Mit einem jüngst im Coaching Newsletter von Christopher Rauen veröffentlichten 5 Punkte Konzept steigt der Deutsche Bundesverband Coaching, DBVC in´s Rennen um Qualität im Coaching ein. Das Konzept soll als Orientierungshilfe für Coaching Nutzer zur Auswahl seriöser Angebote dienen.
Nun werde ich nicht gleich hinterfragen, ob diese 5 Punkte ein Konzept sind. Doch ist jeder Punkt interessant, einmal beleuchtet zu werden. Denn Coaching-Nutzer sind Kunden und die gilt es ja für sich einzunehmen - durch Qualität selbstverständlich.
“- Der Coach führt einen ordentlichen Geschäftsbetrieb mit entsprechend ausgestatteten Räumen und einem transparenten Angebot. Das Konzept und die Methodik des Coachs sind öffentlich nachvollziehbar, frei von Ideologie und entsprechen wissenschaftlichen Standards.”
Ein ordentlicher Geschäftsbetrieb ist für einen Marktteilnehmer selbstverständlich. Was genau entsprechend ausgestattete Räume sind ist unklar. Ein Coach, der nach der Hamburger Schule praktiziert, nutzt in der Regel einen Raum für 2 Personen, der ca. 30qm groß ist, reichlich Tageslicht ermöglicht und über einen Moderatorenkoffer, mindestens 3 Pinnwände und mindestens 1 Flpchart verfügt. Die Methodik ist auf der Referenzseite hamburger-schule.net öffentlich einsehbar und nachvollziehbar. Nun kann es ja möglich sein, dass das Wort Methodik gänzlich unterschiedlich interpretiert wird… als Pädagoge sehe ich es vielleicht anders. Doch auch allgemein als Gesamtheit wissenschaftlicher Methoden verstanden sehe ich bisher nur die Hamburger Schule, die diese Forderung konsequent umsetzt. Auch für eine Methodik ist es unverzichtbar, zu formulieren, was denn Coaching erreichen will.
Eine Ideologie ist eine Meinung oder auch Weltanschauung. Am Begriff ist an sich nicht Böses. Sobald Coaching mit Werten verbunden wird, was durch die Ethik auch im DBVC getan wurde und innerhalb dieses Konzepts wiederrum geschehen ist, ist es eine Ideologie. Frei von Ideologie sind die Sachverständigen nicht. Zu einer Ideologie sollte nicht gezwungen werden. Vieleicht soll es so verstanden werden. Die Hamburger Schule ist konsequent werteorientiert - der Wert Freiheit und der Wert Freiwilligkeit verhindern jeden Missbrauch.
Was denn nun wissenschaftliche Standards sind bedarf auch an dieser Stelle einer Erläuterung. Ist damit eine wissenschaftliche Herleitbarkeit verbunden, so kann sich die Hamburger Schule beruhigt zurücklehnen. Doch wie ist das eigentlich mit der NLP-Fraktion?
“- Ein Coaching-Vertrag wird freiwillig geschlossen und beinhaltet alle Rahmenbedingungen, wie beispielsweise den zeitlichen Umfang der Leistung, Ziele, Kosten, Ergebnisüberprüfung, und ist jederzeit von beiden Parteien kündbar.”
Nun befürworte ich es unbedingt, dass ein Vertrag freiwillig geschlossen wird und Ansprüche beider Parteien einvernehmlich regelt. Warum jedoch “Ziele” und “Ergebnisüberprüfung” darin vorkommen sollen ist mir schleierhaft. Daran ist also ein seriöses Angebot zu erkennen. Der Vertrag ist rechtlich gesehen ein Dienstvertrag. Geschuldet wird vom Dienstverpflichteten die Leistung, jedoch nicht der Erfolg. Enthält ein Vertrag die geforderten Komponenten, so besteht die Gefahr, dass die Sachverständigen hier einem Menschenbild folgen, dass auch mit Beratung nicht zu verbinden ist. Die hier aufgestellten Kriterien legen nahe, dass die Verständigen einen Werkvertrag fordern. Ein Abgrenzungskriterium für das Vorliegen eines Werkvertrages ist die genaue Spezifizierung des Werkes bzw. der Leistung (z.B. Aussehen, Funktion). Die Abgrenzung des Dienstvertrages zum Werkvertrag erfolgt über die Prüfung, ob vertraglich ein Erfolg geschuldet ist. Solltemit Ziel und Ergebnisüberprüfung genau das gemeint sein, so wird ein Coach seinen Coachee zum Ergebnis coachen. Wenn das ein seriöses Angebot ist, erschreckt es mich. Coaching im Sinne der Hamburger Schule ist grundsätzlich ergebnisoffen.
“- Der ehrbare Coach behandelt alle Informationen streng vertraulich, bewahrt dabei eine unabhängige, neutrale Position, arbeitet ausdrücklich im Sinne einer Allparteilichkeit und setzt die zur Verfügung stehenden Ressourcen in einem effektiven Kosten-Zeit-Methoden-Verhältnis ein.”
Selbstverständlich sind anvertraute Informationen streng vertraulich zu behandeln. Dieser Aspekt wird entweder vertraglich und/oder ethisch geregelt. Dabei eine unabhängige, neutrale Position zu bewhren ist nun keine Herausforderung. Doch was heißt es dann auch noch im Sinne einer Allparteilichkeit zu arbeiten. Dieser aus der Mediation bekannte Begriff beinhaltet, dass der Coach sich nicht durch eine Partei instrumentalisieren läßt. Er ist für alle Parteien gleichermaßen da. So wird er gerne die Interessen des Unternehmens, das den Coach als verlängerten Arm der Führung fordert und des Coachee, der “Hilfe zur Selbsthilfe” will folgen. Die Werteorientierung der Hamburger Schule schafft hier eine bessere Entscheiungsgrundlage für den Coach. Oder heißt es, dass seriöse Angebotevon Coachs kommen, die unter jeder Bedingung arbeiten solange sie allparteilich sind? Das ist der ehrbare Coach?
Wenn ich über wenig Ressourcen verfüge, so kann ich das Wenige sicherlich effektiv einsetzen. Ein schlecht ausgebildeter Coach wird das sicherlich können. Effektiv in Bezug worauf? Die Anleihe am bekannten Zusammenhang ZEIT/KOSTEN/QUALITÄT bei der das Wort Qualität durch Methoden ausgetauscht wurde beeindruckt. Was heißt das eigentlich? Wenn ich 8h Zeit im Coaching habe und der Kunde 1600,00 Euro zahlt - wieviele Methoden bekommt er dann? Oder bedeutet es, wenige Methoden benötigen wenig Zeit und verursachen dadurch wenig Kosten? Was ist nur effektiv? Als Kunde wäre ich jetzt verloren. Ein seriöses Angebot berücksichtigt das also.
“- Der Coach hat eine fachlich ausgewiesene und anerkannte Ausbildung und legt seinen Leistungsnachweis offen. Er nutzt Qualitätssicherungsmethoden und reflektiert seine Arbeit in regelmäßiger Supervision.”
Der DBVC erkennt Ausbildungen an. Was nun fachlich ausgewiesen ist, ist unklar. Meine Schwester erkennt meine Ausbildung übrigens auch an. Welche Aussage in einem Leistungsnachweis steckt, der dann ja offengelegt ist, würde nur Sinn machen, wenn ein Verfahren genutzt wird, das Kompetenz überprüft, ähnlich dem Verfahren zur Zertifizierung des dvct. Was genau sind Qualitätssicherungsmethoden? Es sind wiederholbare Abfolgen mit dem Ziel, definierte Qualitätsmerkmale zu messen und zu bewerten. Wird dieses 5 Punkte Konzept angewandt, so dürfte das schwierig werde.Welchen Qualitätsmasstab ein Supervisor nutzt, der ja (eigentlich) kein Coach ist, bleibt weiterhin rätselhaft. Solange das oft genug gefordert wird bleibts wohl irgendwo hängen zumindest in der Verbandslandschaft. Wenn ein Coach sich selbst bewerten kann, so wie es die Hamburger Schule sieht, so benötigt er keinen Supervisor. Kann er eine notwendige Veränderung nicht selbst herbeiführen, so läßt er sich caochen. Oder vertrauen die Autoren von “Kriterien” dem Coaching nicht?
- Die Coaching-Arbeit ist unvoreingenommen und im Grundsatz ergebnisoffen, orientiert sich am Kundennutzen und behält darüber hinaus das Gemeinwohl im Blick. Einzig die Klienten bestimmen und verantworten ihr Erkennen, Entscheiden und Handeln ebenso wie ihr Nicht-Handeln.”
Nun steht hier, dass Coaching ergebnisoffen ist. Oben wird das Ergebnis aber in seiner Überprüfung zum Teil des Vertrages. Wer bestimmt, was der Kundennutzen ist? Ist er finanzieller oder ideeller Art? Oder ist es die nachhaltige Selbtlernkonzeption wie es die Hamburger Schule formuliert? Oder ist es so, dass der Coach entscheidet, welchen Nutzen der Coachee hat? Letzteres ist hochautoritär. Klar, dass Coaching dann als Beratung verstanden wird.
Das Gemeinwohl - interessante Formulierung. Also verantwortet der Coach, dass sein Coachee nur Ergebnisse produziert, die immer das Gemeinwohl, was immer das auch ist, im Blick haben? Worauf bezieht sich der Begriff?Darf sich ein Coachee dann als Erkenntnis aus dem Coaching nicht dazu entscheiden nach Brasilien auszuwandern? Schließlich geht dem Gemeinwohl ein Steuerzahler verloren?
“Einzig die Klienten bestimmen und verantworten ihr Erkennen, Entscheiden und Handeln ebenso wie ihr Nicht-Handeln”
Demnach brauche ich das Gemeinwohl nun doch nicht?
Bitte bewerten Sie die Orientierungshilfe zum Erkennen seriöser Coach-Angebote auf einer Skala von 1-10 wobei ….
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