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Der Coach als Weltverbesserer

Dieser Eintrag stammt von Axel Janßen Am 23.2.2011 @ 16:20 In Allgemein | Keine Kommentare

Die QCA (Qualitätsgemeinschaft Coach Ausbildungen) hat „Minimale ethische Sollens-Grundsätze für Coaches“ festgelegt.
Lesenswert ist der Sollens-Grundsatz Nr. 14:

„Coaches sind zum einen ehrbare „Kaufleute“, die wirtschaftlichen Erfolg anstreben. Zum anderen sehen sie sich in einer besonderen Verantwortlichkeit für diese Welt. Das Ziel ihrer Arbeit ist es nicht ausschließlich Geld zu verdienen – da Geld kein Ziel sondern nur ein Mittel ist. Stattdessen dienen sie mit ihrer Arbeit drei Zielen: Mehr Frieden, mehr Wohlergehen, mehr Entfaltungsmöglichkeiten zu ermöglichen – für die Klienten, ihr soziales Umfeld, für den Coach selbst (…)“

Ein Coach, der sich diesem Gedanken verpflichtet fühlt, muss demzufolge im Coaching darauf achten, dass es

a)      Für  ihn selbst im Coaching darum geht, sein eigenes Wohlergehen sicher zu stellen. Er sich im Coaching selbst ausreichend entfalten kann und er vielleicht mehr Frieden für sich und alle anderen auf dieser Welt erreicht.
Der Coach ist in einer „besonderen Verantwortlichkeit für diese Welt.“ Der Coachee selbst oder sein Unternehmen kaufen demnach einen Dienstleister, der durch seinen ethischen Bezug, eigene Ziele verfolgt, für deren Realisierung ein Kunde bezahlt.

b)      Für die Klienten im Coaching darum geht, Ihr Coachingthema so zu bearbeiten, dass damit auch ein Beitrag zum „Frieden“ einhergeht, dass es immer um das Wohlergehen und die Entfaltungsmöglichkeiten seines  gesamten sozialen Umfeldes geht (dazu gehört auch der Coach).
Wie auch immer die Begriffe „Wohlergehen“ und „Entfaltungsmöglichkeiten“ gedeutet werden – Für den Klienten bedeutet es, dass er nicht die Freiheit hat, Lösungen zu entwickeln, die diesen beiden Begriffen entgegenstehen. Er wird gezwungen, bei jeder Entwicklung das zu berücksichtigen und sein Coach achtet ethisch verpflichtet darauf.
Trifft der Coachee z.B. im Coaching die Entscheidung, sein Unternehmen in´ s Ausland zu verlagern, so muss er Wohlergehen und Entfaltungsmöglichkeiten seiner Deutschen Mitarbeiter im Auge haben (sofern sie zu seinem sozialen Umfeld zählen), gleichzeitig aber auch die Mitarbeiter im Ausland. Es sei denn, er zählt sie dann nicht zu seinem sozialen Umfeld. Doch vielleicht ist es ein Beitrag für den Frieden.

c)       Für das soziale Umfeld, auch wenn es selbst im Coaching nicht anwesend ist, Frieden bedeutet, das Wohlergehen und Entfaltungsmöglichkeiten sicher gestellt sind. Auch wenn nicht das gesamte Umfeld im Zusammenhang mit dem Coaching Thema steht.

Eine harte Aufgabe, die dieser Coach hat, wenn er seiner besonderen Verantwortlichkeit für diese Welt nachkommen will. Dazu hat er sich ja verpflichtet.

Wie kann nun ein solches Coaching aussehen?
Der Coach wird zunächst für sich festlegen, was er selbst unter „Verantwortlichkeit für diese Welt“, „Wohlergehen“  und „Entfaltungsmöglichkeiten“  und „Frieden“ versteht. Mit dieser Mission macht er sich auf in´s Coaching. Vor Augen vielleicht die Vision einer besseren Welt. Sein Klient hat vielleicht ein Thema, dass er selbst als „Zeitmanagement“ bezeichnet. Nun lässt sich Zeit nicht managen – jeder managed sich selbst. Der QCA Ideologie zufolge muss der Klient in seinem Selbstmanagement grundsätzlich den Frieden, das Wohlergehen aller, die ihm bekannt sind und deren Entfaltungsmöglichkeiten im Blick haben … und natürlich sein eigenes (und darf seinen Coach auch nicht vergessen).
Doch der Klient hat einen Arbeitsvertrag und Familie. War es vorher schon schwer genug, die eigenen Ressourcen mit den kontextbezogenen Anforderungen in Einklang zu bringen, so ist es nach dem Coaching vielleicht unmöglich.
Die Anforderungen des Kontextes, der aus Sicht des Klienten zu seinem Thema gehört, steigen um Frieden, sowie Entfaltungsmöglichkeiten und Wohlergehen für alle (einschl. Coach).

Was hat der Klient (Coachee) davon? Was hat das Unternehmen davon, das das Coaching bezahlt?

Oder wird hier von Weltverbesserern Wertverzehr auf hohem Niveau betrieben?

Eine Auseinandersetzung mit dem Kontext und den Folgen beabsichtigter Handlungen in Bezug auf den Kontext ist auch nach der Hamburger Schule, die Coaching grundsätzlich als systemisch versteht, integraler Bestandteil der Coachingprozesses. Doch legt der Coachee selbst fest, wer und was mit seinem Thema zusammenhängt und ob mögliche systemische Folgen für ihn selbst oder andere attraktiv sind oder nicht.


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