Archive für Oktober 2010

Coachingschulen

Die Frage “was ist eine Coachingschule”, ist wohl nicht ganz einfach zu beantworten, da wir keinen verbindlichen Maßstab dafür haben. Keinen verbindlichen Maßstab für “was ist Coaching” und keinen gültigen Maßstab was ist in diesem Zusammenhang “eine Schule” ist. Die Schulen der Coachs sind nicht staatlich, geschweige denn eine wissenschaftliche Einrichtung.

 

Hinzu kommt, dass wir in Deutschland eine große Anzahl von Coachausbildungen und Coachausbildnern aber auch eine kleinere Anzahl von Zertifizierungen von Coachs haben. Dies macht es uns schwer, Überblick zu behalten oder zu bekommen.

 

Dies sollte uns aber auch nicht irritieren oder verstören, können wir doch Merkmale identifizieren, die uns in die Lage versetzen, Orientierung für Merkmale einer Coachingschule zu bekommen.

 

Coachingschulen sind zunächst Einrichtungen oder Lehr- / Lernkonstrukte, in denen Coaching gelehrt und gelernt wird. Dies kann in einer Einrichtung mit mehreren Lehrern aber auch mit einer Lehrkraft geschehen. Es kann ein Lehrer einen oder mehrere Schüler haben und ein oder mehrere Schüler können ein oder mehrere Lehrer haben. Wohl wissend, dass die Lehrer wiederum in einer Schule ausgebildet wurden oder nach einer Schule unterrichten. Möglicherweise sind es aber auch selbsternannte Coachinglehrer. Hinzu kommt, dass es keine Aussagen darüber gibt, ob die Lehrer lehren gelernt haben — und wenn ja, nach welchen Maßstäben.

 

Je nach Betrachtung kann als Schule sowohl eine öffentliche als auch private Anstalt verstanden werden, in deren Räumen themenspezifischer Unterricht den Lernenden durch Lehrende vermittelt wird.

Öffentliche Coachingschulen erkennen wir in Studiengängen an Fach- und Hochschulen. Beispiele: Die Internationale Hochschule Calw bietet einen Masterstudiengang „Innovative Veränderungprozesse — Coaching und Systementwicklung” an. Die Universität Hannover z.B., bietet ein Kontaktstudium Coaching an. So finden sich in der deutschen Hochschullandschaft vielfältige Angebote. Einen eigenen Lehrstuhl für Coaching gibt es bisher nicht an deutschen Hochschulen.

Private Coachingschulen sind Einrichtungen des Privatrechts als Personengesellschaft oder Kapitalgesellschaft. Nach den Recherchen von Christopher Rauen gibt mehr als 300 Coachausbildungen in Deutschland. Nur ein geringer Teil dieser Anbieter von Coachausbildungen sind in Coachingverbänden organisiert.

Interessanterweise empfinden sich die Verbände nicht als „Oberschulen”. Zwar geben sie allgemeine Rahmenbedingungen für die Mitgliedschaft als Coachausbildungsinstitut, aber diese beschränken sich in der Regel auf quantitative Ordnungsmerkmale und sehr allgemeine (abstrakte und damit interpretationsfähige) Hinweise was Coaching sein könnte.

 

Unter Schule wird aber auch der Zusammenschluss Gleichgesinnter verstanden, die eine spezifische Auffasung der Interpretation eines Themas haben.

 

Schulen sind auch Einrichtungen, in denen im Geiste vorangegangener Generationen oder Einzelpersönlichkeiten bestimmte Einsichten, Regularien und Werte gelebt und an „Schüler” weitervermittelt werden.

Dies gilt besonders für Schüler oder Anhänger bekannter Persönlichkeiten wie Bandler, de Shazer … usw.

 

So gesehen sind Coachingschulen zu betrachten als Horte und Orte in denen spezifisches Coachingverständnis vermittelt, gelehrt und weiterentwickelt wird. Zu Ende gedacht, bedeutet es aber auch, dass die Schulen öffentliches Interesse am Thema Coaching nicht beachten oder berücksichtigen müssen.

 

Coachingschulen in Deutschland unterscheiden sich nach ihrer Wirkungserwartung, so genannte Coachingansätze. Dazu zählen Ausprägungen, wie:

 

thematische Grundierung, wie Coachausbildung auf der Basis der Transaktionsanalyse, Coachausbildung auf der Basis des NLP

werteorientiertes Coachverhalten, wie systemisch-konstruktivistisches Coaching,

anlassbezogene Coachingthemen, wie Kopfschmerzcoaching, Mentalcoaching, Bewerbungscoaching, Präsentationscoaching

nach einzelformatbezogenem Coaching, wie z.B. wingave-Coaching, Entspannungscoaching, Sprechcoaching.

 

Zusammenfassend kann gesagt werden: Coachingschulen haben wir in Deutschland — wenn überhaupt — sehr wenige. Wenn wir die Idee der Schule aus anderen Bereichen transferieren, wie „Das Bauhaus”  — eine Richtung des architektonischen Verständnisses und daraus abgeleitete Baumuster. Oder ein musikalisches Klangbild wie das der „Wiener Philharmoniker” oder das der „Berliner Philharmoniker” um daraus musikalische Interpretationsmuster abzuleiten, können in diesem Verständnis nur wenige Einrichtungen als Coachingschulen betrachtet werden.

 

Es sind die Anerkennung und Wiedererkennung des Verständnisses bzw. inhaltlich reproduktionsfähige  Anwendungen, die eine „Schule” zur „Schule” machen. Aber  auch die überprüfbare und legitimierende Grundlage der Wirkungserwartung und dem damit verbundenen Coachingansatz des Coachingverständnisses.

 

Überprüfbare und legitimierende Grundlagen gibt es objektiv nur im Kontext wissenschaftlicher Erkenntnis. Diese Erkenntnisse basieren auf Modellen, Theorien sowie Axiomen und Theoremen.

 

Wer sich umschaut auf den Homepages und Internetdarstellungen von Coachausbildungsanbieter, wird zu seinem Erstaunen feststellen, dass in der Regel Coachausbildungen diesen Anforderungen nicht gerecht werden.

 

Die Frage aller Fragen des Artikels lautet also: „Wer in Deutschland ist überhaupt eine Coachingschule?”

Antwort:

Coachingverständnis nach der Erklärungssystematik der Hamburger Schule. Theorie vom Selbstorganisierten Coaching. Also hier.

 

|