Archive für März 2011

Das Ende der Qualität im Coaching, Teil 7 – die Ausbildungsinstitute

Die Ausbildungsinstitute
Hier muss zunächst die Frage gestellt werden „Was ist eine Ausbildung?“ Ausgebildet ist der Coach dann, wenn er keine weitere Ausbildung, Weiterbildung oder weitere Seminare benötigt: Er also nach der Ausbildung coachen kann.
Das heißt nicht, dass ein ausgebildeter Coach auf Weiterbildung verzichtet. Auch er sollte aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, die seine Ausbildung noch nicht berücksichtigen konnte,  aufnehmen, prüfen und ggf. in seinen Coachingansatz integrieren. Ist nach der „Coach-Ausbildung“ noch eine „Master-Coach-Ausbildung“ im Angebot, so liegt die Vermutung nahe, dass der Coach wohl doch noch nicht coachen kann.
Ein Institut wird nur das ausbilden, was es selbst unter Coaching versteht. Was dann ausgebildet wurde kann in der Qualität nur vom Ausbildungsinstitut selbst bewertet werden. Ein Teilnehmer hat in der Regel weder eine Messlatte für curriculare Qualität, noch kann er bewerten, ob das, was er lernt richtig im Sinne von Coaching ist. Er glaubt zunächst einmal seinen Ausbildern. Und wenn die sagen „win-win ist wichtig im Coaching“, dann haben sie wohl recht. Wenn ein  Teilnehmer zwei verschiedene Ausbildungen bei unterschiedlichen Anbietern gemacht hätte, könnte er durch Wahrnehmung des Unterschieds immerhin zu einer Meinung gelangen. Ansonsten übernimmt er das Qualitätsverständnis seiner Ausbilder, die er ausgesucht hat in dem guten Glauben, dass das schon paßt.

Die Hoffnung, dass es den Verbänden gelingt, Qualität zu definieren und so auch die Qualität der Ausbildung zu kontrollieren, vielleicht sogar zu garantieren, ist verflogen. Wenn in ein und demselben Verband NLPler, Transaktionsanalytiker, Supervisoren, usw. als Ausbildungsinstitut Mitglied sind, wird die Ausprägung von Qualität immer nur auf einer sehr abstrakten Ebene erfolgen - einer Ebene auf der sich alle einig sind. Beispiel „Coaching ist keine Therapie“ „Coaching ist Hilfe zur Selbsthilfe“ , „Coaching ist Beratung auf Prozessebene“.
Mitgliedsinstituten wird meistens lediglich abverlangt, dass die Betreiber bestimmte Häkchen-Merkmale wie Alter, Studium, Dauer der Coachausbildung, Bekenntnis zur Ethik usw. erfüllen.
Ein Haken hinter einem Merkmal ist keine Qualitätsaussage, sondern nur ein formales Kriterium, das eigentlich keinen Beitrag zu Qualität leisten kann. Formale Merkmale beruhen auf der Annahme, dass damit bestimmte intellektuelle und kulturelle Voraussetzungen einhergehen. Es muss aber nicht so sein.
Eine solche Abgrenzung ist identitätsstiftend und für ein Institut aus diesem Grunde notwendig. Auch ein Verband hat in der Regel diese Einsicht. Die Mitgliedschaft eines Ausbildungsinstitutes in einem Verband sagt also lediglich, dass bestimmte Formalien erfüllt wurden.
Wodurch sich die Formalien legitimieren bleibt oft ein Rätsel.

Der Lösungsalgorithmus und die Jauchegrube

… ach ja, sympathisch ist er mir der Karl Theodor.

Er tritt immer so klar und orientiert auf. Kann emotional - hängt natürlich mit seine Stimmlage und dem Sprechduktus zusammen - uns ohne anzuschauen die Aura der Freundschaft und des guten Familienmitglieds vermitteln. Bei Persil heißt es: da weiss man was man hat. Und bei Karl Theodor zu Guttenberg ” da weiss man was man kriegt”.Und was kriegen wir? In entscheidenden Situationen stimmt die erste Entscheidung nicht bei ihm:

- Schneiderhahn und der Staatsekretär

- das Entscheidungsdesaster um Oberst Klein

- die Suspendierung des Kapitäns der Gorch Fock

und nun seine Einlassungen zu seiner Promotion.

Was in der öffentlichen Diskussion beobachtet werden kann . ist, dass jedwede Argumentation geleitet ist von Interessen. Interessen die sich aus den Motiven und Bedürfnissen der Personen ergeben. Ob Frau Merkel, ob die CSU, ob die Opposition, ob die Damen und Heren aus der Wissenschaft ob “angeekelte” Ministerkollgen und Parlamentspräsidenten ob……..

Keiner fragt aber nach  dem Interesse der Position “Verteidigungsminister”. Diese Frage würde ein nach der Hamburger Schule ausgebildeter Coach stellen. Die Position “Verteidigungsminister” hätte den Anspruch, daß nur diejenige Person geeignet ist, der “politisch denken und systemisch handeln” kann. Der Handeln auf der Basis von wirksamen Ressourcen orientiert. Und eine “Analyse potentieller Probleme” mit einem überarbeiteten Handlungsplan wäre auch entstanden.

Wer ein starkes Anerkennungsmotiv hat und die Anerkennung in seiner Umwelt sucht und nicht in sich, wird erst handeln und dann a l l e s  über- und durchdenken, um zu einer weiteren Entscheidung zu kommen. Assoziiert nennt der Kundige es. Wer seine Interessen in einem “öffentlichen Amt” realisiert, muss scheitern. Die Interessen des Amt wollen realisiert werden.

Insofern ist es gut, Karl Theodor in sein Kloster “Besinne Dich” zu schicken, um in ein paar Jahren nach zu sehen, ob er für eine TOP-Führungsaufgabe gereift ist oder nicht.

Ich denke nicht. Solange er im Wertesystem seines Kontextes verharrt, wird er sich nicht ändern. (Ich möchte nicht, das Herr zu Guttenberg im Ernstfall -militärische Auseinandersetzung- die oberste Befehlsgewalt hat.)  Denn durch wen könnte so eine Erkenntnis bekommen? Na klar: durch einen ausgebildeten Systemischen Management Coach(SMC)® auf der Basis der Hamburger Schule. Wer differenzierte Lösungsalgorithmen hat, landet halt nicht in der Jauchegrube.

Das Ende der Qualität im Coaching, Teil 6 – die Forschung

Die Forschung
Neben der der Hamburger Schule gibt es noch die FCG Forschungsstelle Coach Gutachten an der Helmut Schmidt Universität in Hamburg. Werden die dort veröffentlichten Gutachten gelesen, so scheint für den Betreiber Tiefenpsychologie (was auch immer das genau ist)  ein wichtiges Thema im Zusammenhang mit Qualität zu sein. Wie  das genau bewertet wird und wodurch der Maßstab für Coaching der FCG wissenschaftlich legitimiert ist, ist dem Autor dieses blogbeitrags, der selbst dort begutachtet wurde, völlig unklar.
Allgemein ist in der Forschung weder ein einheitliches Coachingverständnis zu identifizieren noch Strukturen, die eine Differenzierung des Themas erlauben. Die Forscher erforschen, was sie glauben unter Coaching zu verstehen.

Die Hamburger Schule beschreibt alle Zusammenhänge Ihres theoriebasierenden Coachingverständnisses und macht  sich damit vergleichbar oder auch erforschbar.

Das Ende der Qualität im Coaching, Teil 5 – die Verbände

Die Verbände
Der medienpräsente DBVC betont ausdrücklich, dass er unter Coaching Beratung versteht. Auch er schreibt in seiner Definition „Als ergebnis- und lösungsorientierte Beratungsform dient Coaching der Steigerung und dem Erhalt der Leistungsfähigkeit.“ Wer unter Coaching Beratung versteht, wird an den Begriff Qualität Kriterien anlegen, die die Qualität von Beratung messen. Doch was ist eigentlich eine Beratungsform? Gelten da andere Qualitätsanforderungen? Ist eine Beratungsform Einzel-, Team- oder Gruppenberatung? Oder eher zu verstehen als Beratung mit anschließender Hilfe bei der Umsetzung?
Der BDU empfiehlt als Beraterverband seinen Mitgliedern einen differenzierten Beratungsablauf, den er auch dokumentiert hat. Beratung ist Ausdruck einer Expertise, die der Beratende dem zu Beratenden in Bezug auf ein Thema zur Verfügung stellt. In der Regel wird mit Qualität die Qualität der Expertise (in Relation zu einer Idealqualität sowie der subjektiven Bewertung des Ergebnisses durch den Beratenen) verbunden mit der Einhaltung einer Beratungsstruktur verstanden. Da jeder Berater  das Problem der Umsetzung seiner Expertise kennt, wird dem Kunden bei der Umsetzung geholfen. Nun scheitern Projekte selten an der Technik, sondern am Menschen mit all seinen Emotionen. Was lag da näher als an die Beratung noch einen emotionalen Umsetzungsteil anzuhängen und das Coaching zu nennen? Es bleibt Beratung.
Das Verständnis teilen viele Verbände und der DBVC ist hier aufgrund des Bekanntheitsgrades erwähnenswert.
Eher NLP oder behaviouristisch orientierte Verbände verstehen unter Qualität meist, dass der Coachee
erfolgreiches Verhalten anderer nachahmen kann und auf jeden Fall Gewinner-Gewinner Lösungen produziert.
Therapeutisch orientierte Verbände fordern oft maximales tiefenpsychologisches Wissen des Coachs oder auch psychopathologisches Wissen. Augenscheinlich ist das, was ein Coach macht so gefährlich, dass nur ein ausgefeiltes diagnostisches know how den Coachee vorm Coach schützen kann. Qualität ist diagnostische Qualität. Der Coachee kann sich zwar selbst steuern, da er offiziell ja nicht krank ist, doch besser ist es, davon erst einmal nicht auszugehen. Qualitätsgrundlage können nur diagnostische Kataloge sein (z.B. ICD 10). Der Coach muss erkennen können, ob es eine Krankheit ist oder nicht. Denn ohne Zulassung darf er keine Krankheiten heilen.
Nebenbei bemerkt: Ein Verband muss nicht zwangsläufig über eine Expertise in Bezug auf Coachausbildungen verfügen. Der Verband sind viele Mitglieder, die sich in der Regel unterschiedlichster Coachingverständniswelten bedienen. Doch jeder Verband fühlt sich berufen dazu etwas zu sagen. Irgendwie hat man sich auf 150h Ausbildung geeinigt. Was eine Ausbildung konkret leisten soll und wie Qualität nachvollziehbar bzw. legitimiert gemessen wird, beantworten die Verbände nicht. Von persönlich zum Ausbildungsabschluss erscheinenden Gutachtern des Verbandes bis hin zur Anerkennung aller Ausbildungsteilnehmer durch den Verband in dem die Ausbildungseinrichtung Mitglied ist, reicht das Spektrum.
Letzen Endes orientiert sich jeder Verband dann doch an den Interessen seiner Mitglieder und wird in der Regel kein Qualitätsverständnis entwickeln, das innerhalb des Verbandes zu Konflikten führt.
Qualitätssiegel von Verbänden haben nur einen Effekt – der Kunde von Coaching glaubt, dass jemand anderes sich über Qualität Gedanken gemacht hat und gibt vielleicht dem Coach mit Verbandssiegel in der Auswahl den Vorzug.
Da es mittlerweile eine Unzahl von Siegeln gibt, die alle suggerieren sollen „hier ist Qualität“ (bestes Beispiel hier wieder die QCA, die 2 farblich unterschiedliche Siegel herausgibt je nachdem wie viel Stunden die Ausbildung hat) und die alle auf ganz unterschiedlichen Qualitätsverständnissen beruhen, ist die Verbandszene zur Beliebigkeit verkommen und  kein Auswahlmerkmal für Qualität eines Coachs oder die Qualität einer Ausbildung. Vielleicht ist die Bezeichnung Werbegemeinschaften geeigneter?
Sichtbar für  Internetnutzer ist, dass es bei den Verbänden z.T. „Premium-Profile“ für Coachs gibt, die dafür Geld bezahlen. Ebenso kosten bestimmte Funktionen zur bessseren werblichen Darstellung  extra.
Im Verband zu sein heißt, die Mitgliedschaft und das Siegel werblich alleine oder auf der Verbandsplattform zu nutzen. Wer noch mehr bezahlt erhält Extrawerbefunktionen. So ist das in der Wirtschaft.

Die Vielzahl der Verbände (gegenwärtig 28 nach eigener Zählung. Vgl. auch die websites von C.Rauen) sind ein Spiegelbild dessen, was unter Coaching verstanden wird oder verstanden werden soll. Ein Grundlagenmaßstab für Qualität ist für mich nicht zu erkennen.

Das Ende der Qualität im Coaching, Teil 4 – die Supervisoren

Supervisoren
Bevor der Hype Coaching einsetzte waren Supervisoren meist in Non Profit Organisationen unterwegs und stellten aus Ihrer Perspektive Abweichungen von einem möglichen Ideal fest. Diese Abweichungen wurden mit den Betroffenen diskutiert und Änderungen initiiert. Dafür waren die Supervisoren gut ausgebildet – sie hatten einen Maßstab. Seit einigen Jahren beanspruchen die Supervisoren auch das Thema Coaching für sich. Entweder als Coach selbst oder aber als Supervisor für Coachs (siehe Beitrag Dr. Meier Allmachtsphantasien). Um einen Coach zu supervidieren benötigt der Supervisor ein konkretes Verständnis von Coaching bzw. des zu supervidierenden Coachingansatzes. Nur so können beobachtete Abweichungen auch begründet werden. Gegenwärtig ist es modern zu schreiben „der Coach wird supervidiert“. Das Qualitätsverständnis eines Supervisors beruht grundsätzlich auf dem Coachingverständnis des Supervisors.

|