilnehmerauswahl:hohe Leistungsmotivation, Selbstwirksamkeitserwartung, Offenheit für Erfahrung sind beispielsweise hilfreich.
Trainingsdesign: Trainings- und Transferbedingungen sollten ähnlich sein, Vielfalt in den Übungsbedingungen sind ebenfalls hilfreich.
Arbeitsumgebung: Förderung durch das Management und unterstützendes Organisationsklima.”
Ein bekannter Comedian würde hier sagen: “Ja nee iss klar”. Wenn ich nur Teilnehmer aussuche, bei denen das Training voraussichtlich klappt, dann ist es natürlich gut. Nebenbei: Leistungsmotivation beschäftigt sich mit der Attraktivität der Folgen einer beabsichtigten Handlung. Was kann das wohl für´s Trainingsdesign bedeuten? Was ist wohl, wenn Veränderung subjektiv als unangenehm bewertet wird? Pauschal und kontextlos hier Leistungsmotivation aufzuzählen ist haltlos.
Albert Banduras Idee der Selbstwirksamkeitserwartunghat nichts damit zu tun, dass jemand eine Selbstwirksamkeitserwartung hat, sondern dass jemand aufgrund seiner, in unterschiedlichen Kontexten gemachten, reflektierten Erfahrung, seine individuelle Erfolgschance in einem bestimmten Kontext bewerten kann. Ich frage: Wie soll ich da ansetzen bei der Teilnehmerauswahl? Ich hoffe, da gibt´s was zu wählen (abgesehen davon, dass eine Auswahl hier nach Gesichtspunkten erfolgen müßte, die in jedem Fall den Beriebsrat auf den Plan rufen. Zum Glück ist die Aufforderung von Frau Alke ja keine Aufforderung zur Straftat. Ein klein wenig Kenntnis des BetrVg ist jedoch ratsam. Gerade wenn in Managerseminare veröffentlicht wird). Prosaisch: “Offenheit für Erfahrung”
Doch gibt es auch Licht im Dunkeln: “Trainings- und Transferbedingungen sollten ähnlich sein” Immerhin eine grundsätzliche Erkenntnis aus einer Transfertheorie. Und auch der gute alte Herzberg wurde bemüht mit der Arbeitsumgebung.
Was ist nun wirklich neu am Transfercoaching? Ich habe das Gefühl, dass wirklich jeder ein Bindestrich Coaching erfindet, um sich selbst in Szene zu setzen (Das ist auch ok, Der blog, den ich schreibe erfüllt das auch) Und falls jemand da draußen Bindestrich-Coachings braucht, hier mal ein paar Dinge, zu denen ich gerne etwas schreibe. Und wenn´s nur ist damit managerseminare es druckt. Wie wäre es mit:
Substitutions-Coaching?
MICE-Coaching?
Diversitäts-Coaching?
Vermutlich gibt es das schon alles.
Ich kann nun nicht beurteilen, ob Frau Alke coacht oder berät. Eine gute Geschäftsfrau ist sie bestimmt.
Zu bedenken gebe ich jedoch, dass wenn Inhalte eines Trainings individuell umgesetzt werden sollen und die Motivation für die Umsetzung fehlt (im Kern richtiger: der Wille) das Ziel aus dem Training aber bleibt, wohl kaum der Aspekt der Freiheit und Freiwilligkeit gegeben ist. Frau Alke ist so Auftragnehmer für den Auftrag “Die Teilnehmer werden das im Training für sie formulierte Ziel umgesetzt haben”.
Und das ist dann wohl doch eher Training als Coaching. Warum also dieser Begriff Transfer-Coaching?
Schlussbemerkung: Coaching macht Training nicht überflüssig. Die Unternehmen investieren nach wie vor in Training. Das Thema Training ist leider durch den Coaching-Hype in Vergessenheit geraten und somit auch die Diskussion darum. Wie es um Trainings in Deutschland bestellt ist, dafür liefert der Artikel ein Indiz. Ich glaube, durch die dramatische Verwässerung des Themas Coaching bis hin zur Beliebigkeit der Bindestriche wird dem gesamten Sektor der Weiterbildung geschadet.
Besonders der Verzicht auf jede Form der wissenschaftlichen Überprüfbarkeit, den auch Thomas Webers bemerkt, eröffnen der Beliebigkeit die Türen.
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26.4.2010 von Axel Janßen.
Mein vorangegangener blog-beitrag beschäftigte sich mit einem Artikel in der Xing-Gruppe “Coaching”. Mit viel Vergnügen konnte ich feststellen, dass die Reihe der Newsletter fortgesetzt wird. Veröffentlicht von Elke Antwerpen schreibt diesmal Anja Myrdal über NLP.
Zitat Anja Myrdal: “Übrigens, ein Coach DVNLP verfügt über ein Mindestvolumen von 390 Ausbildungsstunden als Zeitstunden, verteilt auf mindestens 54 Ausbildungstage.”
Doch zum Thema:
Schon die ersten Zeilen bringen es auf den Punkt: “… weil NLP nicht eine einzelne Methode beinhaltet, sondern ein ganzes Bündel verschiedener Techniken und Interventionen”. Direkt im Anschluss daran folgende Beschreibung: “NLP wurde in den 70er Jahren von dem Mathematiker Richard Bandler und dem Linguisten John Grinder als Kommunikationsmodell entwickelt.”
Zusammengefaßt heißt das für mich, dass NLP ein Modell ist, dass sich als Bündel von Techniken und Interventionen darstellt. Zum Erlernen benötigt es 390h.
Richtig spannen wird die Frage: “Wodurch wirkt NLP?” beantwortet:
“N für Neuro, bezeichnet für die sinnliche Wahrnehmung, das L steht für Linguistik, für den sprachlichen Ausdruck und P steht für Programmieren, für die Verhaltensmuster und Lernprozesse. Diese drei Bereiche fanden Einfluss in die jeweiligen Formate. Wenn ein solches Format in seiner Gänze angewendet wird, ist es in der Regel möglich genau so gute Resultate zu erzielen, wie die jeweiligen Personen, da es nicht mehr um die Inhalte geht, sondern um die Struktur des Veränderungsprozesses oder aber der Handlungsabläufe bzw. den Handlungsablauf.” Wohlgemerkt, es geht hier um “Modelling”. Personen, die subjektiv erwünschte Eigenschaften aufweisen, werden nachgeahmt (modelliert). Beste Behaviouristische Tradition, die mit der systemisch-konstruktivistischen Sichtweise der Hamburger Schuile nichts gemein hat. Selbstlernen und Nachahmen verhalten sich so, als ob (eine beliebte NLP-Intervention… die als-ob-Technik ;-)) Freiheit auf Einschränkung trifft. In welchem Zusammenhang die Struktur des Veränderungsprozesses nun zum Format steht, wird sich mir wohl nicht offenbaren. Zusammengefaßt:Nachahmen wird strukturiert, Inhalte werden eliminiert. Das Ganze Format genannt und als Ganzes angewandt. Schon bist Du so erfolgreich wie die Größten im Land. Gänzlich unklar ist, was die Autorin als Inhalt versteht. Vermutlich heißt es, nicht genauso wie die “Modellperson” machen und nachahmen, sondern nur den Ablauf merken. Denn der kann ja in jedwedem Kontext durch beliebige Personen angewandt werden.
Nebenbei stellt sich mir die Frage, wenn NLP es doch ermöglicht, supererfolgreich durch Nachahmen zu sein, dann müßte doch irgendwo einer der DVNLP Coaches nur den erfolgreichsten Coach der Welt nachahmen und schon wäre er der erfolgereichste Coach in der uns bekannten Welt. Doch vielleicht ist das Frau Myrdal ja. Meinen Glückwunsch. Um zur Frage zurückzukommen. Wodurch wirkt NLP? NLP wirkt durch Nachahmen von Leuten, die subjektiv erfolgreich sind.
Und da es so viel Nachahmenswertes gibt, gibt es ein “Bündel verschiedener Techniken und Interventionen” Oder habe ich jetzt etwas falsch verstanden?
Doch der Newsletter gibt sein Crescendo erst zum Schlussmit der Frage: “Was ist, wenn es angewendet wird?”
“Wenn NLP angewendet wird, dann ergibt sich für denjenigen die Möglichkeit exzellente Ergebnisse zu erzielen und auf sehr effektive Art und Weise Veränderungen herbeizuführen, und zwar in den Bereichen der Verhaltensmuster, der Einstellungen und der Werte.”
Das heißt also a) Es muss nicht funktionieren, es gibt nür die Möglichkeit, dass es funktioniert und b) wenn der Coach der ist, der NLP anwendet, dann erzielt er exzellente Ergebnisse (er kann also fröhlich drauflos manipulieren oder programmieren) oder c) Jeder kann´s selbst anwenden und hat dann exzellente Ergebnisse… wenn NLP angewendet wird. (Neulich sah ich eine Raumschiff-Orion Folge, da gab es eine Waffe gegen die Frogs, die nannte sich “Overkill”. Wenn Overkill angewandt wird, dann …) Doch, wie tröstlich, es werden Veränderungen herbeigeführt in den “Bereichen der Verhaltensmuster, der Einstellungen und der Werte.” Wenn ich jemanden nachahme, wird das wohl auch nicht anders gehen. (Nebenbei bemerkt ist hier wohl die diagnostische Sichtweise von NLP gemeint, die Verhalten rein auf das Vorhandensein von Glaubenssätzen (beliefs) zurückführt, die wiederum durch Wahrnehmung entstanden sind (visuell, auditiv, kinästhetisch, ofaktorisch, gustatorisch). Wird duch den Coach ein Glaubenssatz als hinderlich diagnostiziert, wird er wegprogrammiert und durch einen subjektiv Besseren ersetzt. - wie gesagt 390 Ausbildungsstunden Waffenkunde NLP.) Den Beleg liefert die Verfasserin im selben Absatz: “Negative Emotionen aus dem Bereich der Erinnerung können neutralisiert werden.” - Overkill?
Doch ist das ja alles nicht so schlimm. Viel braucht der NLP Anwender ja nicht für eine Hypothesenbildung. “Er benötigt diese Informationen nicht, um den Coachee zu seinem Ziel zu führen.” weiß die Autorin. “zu seinem Ziel zu führen” dieses Satzfragment sagt aus, dass der Coachee das nicht alleine kann und Hilfe braucht. Hilfe zur Selbsthilfe. Erstmal führe ich ihn hin. Dann ist er da und hat sich selbst geholfen. Für mich liegt in der Aussage “zu seinem Ziel führen” ein Menschenbild versteckt, dass es dem Menschen nicht zutraut das selber zu machen.
“… wenn jemand nicht in der Lage ist mit seinem Coachee empathisch und mit dem Herzen in Verbindung zu sein. Dann bleibt es (NLP) eine reine Technik.” Ich denke, es ist ein Modell? oder ein Bündel? Doch verständlich, dass ich mit dem Herzen in Verbindung stehen muss. Ehrlich gesagt würde ich mich nicht programmieren lassen, wenn´s nicht von Herzen käme. Nun kennnen die NLP Anwender ja auch denm Begriff Assoziation. Kann es sein, dass Frau Myrdal mit dem Inhalt, der sich durch den Coachee ausdrückt, assoziiert, d.h. mit dem Herzen dabei ist? Eine wahre Philantrophin.
In einer Ausbildung nach der Hamburger Schule wird ein hohes Mass an Zeit aufgewandt, damit der Coach persönliche Kompetenz erwirbt. Er eben nicht assoziiert ist, sondern seinen Kopf frei hat für die Prozessverantwortung und eine fundierte Hypothesenbildung. Gelacht werden darf im Coaching trotzdem.
Nun deucht mir NLP so wie die Overkill-Waffe, die übers “Herz” gesteuert wird. Wenn das nicht ein Verkaufsschlager ist. Wer will schon den Verstand einsetzen? Gibt doch NLP.
Frau Myrdal lädt ein, eine eigene Meinung zu haben. Sie nennt das Landkarte und beruhigt mit den Worten: “Da NLP so vielschichtig ist, sieht jeder, der professionell NLP anwendet, dies vielleicht noch ein wenig anders, und wie das so ist mit guten Landkarten, ist die Landkarte nicht das Gebiet.”
Ich denke oder dachte aufgrund meiner Landkarte, dass Professionalität nur aufgrund von beschriebenen Anforderungen möglich ist. Das eine professionelle Anwendung von NLP auch in der Beliebigkeit möglich ist, ist mir neu. Doch modelliere ich ja auch niemanden und bin ganz normal doof.
Schlussbemerkung: NLP hat z.T. sehr wirksame Verfahren zur Programmierung entwickelt, die sich aus den unterschiedlichsten Anleihen bei verschiedensten Therapieformen bedienen. Von daher betrachte ich NLP eher dem therapeutischen Kontext zugehörig. Ein ausgebildeter Theapeut macht eine ausführliche Anamnese (Diagnose) und schränkt Verhalten nicht auf Glaubenssätze ein. Aus diesen Ressourcen heraus kann er NLP-Interventionen bewerten und auswählen.
Coaching ist weder Therapie noch therapienah, da Selbststeuerung und Ressourcenverfügung des Coachee Voraussetzung für Coaching sind. Wird NLP durch Coachs genutzt, so besteht ausdrücklich die Gefahr, dass ohne entsprechende therapeutische Ausbildung therapiert wird. Damit liegt nicht nur eine rechtliche Relevanz vor. Die “Waffe” NLP lädt zur Manipulation ein und besitzt damit das Potenzial große Teile des Marktes für das Thema Coaching zu verbrennen.
Je besser sich die schreibende Zunft mit dem Thema Coaching und dem Thema NLP auskennt, desto wahrscheinlicher wird es, dass vielleicht auch mal die FAZ über “Gefahren durch NLP” berichtet.
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25.3.2010 von Axel Janßen.
Mit einem jüngst im Coaching Newsletter von Christopher Rauen veröffentlichten 5 Punkte Konzept steigt der Deutsche Bundesverband Coaching, DBVC in´s Rennen um Qualität im Coaching ein. Das Konzept soll als Orientierungshilfe für Coaching Nutzer zur Auswahl seriöser Angebote dienen.
Nun werde ich nicht gleich hinterfragen, ob diese 5 Punkte ein Konzept sind. Doch ist jeder Punkt interessant, einmal beleuchtet zu werden. Denn Coaching-Nutzer sind Kunden und die gilt es ja für sich einzunehmen - durch Qualität selbstverständlich.
“- Der Coach führt einen ordentlichen Geschäftsbetrieb mit entsprechend ausgestatteten Räumen und einem transparenten Angebot. Das Konzept und die Methodik des Coachs sind öffentlich nachvollziehbar, frei von Ideologie und entsprechen wissenschaftlichen Standards.”
Ein ordentlicher Geschäftsbetrieb ist für einen Marktteilnehmer selbstverständlich. Was genau entsprechend ausgestattete Räume sind ist unklar. Ein Coach, der nach der Hamburger Schule praktiziert, nutzt in der Regel einen Raum für 2 Personen, der ca. 30qm groß ist, reichlich Tageslicht ermöglicht und über einen Moderatorenkoffer, mindestens 3 Pinnwände und mindestens 1 Flpchart verfügt. Die Methodik ist auf der Referenzseite hamburger-schule.net öffentlich einsehbar und nachvollziehbar. Nun kann es ja möglich sein, dass das Wort Methodik gänzlich unterschiedlich interpretiert wird… als Pädagoge sehe ich es vielleicht anders. Doch auch allgemein als Gesamtheit wissenschaftlicher Methoden verstanden sehe ich bisher nur die Hamburger Schule, die diese Forderung konsequent umsetzt. Auch für eine Methodik ist es unverzichtbar, zu formulieren, was denn Coaching erreichen will.
Eine Ideologie ist eine Meinung oder auch Weltanschauung. Am Begriff ist an sich nicht Böses. Sobald Coaching mit Werten verbunden wird, was durch die Ethik auch im DBVC getan wurde und innerhalb dieses Konzepts wiederrum geschehen ist, ist es eine Ideologie. Frei von Ideologie sind die Sachverständigen nicht. Zu einer Ideologie sollte nicht gezwungen werden. Vieleicht soll es so verstanden werden. Die Hamburger Schule ist konsequent werteorientiert - der Wert Freiheit und der Wert Freiwilligkeit verhindern jeden Missbrauch.
Was denn nun wissenschaftliche Standards sind bedarf auch an dieser Stelle einer Erläuterung. Ist damit eine wissenschaftliche Herleitbarkeit verbunden, so kann sich die Hamburger Schule beruhigt zurücklehnen. Doch wie ist das eigentlich mit der NLP-Fraktion?
“- Ein Coaching-Vertrag wird freiwillig geschlossen und beinhaltet alle Rahmenbedingungen, wie beispielsweise den zeitlichen Umfang der Leistung, Ziele, Kosten, Ergebnisüberprüfung, und ist jederzeit von beiden Parteien kündbar.”
Nun befürworte ich es unbedingt, dass ein Vertrag freiwillig geschlossen wird und Ansprüche beider Parteien einvernehmlich regelt. Warum jedoch “Ziele” und “Ergebnisüberprüfung” darin vorkommen sollen ist mir schleierhaft. Daran ist also ein seriöses Angebot zu erkennen. Der Vertrag ist rechtlich gesehen ein Dienstvertrag. Geschuldet wird vom Dienstverpflichteten die Leistung, jedoch nicht der Erfolg. Enthält ein Vertrag die geforderten Komponenten, so besteht die Gefahr, dass die Sachverständigen hier einem Menschenbild folgen, dass auch mit Beratung nicht zu verbinden ist. Die hier aufgestellten Kriterien legen nahe, dass die Verständigen einen Werkvertrag fordern. Ein Abgrenzungskriterium für das Vorliegen eines Werkvertrages ist die genaue Spezifizierung des Werkes bzw. der Leistung (z.B. Aussehen, Funktion). Die Abgrenzung des Dienstvertrages zum Werkvertrag erfolgt über die Prüfung, ob vertraglich ein Erfolg geschuldet ist. Solltemit Ziel und Ergebnisüberprüfung genau das gemeint sein, so wird ein Coach seinen Coachee zum Ergebnis coachen. Wenn das ein seriöses Angebot ist, erschreckt es mich. Coaching im Sinne der Hamburger Schule ist grundsätzlich ergebnisoffen.
“- Der ehrbare Coach behandelt alle Informationen streng vertraulich, bewahrt dabei eine unabhängige, neutrale Position, arbeitet ausdrücklich im Sinne einer Allparteilichkeit und setzt die zur Verfügung stehenden Ressourcen in einem effektiven Kosten-Zeit-Methoden-Verhältnis ein.”
Selbstverständlich sind anvertraute Informationen streng vertraulich zu behandeln. Dieser Aspekt wird entweder vertraglich und/oder ethisch geregelt. Dabei eine unabhängige, neutrale Position zu bewhren ist nun keine Herausforderung. Doch was heißt es dann auch noch im Sinne einer Allparteilichkeit zu arbeiten. Dieser aus der Mediation bekannte Begriff beinhaltet, dass der Coach sich nicht durch eine Partei instrumentalisieren läßt. Er ist für alle Parteien gleichermaßen da. So wird er gerne die Interessen des Unternehmens, das den Coach als verlängerten Arm der Führung fordert und des Coachee, der “Hilfe zur Selbsthilfe” will folgen. Die Werteorientierung der Hamburger Schule schafft hier eine bessere Entscheiungsgrundlage für den Coach. Oder heißt es, dass seriöse Angebotevon Coachs kommen, die unter jeder Bedingung arbeiten solange sie allparteilich sind? Das ist der ehrbare Coach?
Wenn ich über wenig Ressourcen verfüge, so kann ich das Wenige sicherlich effektiv einsetzen. Ein schlecht ausgebildeter Coach wird das sicherlich können. Effektiv in Bezug worauf? Die Anleihe am bekannten Zusammenhang ZEIT/KOSTEN/QUALITÄT bei der das Wort Qualität durch Methoden ausgetauscht wurde beeindruckt. Was heißt das eigentlich? Wenn ich 8h Zeit im Coaching habe und der Kunde 1600,00 Euro zahlt - wieviele Methoden bekommt er dann? Oder bedeutet es, wenige Methoden benötigen wenig Zeit und verursachen dadurch wenig Kosten? Was ist nur effektiv? Als Kunde wäre ich jetzt verloren. Ein seriöses Angebot berücksichtigt das also.
“- Der Coach hat eine fachlich ausgewiesene und anerkannte Ausbildung und legt seinen Leistungsnachweis offen. Er nutzt Qualitätssicherungsmethoden und reflektiert seine Arbeit in regelmäßiger Supervision.”
Der DBVC erkennt Ausbildungen an. Was nun fachlich ausgewiesen ist, ist unklar. Meine Schwester erkennt meine Ausbildung übrigens auch an. Welche Aussage in einem Leistungsnachweis steckt, der dann ja offengelegt ist, würde nur Sinn machen, wenn ein Verfahren genutzt wird, das Kompetenz überprüft, ähnlich dem Verfahren zur Zertifizierung des dvct. Was genau sind Qualitätssicherungsmethoden? Es sind wiederholbare Abfolgen mit dem Ziel, definierte Qualitätsmerkmale zu messen und zu bewerten. Wird dieses 5 Punkte Konzept angewandt, so dürfte das schwierig werde.Welchen Qualitätsmasstab ein Supervisor nutzt, der ja (eigentlich) kein Coach ist, bleibt weiterhin rätselhaft. Solange das oft genug gefordert wird bleibts wohl irgendwo hängen zumindest in der Verbandslandschaft. Wenn ein Coach sich selbst bewerten kann, so wie es die Hamburger Schule sieht, so benötigt er keinen Supervisor. Kann er eine notwendige Veränderung nicht selbst herbeiführen, so läßt er sich caochen. Oder vertrauen die Autoren von “Kriterien” dem Coaching nicht?
- Die Coaching-Arbeit ist unvoreingenommen und im Grundsatz ergebnisoffen, orientiert sich am Kundennutzen und behält darüber hinaus das Gemeinwohl im Blick. Einzig die Klienten bestimmen und verantworten ihr Erkennen, Entscheiden und Handeln ebenso wie ihr Nicht-Handeln.”
Nun steht hier, dass Coaching ergebnisoffen ist. Oben wird das Ergebnis aber in seiner Überprüfung zum Teil des Vertrages. Wer bestimmt, was der Kundennutzen ist? Ist er finanzieller oder ideeller Art? Oder ist es die nachhaltige Selbtlernkonzeption wie es die Hamburger Schule formuliert? Oder ist es so, dass der Coach entscheidet, welchen Nutzen der Coachee hat? Letzteres ist hochautoritär. Klar, dass Coaching dann als Beratung verstanden wird.
Das Gemeinwohl - interessante Formulierung. Also verantwortet der Coach, dass sein Coachee nur Ergebnisse produziert, die immer das Gemeinwohl, was immer das auch ist, im Blick haben? Worauf bezieht sich der Begriff?Darf sich ein Coachee dann als Erkenntnis aus dem Coaching nicht dazu entscheiden nach Brasilien auszuwandern? Schließlich geht dem Gemeinwohl ein Steuerzahler verloren?
“Einzig die Klienten bestimmen und verantworten ihr Erkennen, Entscheiden und Handeln ebenso wie ihr Nicht-Handeln”
Demnach brauche ich das Gemeinwohl nun doch nicht?
Bitte bewerten Sie die Orientierungshilfe zum Erkennen seriöser Coach-Angebote auf einer Skala von 1-10 wobei ….
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9.3.2010 von Axel Janßen.
Problem Nr. 1 - Die Ethik
In Berichten zum Thema Coaching wird periodisch auf das Verlangen des Marktes nach Normen, Standards, Werten und Qualität im Coaching gerufen. Der Ruf wird mit einem Interesse der Nachfrager an Orientiering erklärt.
Der verbandlich organisierte Teil der Coachingszene debattiert im roundtable der Coachingverbände zu dem der
BDP - Bund Dt. Psychologinnen und Psychologen, Sektion Coaching in Wirtschafts- und Organisationpsychologie
BDVT - Berufsverband für Trainer, Berater und Coaches
DBVC - Deutscher Bundesverband Coaching
DCV - Deutscher Coaching-Verband
DGSv - Deutsche Gesellschaft für Supervision
dvct - Deutscher Verband für Coaching und Training
EMCC - European Mentoring and Coaching Council
ICF - International Coaching Federation, Sektion Deutschland
QRC - Qualitätsring Coaching
SG - Systemische Gesellschaft
gehören.
Die Diskussion war bisher ergebnislos und wurde von der ICF erneut aufgenommen. Sie kündigte schon im Herbst vergangenen Jahres eine Initiative im Round Table der Coaching-Verbände an. Die Deutschen Verbände sollen sich ähnlich der britischen Verbände auf gemeinsame Standards einigen.
Die Briten hatten die Diskussion aufgenommen und sich verbandsübergreifend auf gemeinsame Professionswerte geeinigt. Das „Statement of Shared Professional Values“ enthält ein Meta- und sieben einzelne Prinzipien:
Mit einem Blick auf die Ethik der Hamburger Schule, die auch vom dvct verfolgt wird, erübrigt sich eine Diskussion der Ethik, da hohe Übereinstimmungen vorliegen. Historisch gesehen ist es vielleicht interessant, dass die Ethik der Hamburger Schule (www.hamburger-schule.net) bereits vor 3 Jahren dem roundtable vorgestellt wurde, sie aber gänzlich unberücksichtigt blieb.
Eines ist aber doch interessant daran:
“Klienten-Zentriertheit: Jeder Klient wird als kreativ, reich an Ressourcen und ganzheitlich wahrgenommen.Die Aufgabe des Coachs ist es, den Klienten in seiner Entwicklung zu unterstützen; zu diesem Ziel sind alle nötigen Hilfestellungen zu leisten.”
Heißt es, dem Coach ist ethisch erlaubt, wirklich alles zu tun solange es den Klienten in seiner Entwicklung unterstützt? Wie verträgt sich das mit dem Menschenbild des kreativen, reich an Ressourcen seienden Menschen? Wenn er doch so reich an Ressourcen ist, was machen dann Hilfestellungen im Coaching? Da muss doch dann eine Ressource fehlen, sonst würde er nicht alle nötigen Hilfestellungen bekommen.
Das Problem mit diesen ethischen Formulierungen ist, dass sich diese Formulierung dann eben nicht an Werten orientiert. Wenn ich dem Coachee zutraue, dass er alle Ressourcen für eine Veränderung in sich trägt, dann muss gefragt werden, was es bedeutet, einen Menschen in seiner Entwicklung zu unterstützen. Dieser Wert “Ressourcenverfügbarkeit”, den auch die Hamburger Schule verwendet, bedeutet, dass ich dem Coachee zutraue selbst sein Veränderungsthema zu erkennen, ein Ziel zu formulieren und eine Strategie abzuleiten. In der Konsequenz heißt das, dass ich ihm dann lediglich beim Denken helfen kann. Was nötig ist, darüber entscheidet der Coachee.
Besonders problematisch ist die Sicht auf das Wort “Entwicklung”. Wird es so verstanden, dass der Coach den Coachee entwickelt, was vermutlich der Fall ist, so wird der Wert Ressourcenverfügbarkeit nicht beachtet. Die britische Ethik widerspricht sich selbst und ist damit wohl irrelevant.
Die Hamburger Schule (www.hamburger-schule.net) definiert Werte als Orientierung für Verhalten. Eben das leistet eine Ethik. Sie ist ein Orientierungsrahmen für (ethisches) Verhalten derer, die sich dieser Ethik verpflichtet fühlen.
Eine Ethik leistet immer einen Beitrag zur Professionalität. Da sie jedoch nur den Rahmen zur Orientierung schafft, ist es dem Einzelnen überlassen, sich selbst zu organisieren. Sind die Werte der Ethik wenig trennscharf formuliert, so finden sich auch viele Phantasien für Verhalten wieder. Die Ethik der Briten ist so formuliert, dass hier jedweder Coachingansatz und jedwedes Verständnis von Coaching Platz hat. Politisch gesehen ist das wichtig, da alle Verbandsmitglieder sich in ihrer Heterogenität darin wiederfinden sollen. Und so kommt es, dass der derzeitige Stand der ethische Diskussion wirklich nur den kleinsten gemeinsamen Nenner aufgreift.
Ein Wert, der für die Hamburger Schule (www.hamburger-schule.net) von immenser Bedeutung ist, wird bewußt nicht diskutiert: FREIHEIT. Freiheit bedeutet, den Coachee selbst entscheiden zu lassen, was er verändern will und wie er es tut. Jede Form der Entwicklung aus Sicht des Coachs ist damit tabu. Nur der Coachee selbst kann sich diagnostizieren. Alles andere ist ein Eingriff in diese Freiheit. Und wenn ein Coach seinen Coachee diagnostiziert und ihm ein Veränderungsziel vorschlägt und ihn dahingehend entwickelt, so ist das autoritär und eben nicht an einem Wert Freiheit orientiert.
Mit wenigen Ausnahmen sind daher die meisten Coachinansätze autoritär. Ethische Entwürfe der Anhänger dieser Ansätze werden höchstwahrscheinlich nie einen Wert FREIHEIT definieren.
Ich glaube, den Coachingverbänden wird es nicht gelingen, sich auf ein freiheitliches Menschenbild zu einigen, das ja ganz gut aus dem Grundgesetz bekannt ist. Das Vorherrschen autoritärer Ansätze bei denen der Coach weiß, was gut für seinen Coachee (… die Entwicklung) ist, wird das zu verhindern wissen.
Dieser Wert würde eine Umorientierung bedeuten, eine Abkehr von Beratung. Und solange bekannte Verände wie der DBVC Coaching als Beratung definieren wird sich da wohl nichts ändern.
Da auf der ethischen Ebene das Menschenbild nicht definiert ist, kann eine Diskussion über Normen und Qualität auch nicht erfolgen. Es fehlt schlichtweg eine brauchbare ethische Grundlage. Professionswerte sind richtig - müssen aber Orientierung für professionelles Verhalten im Thema bieten auf Basis eines Menschenbildes. Freiheit ist ein Persönlichkeitsrecht. Für einen Coach bedeutet das, dass er sich in all seinem Tun daran zu orientieren hat.
Problem Nr. 2 - Die Definition
Nachwievor wird unter Coaching einerseits Beratung, andererseits “Hilfe zur Selbsthilfe” verstanden.
Über Beratung lohnt es sich nicht zu diskutieren. Wer unter Coaching Beratung versteht, der soll es so nennen, dann kann er sich an den vorhandenen Empfehlungen, z.B. des BDU orientieren. Was allerdings konkret unter “Hilfe zu Selbsthilfe” verstanden wird, gilt es zu definieren. Auch hier wird vielleicht deutlich, dass die Diskusssion vom Menschenbild nicht trennbar ist.
Wenn das geschehen ist, ist zu definieren, was ein Coachingansatz ist (nach Hamburger Schule: Wirkungserwartung an das Coaching) und dann kann induktiv geprüft werden, welche Ansätze dem was Coaching erreichen will, also dem Ziel des Themas, gerecht werden. Oder es wird deduktiv vorgegangen und aus dem Ziel der Ansatz abgeleitet. Zwangsläufig ergibt sich dann die Erkenntnis, was ein Prozess im Coaching leisten muss und wie Verantwortungen aufzuteilen sind.
Zukünftige Normen können lediglich den Coachingprozess untersuchen und ggf. normieren. Voraussetzung ist ein klares Verständnis von Coaching. Der Prozess ist Teil des wertegedeuteten Kontext, der sich Coaching nennt. Und wenn ein Wert FREIHEIT lautet, fällt Beratung damit schon einmal aus.
Das es in Deutschland eine DinNorm für Verhalten gibt, ist wohl eher unwahrscheinlich. Das wird eine Ethik leisten müssen. Bestandteil einer Ethik müssen immer die Persönlichkeitsrechte eines Menschen sein.
Und wenn das alles erledigt ist, kann es sein, dass so etwas wie die Hamburger Schule (www.hamburger-schule.net) dabei rauskommt.
Da zu viele Einzelinteressen sich im Thema Coaching vereinigen wollen, werden die Verbände das nicht schaffen, da sie sich dann Konflikten aussetzen und sich von Mitgliedern trennen müssen. Eine Einigung ist nur auf sehr hoher Abstraktionsebene möglich. Daraus kann sich Qualität jedoch schlecht entwickeln.
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2.2.2010 von Axel Janßen.
Ich wurde vor kurzem gefragt, ob ich an einer Preisverleihung teilnehmen möchte. Schließlich ist die Hamburger Schule sehr innovativ.
Ein Preis ist in der Regel mit einer Ehrung für besondere Verdienste in Bezug auf ein Thema verbunden. Auch der Preis in einem sportlichen Wettbewerb folgt dieser Idee. Der Sportler hat in seiner Disziplin, d.h. seinem Thema eine Platzierung innerhalbp eines Wettbewerbs errungen. Die Plätze 1-3 entsprechen einer Taxonomie der besonderen Verdiensten innerhalb dieses Wettbewerbs.
Was hat das nun alles mit Coaching zu tun? Ob nun auf “Conventions”, Personalmessen oder bei anderen Gelegenheiten, man wird nicht müde, Preise an alle zu verleihen, die irgendwie mit dem Thema Coaching zu tun haben oder zu tun haben könnten.
Doch welche Verdienste werden geehrt? Leider existiert keine verbindliche Übereinkunft in den zentralen Themen von Coaching, z.B.:
- Was genau ist und beinhaltet Hilfe zur Selbsthilfe?
- Welche Bedeutung hat der Prozess im Coaching?
- Was heißt es, konstruktivistisch zu denken und zu handeln?
- Warum wird Coaching als Beratung bezeichnet?
So bleiben dann bei näherem Hinsehen auf die Kriterien zur Preisvergabe Zweifel. Entweder sie sind überhaupt nicht vorhanden oder entstammen der Deutung einer Zweckgemeinschaft.
Doch welchen Zweck verfolgen diese Preise, wenn sie nachgerade willkürlich verteilt werden (Auffällig oft an Mitglieder der ausrichtenden Zweckgemeinschaft)? Ich glaube, es ist nichts anderes als Marktschreierei. Eine Öffentlichkeit wird auf “besondere Verdienste” aufmerkasm gemacht, der Geehrte und vor allem die Preisverleiher stehen im Licht.
Ich finde Preise gut. Sie sind ein Feedback für Geleistetes. Wenn aber nicht klar ist, was konkret dafür geleistet werden muss, welches Menschenbild die Verleiher haben und ob nicht mehr Schaden als Nutzen mit der öffentlichen Meinung getrieben wird, dann kann meine Antwort nur NEIN lauten.
Was mich ehrlich verwundert ist die Einstellung der Preisverleiher gegenüber denen, die sie aufmerksam machen wollen.
Bei sportlichen Wettbewerben stehen die Regeln nicht nur der Jury, sondern auch der Öffentlichkeit zur Verfügung. Wäre die Öffentlichkeit in der Anwendung dieser Regeln so erfahren wie die Preisrichter, käme sie zu einer vergleichbaren Bewertung.
Bei Coaching-Preisen wird das der Öffentlichkeit nicht zugetraut. Ohne verfügbaren Maßstab haben diese Preise keine Legitimation. Da der Maßstab der Verleiher oftmals nicht oder nur ungenügend zur Verfügung steht, frage ich mich, was es hier zu verbergen gilt. Bisweilen liegt wohl nichts anderes vor, als eine Manipulation des Marktes zugunsten der Verleiher.
Ich habe mir übrigens auch gerade einen Preis verliehen. Jetzt muss ich nur noch ein Logo dafür haben und kann´s dann auf unsere Internetseite stellen. Gewinner des “Excellence awards der Hamburger Schule 1st class” Das wär doch was. Beeindruckt?
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1.9.2009 von Axel Janßen.
Nun stelle ich mir vor, ich wäre Kunde. Habe gehört, dass Coaching dabei helfen soll, (wieder) erfolgreich zu sein und spiele mit dem Gedanken mir einen Coach zu leisten. Zufällig kommt mir eine kostenlose online Zeitschrift in die Hände in der die “Coaches selbst schreiben”. Auch Speaker sind mit von der Partie. Ansprechendes Layout. Wer über Coaching schreibt sollte ja etwas davon verstehen.
Coaching ist Hilfe zur Selbsthilfe. Das habe ich als Kunde schon mal gehört. Psychologie ist auch dabei. Und am Ende bin ich dann “erfolgreich”. Wenn ich allein aufgrund dieses Erfahrungshintergrundes die Artikel bewerte, so bin ich hilflos. Ratschläge, Ratschläge und noch mehr Ratschläge. Coaches sind wohl doch Berater für Glückseeligkeit. Selbst die Ratschläge der Artikel sind von der Stange. Aus der Person heraus geschrieben. Gänzlich ohne Bezug zur Wirklichkeit anderer. Eine rosarote “win-win-Ethik” weht über die Themen und legt eine kindliche Aura über diese letzte Insel der Glückseeligkeit.
Beraten kann scheinbar jeder. Doch auch von einem Berater erwarte ich Sachverstand. Warum sich die Autoren dann noch Coach nennen werde ich wohl nie verstehen.
Manchmal maile ich den Autoren und stelle eine Frage zu ihrem Verständnis von Coaching. Eine Antwort erhalte ich selten. Doch das liegt wohl an mir. Um es in der Sprache der Autoren zu formulieren: Ich habe mir die Erlaubnis zum Nachdenken erteilt.
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13.8.2009 von Axel Janßen.
Habe ich einen Diamanten in mir, den der Coach nur zu bergen braucht, damit ich zu vollem Glanz erstrahle?
Mein Coaching bringt ihr Potenzial zum Vorschein.
Wozu brauche ich das?
Jede der werblichen Behauptung einer Coacherin löste jüngst in mir mehr Verwunderung als Bewunderung für die sympathische Person aus. Ihre gesamte Körpersprache unterstrich das, woran sie glaubte. Die Stimmung schwankte, als ich das automatische “Du” nicht annahm. Die Frage, was sie denn unter Potenzial verstehe, ist nachwievor unbeantwortet und wird es wohl auch bleiben.
Wer ein wenig Freude an Verwirrung hat, der stelle einfach einem Potenzial Coach dieselbe Frage. Ich habe das Gefühl, Coachs möchten nur zu gern aus dem Saulus einen Paulus machen.
Vereinfacht gesagt, ist Potenzial das Vermögen, etwas Bestimmtes zu können bzw. erreichen zu können. Voraussetzungen dafür sind eine “gewisse Form der intellektuellen Belastbarkeit” (Das Konzept der mulitiplen Intelligenzen nach Gardner liefert hier gute Hinweise zum Nachdenken, die eigenen Antriebe und Werte, Methoden und Mittel, (motorische Fähigkeiten) und ein Kontext, der als so attraktiv empfunden wird, dass sich Potenzial überhaupt entfalten kann.
Ein Unternehmen will, dass sich die Investition in eine Führungskraft rentiert. Psychometrische Testverfahren bewerten zuvor definierte Leistungsmerkmale im Sinne der Anforderungen, die ein Unternehmen an die Führungskraft hat. Ein Unternehmen hat notwendigerweise eine sehr subjektive Sicht auf das Thema Potenzial. Der Potenzialträger eines Dax-Unternehmens wird sich höchstwahrscheinlich in einer Behörde nicht wohl fühlen. Adios Potenzial.
Die Gefahr liegt nun darin, dass Coachs, ähnlich wie o.a. Unternehmen, ein konkretes Bild von Potenzial - der Diamant - haben, es also bewerten. Natürlich muss das alles ganz positiv sein. Den Diamanten gibt es ja. Mir drängt sich der Verdacht auf, dass hier eher im Sinne von “positiver Verstärkung” gearbeitet wird, um einen Coachee zu haben, der genauso ist, wie man selbst, als dass der Begriff Potenzial auf eine seriöse Grundlage gestellt wird.
Der Coachee und nur der Coachee selbst ist in der Lage, sein Potenzial zu bewerten. Damit das klappt, macht ein Coach Reflexionsangebote. Dafür muss er leider Wissen über Potenzial haben.
Ich plädiere dafür, dass sich alle selbsternannten Glücksbringer einfach Trainer nennen oder Berater. Das ist dann wenigstens etwas zutreffender als “Coach”.
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