Archive für Februar 2011

Das Ende der Qualität im Coaching, Teil 3 – die Coachpersonen

Die Coachpersonen
In ihrer Selbstvermarktung haben die Coachs einen erheblichen Beitrag zur allgemeinen Verwirrung geleistet – das Bindestrich-Coaching (z.B. Potenzial-Coach, Männer-Coach, Ermöglichungs-Coach). Nur Coach nennt sich keiner. „Me too Produkte“ sind unerwünscht. Auch der Business-Coach setzt einen Akzent auf seine Spezialisierung, um sich für seinen Markt hübsch zu machen. Qualität ist das, was der Coach selber unter dem, was er macht, versteht. Meistens wird Qualität mit Kundenzufriedenheit gleich gesetzt. Wer heilt hat Recht und hat auch Qualität.

Das Ende der Qualität im Coaching, Teil 2 – das Unternehmen

Das Unternehmen
Ein Unternehmen setzt sich mit der Zukunft auseinander und will ein betriebswirtschaftliches Überleben (Produktivität, Liquidität, Wirtschaftlichkeit)oder ein betriebswirtschaftliche Verbesserung sicherstellen. Der Mensch selbst, manchmal als Produktionsfaktor gesehen, ist Teil des Humankapitals des Unternehmens, das den gegenwärtigen oder zukünftigen Anforderungen seines Marktes gerecht werden muss. Es gilt, dieses Kapital zu erhalten und zu entwickeln. Coaching wird deswegen bezahlt, weil das Unternehmen glaubt, eben das damit zu erreichen. Dafür ist das Unternehmen bereit, Geld zu investieren. Abhängig davon, welches Menschenbild bzw. welche Werte ein Unternehmen hat, wird es unter Coaching auch Training oder Beratung ggf. Therapie verstehen wollen.
Qualität wird (noch) subjektiv als Beitrag zur Erhaltung der Humankapitalrendite verstanden.
Organisationen oder NGOs unterliegen denselben betriebswirtschaftlichen Bedingungen mit dem kleinen Unterschied, dass sie Wertschöpfung in Bezug auf ein Thema betreiben.

Das Ende der Qualität im Coaching, Teil 1 – der Coachee

Sicherlich werden wir rasch im Duden oder bei wikipedia fündig, wenn wir eine Definition für das Wort “Qualität” suchen. Doch wer stellt Ansprüche an das Thema Qualität und beeinflusst die Deutung?

Der Endkunde (Coachee)
Vielleicht ist der Endkunde das eigentliche Problem. Informiert durch eine mediale Beliebigkeit baut er Erwartungen an das Thema auf.
Jeder Mensch will für sich erfolgreich sein. Wie er selbst Erfolg versteht und in welchen Kontexten er sich verändern möchte, legt er selbst fest. Wird nun versprochen, dass Coaching
- „eine Maßnahme zur Leistungssteigerung ist“, erwartet er subjektiv als Qualität, dass er seine Leistung (in Bezug auf was?) gesteigert hat.
- neue Impulse für mehr Erfolg im … gibt, erwartet er, dass sein Coach ihm aus seiner Sicht zu etwas anregt. Die Qualität liegt in der subjektiven Bewertung der „Impulse“ durch den Coachee.
- das unentdeckte Potenzial entfacht oder entfesselt, erwartet er, im Coaching durch den Coach etwas zu erfahren, was er über sich selbst nicht weiß und es anschließend nutzen kann. Die Qualität liegt im subjektiv wahrgenommenen Unterschied zwischen dem Zustand vor dem Coaching und dem Zustand nach dem Coaching. Gibt es einen Erkenntnisgewinn und kann ich diese Erkenntnisse zu meinem Vorteil nutzen (Vorsicht für QCA-Coachs: An den Frieden denken).
- professionelle Beratung, Begleitung und Unterstützung von Menschen in Unternehmen ist (auf Prozessebene), erwartet er, (dass eine Hausfrau nicht gecoacht werden kann) dass der Coach ihm Ratschläge gibt, wie er sein Thema bearbeiten soll (kann). Gleichzeitig wird er in der Umsetzung der Veränderung vom Coach aktiv unterstützt und begleitet (so lange es dauert). Die Qualität liegt subjektiv in der Beurteilung der fachlichen Expertise des Coachs und in der Kongruenz des erreichten Ergebnisses in Relation zum Aufwand und zur Erwartung.
- Hilfe zur Selbsthilfe ist, erwartet der Coachee, dass der Coach ihn dabei unterstützt, sich zukünftig ohne Coach (selbst) reparieren zu können.
Anmerkung: Früher gab es eine Buchreihe zur Autoreparatur für verschiedene Modelle, die „Jetzt helfe ich mir selbst“ hieß.
Die Qualität liegt in der subjektiven Bewertung „kann ich das jetzt?“

Allgemein wird ein Coachee den Unterschied zwischen vor dem Coaching und nach dem Coaching emotional bewerten. Er fragt sich “entspricht das, was jetzt anders ist als vor dem Coaching meinen Erwartungen?”

Der Coach als Weltverbesserer

Die QCA (Qualitätsgemeinschaft Coach Ausbildungen) hat „Minimale ethische Sollens-Grundsätze für Coaches“ festgelegt.
Lesenswert ist der Sollens-Grundsatz Nr. 14:

„Coaches sind zum einen ehrbare „Kaufleute“, die wirtschaftlichen Erfolg anstreben. Zum anderen sehen sie sich in einer besonderen Verantwortlichkeit für diese Welt. Das Ziel ihrer Arbeit ist es nicht ausschließlich Geld zu verdienen – da Geld kein Ziel sondern nur ein Mittel ist. Stattdessen dienen sie mit ihrer Arbeit drei Zielen: Mehr Frieden, mehr Wohlergehen, mehr Entfaltungsmöglichkeiten zu ermöglichen – für die Klienten, ihr soziales Umfeld, für den Coach selbst (…)“

Ein Coach, der sich diesem Gedanken verpflichtet fühlt, muss demzufolge im Coaching darauf achten, dass es

a)      Für  ihn selbst im Coaching darum geht, sein eigenes Wohlergehen sicher zu stellen. Er sich im Coaching selbst ausreichend entfalten kann und er vielleicht mehr Frieden für sich und alle anderen auf dieser Welt erreicht.
Der Coach ist in einer „besonderen Verantwortlichkeit für diese Welt.“ Der Coachee selbst oder sein Unternehmen kaufen demnach einen Dienstleister, der durch seinen ethischen Bezug, eigene Ziele verfolgt, für deren Realisierung ein Kunde bezahlt.

b)      Für die Klienten im Coaching darum geht, Ihr Coachingthema so zu bearbeiten, dass damit auch ein Beitrag zum „Frieden“ einhergeht, dass es immer um das Wohlergehen und die Entfaltungsmöglichkeiten seines  gesamten sozialen Umfeldes geht (dazu gehört auch der Coach).
Wie auch immer die Begriffe „Wohlergehen“ und „Entfaltungsmöglichkeiten“ gedeutet werden – Für den Klienten bedeutet es, dass er nicht die Freiheit hat, Lösungen zu entwickeln, die diesen beiden Begriffen entgegenstehen. Er wird gezwungen, bei jeder Entwicklung das zu berücksichtigen und sein Coach achtet ethisch verpflichtet darauf.
Trifft der Coachee z.B. im Coaching die Entscheidung, sein Unternehmen in´ s Ausland zu verlagern, so muss er Wohlergehen und Entfaltungsmöglichkeiten seiner Deutschen Mitarbeiter im Auge haben (sofern sie zu seinem sozialen Umfeld zählen), gleichzeitig aber auch die Mitarbeiter im Ausland. Es sei denn, er zählt sie dann nicht zu seinem sozialen Umfeld. Doch vielleicht ist es ein Beitrag für den Frieden.

c)       Für das soziale Umfeld, auch wenn es selbst im Coaching nicht anwesend ist, Frieden bedeutet, das Wohlergehen und Entfaltungsmöglichkeiten sicher gestellt sind. Auch wenn nicht das gesamte Umfeld im Zusammenhang mit dem Coaching Thema steht.

Eine harte Aufgabe, die dieser Coach hat, wenn er seiner besonderen Verantwortlichkeit für diese Welt nachkommen will. Dazu hat er sich ja verpflichtet.

Wie kann nun ein solches Coaching aussehen?
Der Coach wird zunächst für sich festlegen, was er selbst unter „Verantwortlichkeit für diese Welt“, „Wohlergehen“  und „Entfaltungsmöglichkeiten“  und „Frieden“ versteht. Mit dieser Mission macht er sich auf in´s Coaching. Vor Augen vielleicht die Vision einer besseren Welt. Sein Klient hat vielleicht ein Thema, dass er selbst als „Zeitmanagement“ bezeichnet. Nun lässt sich Zeit nicht managen – jeder managed sich selbst. Der QCA Ideologie zufolge muss der Klient in seinem Selbstmanagement grundsätzlich den Frieden, das Wohlergehen aller, die ihm bekannt sind und deren Entfaltungsmöglichkeiten im Blick haben … und natürlich sein eigenes (und darf seinen Coach auch nicht vergessen).
Doch der Klient hat einen Arbeitsvertrag und Familie. War es vorher schon schwer genug, die eigenen Ressourcen mit den kontextbezogenen Anforderungen in Einklang zu bringen, so ist es nach dem Coaching vielleicht unmöglich.
Die Anforderungen des Kontextes, der aus Sicht des Klienten zu seinem Thema gehört, steigen um Frieden, sowie Entfaltungsmöglichkeiten und Wohlergehen für alle (einschl. Coach).

Was hat der Klient (Coachee) davon? Was hat das Unternehmen davon, das das Coaching bezahlt?

Oder wird hier von Weltverbesserern Wertverzehr auf hohem Niveau betrieben?

Eine Auseinandersetzung mit dem Kontext und den Folgen beabsichtigter Handlungen in Bezug auf den Kontext ist auch nach der Hamburger Schule, die Coaching grundsätzlich als systemisch versteht, integraler Bestandteil der Coachingprozesses. Doch legt der Coachee selbst fest, wer und was mit seinem Thema zusammenhängt und ob mögliche systemische Folgen für ihn selbst oder andere attraktiv sind oder nicht.

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