Archive für 2.3.2011

Das Ende der Qualität im Coaching, Teil 5 – die Verbände

Die Verbände
Der medienpräsente DBVC betont ausdrücklich, dass er unter Coaching Beratung versteht. Auch er schreibt in seiner Definition „Als ergebnis- und lösungsorientierte Beratungsform dient Coaching der Steigerung und dem Erhalt der Leistungsfähigkeit.“ Wer unter Coaching Beratung versteht, wird an den Begriff Qualität Kriterien anlegen, die die Qualität von Beratung messen. Doch was ist eigentlich eine Beratungsform? Gelten da andere Qualitätsanforderungen? Ist eine Beratungsform Einzel-, Team- oder Gruppenberatung? Oder eher zu verstehen als Beratung mit anschließender Hilfe bei der Umsetzung?
Der BDU empfiehlt als Beraterverband seinen Mitgliedern einen differenzierten Beratungsablauf, den er auch dokumentiert hat. Beratung ist Ausdruck einer Expertise, die der Beratende dem zu Beratenden in Bezug auf ein Thema zur Verfügung stellt. In der Regel wird mit Qualität die Qualität der Expertise (in Relation zu einer Idealqualität sowie der subjektiven Bewertung des Ergebnisses durch den Beratenen) verbunden mit der Einhaltung einer Beratungsstruktur verstanden. Da jeder Berater  das Problem der Umsetzung seiner Expertise kennt, wird dem Kunden bei der Umsetzung geholfen. Nun scheitern Projekte selten an der Technik, sondern am Menschen mit all seinen Emotionen. Was lag da näher als an die Beratung noch einen emotionalen Umsetzungsteil anzuhängen und das Coaching zu nennen? Es bleibt Beratung.
Das Verständnis teilen viele Verbände und der DBVC ist hier aufgrund des Bekanntheitsgrades erwähnenswert.
Eher NLP oder behaviouristisch orientierte Verbände verstehen unter Qualität meist, dass der Coachee
erfolgreiches Verhalten anderer nachahmen kann und auf jeden Fall Gewinner-Gewinner Lösungen produziert.
Therapeutisch orientierte Verbände fordern oft maximales tiefenpsychologisches Wissen des Coachs oder auch psychopathologisches Wissen. Augenscheinlich ist das, was ein Coach macht so gefährlich, dass nur ein ausgefeiltes diagnostisches know how den Coachee vorm Coach schützen kann. Qualität ist diagnostische Qualität. Der Coachee kann sich zwar selbst steuern, da er offiziell ja nicht krank ist, doch besser ist es, davon erst einmal nicht auszugehen. Qualitätsgrundlage können nur diagnostische Kataloge sein (z.B. ICD 10). Der Coach muss erkennen können, ob es eine Krankheit ist oder nicht. Denn ohne Zulassung darf er keine Krankheiten heilen.
Nebenbei bemerkt: Ein Verband muss nicht zwangsläufig über eine Expertise in Bezug auf Coachausbildungen verfügen. Der Verband sind viele Mitglieder, die sich in der Regel unterschiedlichster Coachingverständniswelten bedienen. Doch jeder Verband fühlt sich berufen dazu etwas zu sagen. Irgendwie hat man sich auf 150h Ausbildung geeinigt. Was eine Ausbildung konkret leisten soll und wie Qualität nachvollziehbar bzw. legitimiert gemessen wird, beantworten die Verbände nicht. Von persönlich zum Ausbildungsabschluss erscheinenden Gutachtern des Verbandes bis hin zur Anerkennung aller Ausbildungsteilnehmer durch den Verband in dem die Ausbildungseinrichtung Mitglied ist, reicht das Spektrum.
Letzen Endes orientiert sich jeder Verband dann doch an den Interessen seiner Mitglieder und wird in der Regel kein Qualitätsverständnis entwickeln, das innerhalb des Verbandes zu Konflikten führt.
Qualitätssiegel von Verbänden haben nur einen Effekt – der Kunde von Coaching glaubt, dass jemand anderes sich über Qualität Gedanken gemacht hat und gibt vielleicht dem Coach mit Verbandssiegel in der Auswahl den Vorzug.
Da es mittlerweile eine Unzahl von Siegeln gibt, die alle suggerieren sollen „hier ist Qualität“ (bestes Beispiel hier wieder die QCA, die 2 farblich unterschiedliche Siegel herausgibt je nachdem wie viel Stunden die Ausbildung hat) und die alle auf ganz unterschiedlichen Qualitätsverständnissen beruhen, ist die Verbandszene zur Beliebigkeit verkommen und  kein Auswahlmerkmal für Qualität eines Coachs oder die Qualität einer Ausbildung. Vielleicht ist die Bezeichnung Werbegemeinschaften geeigneter?
Sichtbar für  Internetnutzer ist, dass es bei den Verbänden z.T. „Premium-Profile“ für Coachs gibt, die dafür Geld bezahlen. Ebenso kosten bestimmte Funktionen zur bessseren werblichen Darstellung  extra.
Im Verband zu sein heißt, die Mitgliedschaft und das Siegel werblich alleine oder auf der Verbandsplattform zu nutzen. Wer noch mehr bezahlt erhält Extrawerbefunktionen. So ist das in der Wirtschaft.

Die Vielzahl der Verbände (gegenwärtig 28 nach eigener Zählung. Vgl. auch die websites von C.Rauen) sind ein Spiegelbild dessen, was unter Coaching verstanden wird oder verstanden werden soll. Ein Grundlagenmaßstab für Qualität ist für mich nicht zu erkennen.

|