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25.3.2010 von Axel Janßen.
Mit einem jüngst im Coaching Newsletter von Christopher Rauen veröffentlichten 5 Punkte Konzept steigt der Deutsche Bundesverband Coaching, DBVC in´s Rennen um Qualität im Coaching ein. Das Konzept soll als Orientierungshilfe für Coaching Nutzer zur Auswahl seriöser Angebote dienen.
Nun werde ich nicht gleich hinterfragen, ob diese 5 Punkte ein Konzept sind. Doch ist jeder Punkt interessant, einmal beleuchtet zu werden. Denn Coaching-Nutzer sind Kunden und die gilt es ja für sich einzunehmen - durch Qualität selbstverständlich.
“- Der Coach führt einen ordentlichen Geschäftsbetrieb mit entsprechend ausgestatteten Räumen und einem transparenten Angebot. Das Konzept und die Methodik des Coachs sind öffentlich nachvollziehbar, frei von Ideologie und entsprechen wissenschaftlichen Standards.”
Ein ordentlicher Geschäftsbetrieb ist für einen Marktteilnehmer selbstverständlich. Was genau entsprechend ausgestattete Räume sind ist unklar. Ein Coach, der nach der Hamburger Schule praktiziert, nutzt in der Regel einen Raum für 2 Personen, der ca. 30qm groß ist, reichlich Tageslicht ermöglicht und über einen Moderatorenkoffer, mindestens 3 Pinnwände und mindestens 1 Flpchart verfügt. Die Methodik ist auf der Referenzseite hamburger-schule.net öffentlich einsehbar und nachvollziehbar. Nun kann es ja möglich sein, dass das Wort Methodik gänzlich unterschiedlich interpretiert wird… als Pädagoge sehe ich es vielleicht anders. Doch auch allgemein als Gesamtheit wissenschaftlicher Methoden verstanden sehe ich bisher nur die Hamburger Schule, die diese Forderung konsequent umsetzt. Auch für eine Methodik ist es unverzichtbar, zu formulieren, was denn Coaching erreichen will.
Eine Ideologie ist eine Meinung oder auch Weltanschauung. Am Begriff ist an sich nicht Böses. Sobald Coaching mit Werten verbunden wird, was durch die Ethik auch im DBVC getan wurde und innerhalb dieses Konzepts wiederrum geschehen ist, ist es eine Ideologie. Frei von Ideologie sind die Sachverständigen nicht. Zu einer Ideologie sollte nicht gezwungen werden. Vieleicht soll es so verstanden werden. Die Hamburger Schule ist konsequent werteorientiert - der Wert Freiheit und der Wert Freiwilligkeit verhindern jeden Missbrauch.
Was denn nun wissenschaftliche Standards sind bedarf auch an dieser Stelle einer Erläuterung. Ist damit eine wissenschaftliche Herleitbarkeit verbunden, so kann sich die Hamburger Schule beruhigt zurücklehnen. Doch wie ist das eigentlich mit der NLP-Fraktion?
“- Ein Coaching-Vertrag wird freiwillig geschlossen und beinhaltet alle Rahmenbedingungen, wie beispielsweise den zeitlichen Umfang der Leistung, Ziele, Kosten, Ergebnisüberprüfung, und ist jederzeit von beiden Parteien kündbar.”
Nun befürworte ich es unbedingt, dass ein Vertrag freiwillig geschlossen wird und Ansprüche beider Parteien einvernehmlich regelt. Warum jedoch “Ziele” und “Ergebnisüberprüfung” darin vorkommen sollen ist mir schleierhaft. Daran ist also ein seriöses Angebot zu erkennen. Der Vertrag ist rechtlich gesehen ein Dienstvertrag. Geschuldet wird vom Dienstverpflichteten die Leistung, jedoch nicht der Erfolg. Enthält ein Vertrag die geforderten Komponenten, so besteht die Gefahr, dass die Sachverständigen hier einem Menschenbild folgen, dass auch mit Beratung nicht zu verbinden ist. Die hier aufgestellten Kriterien legen nahe, dass die Verständigen einen Werkvertrag fordern. Ein Abgrenzungskriterium für das Vorliegen eines Werkvertrages ist die genaue Spezifizierung des Werkes bzw. der Leistung (z.B. Aussehen, Funktion). Die Abgrenzung des Dienstvertrages zum Werkvertrag erfolgt über die Prüfung, ob vertraglich ein Erfolg geschuldet ist. Solltemit Ziel und Ergebnisüberprüfung genau das gemeint sein, so wird ein Coach seinen Coachee zum Ergebnis coachen. Wenn das ein seriöses Angebot ist, erschreckt es mich. Coaching im Sinne der Hamburger Schule ist grundsätzlich ergebnisoffen.
“- Der ehrbare Coach behandelt alle Informationen streng vertraulich, bewahrt dabei eine unabhängige, neutrale Position, arbeitet ausdrücklich im Sinne einer Allparteilichkeit und setzt die zur Verfügung stehenden Ressourcen in einem effektiven Kosten-Zeit-Methoden-Verhältnis ein.”
Selbstverständlich sind anvertraute Informationen streng vertraulich zu behandeln. Dieser Aspekt wird entweder vertraglich und/oder ethisch geregelt. Dabei eine unabhängige, neutrale Position zu bewhren ist nun keine Herausforderung. Doch was heißt es dann auch noch im Sinne einer Allparteilichkeit zu arbeiten. Dieser aus der Mediation bekannte Begriff beinhaltet, dass der Coach sich nicht durch eine Partei instrumentalisieren läßt. Er ist für alle Parteien gleichermaßen da. So wird er gerne die Interessen des Unternehmens, das den Coach als verlängerten Arm der Führung fordert und des Coachee, der “Hilfe zur Selbsthilfe” will folgen. Die Werteorientierung der Hamburger Schule schafft hier eine bessere Entscheiungsgrundlage für den Coach. Oder heißt es, dass seriöse Angebotevon Coachs kommen, die unter jeder Bedingung arbeiten solange sie allparteilich sind? Das ist der ehrbare Coach?
Wenn ich über wenig Ressourcen verfüge, so kann ich das Wenige sicherlich effektiv einsetzen. Ein schlecht ausgebildeter Coach wird das sicherlich können. Effektiv in Bezug worauf? Die Anleihe am bekannten Zusammenhang ZEIT/KOSTEN/QUALITÄT bei der das Wort Qualität durch Methoden ausgetauscht wurde beeindruckt. Was heißt das eigentlich? Wenn ich 8h Zeit im Coaching habe und der Kunde 1600,00 Euro zahlt - wieviele Methoden bekommt er dann? Oder bedeutet es, wenige Methoden benötigen wenig Zeit und verursachen dadurch wenig Kosten? Was ist nur effektiv? Als Kunde wäre ich jetzt verloren. Ein seriöses Angebot berücksichtigt das also.
“- Der Coach hat eine fachlich ausgewiesene und anerkannte Ausbildung und legt seinen Leistungsnachweis offen. Er nutzt Qualitätssicherungsmethoden und reflektiert seine Arbeit in regelmäßiger Supervision.”
Der DBVC erkennt Ausbildungen an. Was nun fachlich ausgewiesen ist, ist unklar. Meine Schwester erkennt meine Ausbildung übrigens auch an. Welche Aussage in einem Leistungsnachweis steckt, der dann ja offengelegt ist, würde nur Sinn machen, wenn ein Verfahren genutzt wird, das Kompetenz überprüft, ähnlich dem Verfahren zur Zertifizierung des dvct. Was genau sind Qualitätssicherungsmethoden? Es sind wiederholbare Abfolgen mit dem Ziel, definierte Qualitätsmerkmale zu messen und zu bewerten. Wird dieses 5 Punkte Konzept angewandt, so dürfte das schwierig werde.Welchen Qualitätsmasstab ein Supervisor nutzt, der ja (eigentlich) kein Coach ist, bleibt weiterhin rätselhaft. Solange das oft genug gefordert wird bleibts wohl irgendwo hängen zumindest in der Verbandslandschaft. Wenn ein Coach sich selbst bewerten kann, so wie es die Hamburger Schule sieht, so benötigt er keinen Supervisor. Kann er eine notwendige Veränderung nicht selbst herbeiführen, so läßt er sich caochen. Oder vertrauen die Autoren von “Kriterien” dem Coaching nicht?
- Die Coaching-Arbeit ist unvoreingenommen und im Grundsatz ergebnisoffen, orientiert sich am Kundennutzen und behält darüber hinaus das Gemeinwohl im Blick. Einzig die Klienten bestimmen und verantworten ihr Erkennen, Entscheiden und Handeln ebenso wie ihr Nicht-Handeln.”
Nun steht hier, dass Coaching ergebnisoffen ist. Oben wird das Ergebnis aber in seiner Überprüfung zum Teil des Vertrages. Wer bestimmt, was der Kundennutzen ist? Ist er finanzieller oder ideeller Art? Oder ist es die nachhaltige Selbtlernkonzeption wie es die Hamburger Schule formuliert? Oder ist es so, dass der Coach entscheidet, welchen Nutzen der Coachee hat? Letzteres ist hochautoritär. Klar, dass Coaching dann als Beratung verstanden wird.
Das Gemeinwohl - interessante Formulierung. Also verantwortet der Coach, dass sein Coachee nur Ergebnisse produziert, die immer das Gemeinwohl, was immer das auch ist, im Blick haben? Worauf bezieht sich der Begriff?Darf sich ein Coachee dann als Erkenntnis aus dem Coaching nicht dazu entscheiden nach Brasilien auszuwandern? Schließlich geht dem Gemeinwohl ein Steuerzahler verloren?
“Einzig die Klienten bestimmen und verantworten ihr Erkennen, Entscheiden und Handeln ebenso wie ihr Nicht-Handeln”
Demnach brauche ich das Gemeinwohl nun doch nicht?
Bitte bewerten Sie die Orientierungshilfe zum Erkennen seriöser Coach-Angebote auf einer Skala von 1-10 wobei ….
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15.3.2010 von Dr. Meier.
Im Netz finde ich folgende Erklärungen für Prozess:
- Prozess heißt das streitige Verfahren vor einem Gericht, das durch eine Klage (im Falle des Strafprozesses durch eine Anklage) eingeleitet wird und darauf zielt, die Situation durch eine verbindliche Entscheidung (ein Gerichtsurtei oder einen Gerichtsbeschlus) zu klären.
- Ein Geschäftsprozess beschreibt eine Folge von Einzeltätigkeiten, die schrittweise ausgeführt werden, um ein geschäftliches oder betriebliches Ziel zu erreichen.
- Ein Prozess erläutert den Fluss und die Transformation von Material, Informationen, Operationen und Entscheidungen.[1] Eine Spaltung in Teilprozesse, die sich wiederum in Schritte und Aktivitäten gliedern, ist möglich.
- Lange beschäftigte sich die Betriebswirtschaftslehre ausschließlich mit der Gestaltung der Aufbauorganisation. Dies führte zu einer Entfremdung vom Kunden sowie zu mangelnderFlexibilitä und Schlagkraft am Markt und damit verbundenen Wettbewerbsnachteilen. Deshalb kam es zu einer Fokussierung auf die Qualität im Unternehmen, so dass die Prozessorientierung an Bedeutung gewann. Erste Arbeiten zu diesem Thema wurden 1932 von Fritz Nordsieck, 1960 von Erich Kosiol und in den 80ern von Michael Gaitanides und August-Wilhelm Scheer veröffentlicht. Grundlage für die hier entworfenen Modelle hat Adam Smith bereits 1776 mit An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations gelegt.
- Scheer beschreibt einen Prozess als eine Abfolge von Ereignissen und Funktionen. Dabei ist ein Ereignis der Auslöser für eine Funktion oder auch Tätigkeit.
- Fritz Nordsieck weist in folgendem Zitat auf die Notwendigkeit einer an Prozessen ausgerichteten Unternehmensgestaltung hin:
Der Betrieb ist in Wirklichkeit ein fortwährender Prozess, eine ununterbrochene Leistungsktte. […] anzustreben ist in jedem Fall eine klare Prozessgliederung.“ (Nordsieck: 1932). Nordsieck begründet damit zwar noch kein prozessorientiertes Konzept, bildet aber immerhin die gedankliche Grundlage, denn er erkennt einen abstrakten Betriebsprozess als Grundlage für die Strukturierung der Aufbauorganisation.
- Nach DIN 19226 Teil 1 wird ein Prozess definiert als „Gesamtheit von aufeinander einwirkenden Vorgängen in einem System, durch die Materie, Energie oder auch Information umgeformt, transportiert oder auch gespeichert wird“[1]
- Der Technische Prozess wird mithilfe von Einflussgrößen gesteuert und liefert und Ergebnisgrößen. Materie- Energie und Information fließt zu bzw. ab. [2]Folge logisch zusammenhängender Aktivitäten zur Erstellung einer Leistung oder Veränderung eines Objektes (Transformation) mit definiertem Anfang (Auslöser oder Input) und definiertem Ende (Ergebnis, Wert, Output) mit dem Hauptaugenmerk auf Wertzuwachs bzw. Wertschöpfung.
- Ein Prozess ist eine zusammengehörige Abfolge von Tätigkeiten zum Zweck einer Leistungserstellung. Innerhalb eines Prozesses werden Eingaben in Ergebnisse umgewandelt.
- Prozess (allg.:) Ablauf, Geschehen
- Prozess (Statistik) : Methode in der Statistik
- Die Methodologie (griechisch μεθοδολογία, etwa „Lehre über die Vorgehensweise“) ist die Lehre von den wissenschaftlichen Methoden.
WAS GILT DENN NUN IN UNSEREM COACHING - Hamburger Schule -?
..wenn dort vom Prozess gesprochen wird? Unsere Teilnehmer fragen auch immer wieder danach.
Wir verstehen unter Prozess im Coaching einen generell strukturierten Ablauf. Und verdichten unsere Sichtweise über den Prozess als eine Methode.
Methoden sind “richtige Abläufe” in einem Kontext. Wir ( www.hamburger-schule.net) definieren Methoden als themenspezifische Analyse- und Lösungsmuster, die ein “richtiges” Ablaufverfahren im Kontext definieren.
Unser Coachingprozess basiert auf den wissenschaftlich anerkannten Theorien: Selbstgesteuertes Lernen, Rubikonmodell nach Heckhausen. Kepner-Tregoe-Methode , Transfertheorien. Die Handhabung erfolgt auf Bais der Werte Freiheit, Feiwilligkeit, Ressourcenverfügung und Selbststeuerung, die konsequent zu beachten und einzuhalten sind.
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9.3.2010 von Axel Janßen.
Problem Nr. 1 - Die Ethik
In Berichten zum Thema Coaching wird periodisch auf das Verlangen des Marktes nach Normen, Standards, Werten und Qualität im Coaching gerufen. Der Ruf wird mit einem Interesse der Nachfrager an Orientiering erklärt.
Der verbandlich organisierte Teil der Coachingszene debattiert im roundtable der Coachingverbände zu dem der
BDP - Bund Dt. Psychologinnen und Psychologen, Sektion Coaching in Wirtschafts- und Organisationpsychologie
BDVT - Berufsverband für Trainer, Berater und Coaches
DBVC - Deutscher Bundesverband Coaching
DCV - Deutscher Coaching-Verband
DGSv - Deutsche Gesellschaft für Supervision
dvct - Deutscher Verband für Coaching und Training
EMCC - European Mentoring and Coaching Council
ICF - International Coaching Federation, Sektion Deutschland
QRC - Qualitätsring Coaching
SG - Systemische Gesellschaft
gehören.
Die Diskussion war bisher ergebnislos und wurde von der ICF erneut aufgenommen. Sie kündigte schon im Herbst vergangenen Jahres eine Initiative im Round Table der Coaching-Verbände an. Die Deutschen Verbände sollen sich ähnlich der britischen Verbände auf gemeinsame Standards einigen.
Die Briten hatten die Diskussion aufgenommen und sich verbandsübergreifend auf gemeinsame Professionswerte geeinigt. Das „Statement of Shared Professional Values“ enthält ein Meta- und sieben einzelne Prinzipien:
Mit einem Blick auf die Ethik der Hamburger Schule, die auch vom dvct verfolgt wird, erübrigt sich eine Diskussion der Ethik, da hohe Übereinstimmungen vorliegen. Historisch gesehen ist es vielleicht interessant, dass die Ethik der Hamburger Schule (www.hamburger-schule.net) bereits vor 3 Jahren dem roundtable vorgestellt wurde, sie aber gänzlich unberücksichtigt blieb.
Eines ist aber doch interessant daran:
“Klienten-Zentriertheit: Jeder Klient wird als kreativ, reich an Ressourcen und ganzheitlich wahrgenommen.Die Aufgabe des Coachs ist es, den Klienten in seiner Entwicklung zu unterstützen; zu diesem Ziel sind alle nötigen Hilfestellungen zu leisten.”
Heißt es, dem Coach ist ethisch erlaubt, wirklich alles zu tun solange es den Klienten in seiner Entwicklung unterstützt? Wie verträgt sich das mit dem Menschenbild des kreativen, reich an Ressourcen seienden Menschen? Wenn er doch so reich an Ressourcen ist, was machen dann Hilfestellungen im Coaching? Da muss doch dann eine Ressource fehlen, sonst würde er nicht alle nötigen Hilfestellungen bekommen.
Das Problem mit diesen ethischen Formulierungen ist, dass sich diese Formulierung dann eben nicht an Werten orientiert. Wenn ich dem Coachee zutraue, dass er alle Ressourcen für eine Veränderung in sich trägt, dann muss gefragt werden, was es bedeutet, einen Menschen in seiner Entwicklung zu unterstützen. Dieser Wert “Ressourcenverfügbarkeit”, den auch die Hamburger Schule verwendet, bedeutet, dass ich dem Coachee zutraue selbst sein Veränderungsthema zu erkennen, ein Ziel zu formulieren und eine Strategie abzuleiten. In der Konsequenz heißt das, dass ich ihm dann lediglich beim Denken helfen kann. Was nötig ist, darüber entscheidet der Coachee.
Besonders problematisch ist die Sicht auf das Wort “Entwicklung”. Wird es so verstanden, dass der Coach den Coachee entwickelt, was vermutlich der Fall ist, so wird der Wert Ressourcenverfügbarkeit nicht beachtet. Die britische Ethik widerspricht sich selbst und ist damit wohl irrelevant.
Die Hamburger Schule (www.hamburger-schule.net) definiert Werte als Orientierung für Verhalten. Eben das leistet eine Ethik. Sie ist ein Orientierungsrahmen für (ethisches) Verhalten derer, die sich dieser Ethik verpflichtet fühlen.
Eine Ethik leistet immer einen Beitrag zur Professionalität. Da sie jedoch nur den Rahmen zur Orientierung schafft, ist es dem Einzelnen überlassen, sich selbst zu organisieren. Sind die Werte der Ethik wenig trennscharf formuliert, so finden sich auch viele Phantasien für Verhalten wieder. Die Ethik der Briten ist so formuliert, dass hier jedweder Coachingansatz und jedwedes Verständnis von Coaching Platz hat. Politisch gesehen ist das wichtig, da alle Verbandsmitglieder sich in ihrer Heterogenität darin wiederfinden sollen. Und so kommt es, dass der derzeitige Stand der ethische Diskussion wirklich nur den kleinsten gemeinsamen Nenner aufgreift.
Ein Wert, der für die Hamburger Schule (www.hamburger-schule.net) von immenser Bedeutung ist, wird bewußt nicht diskutiert: FREIHEIT. Freiheit bedeutet, den Coachee selbst entscheiden zu lassen, was er verändern will und wie er es tut. Jede Form der Entwicklung aus Sicht des Coachs ist damit tabu. Nur der Coachee selbst kann sich diagnostizieren. Alles andere ist ein Eingriff in diese Freiheit. Und wenn ein Coach seinen Coachee diagnostiziert und ihm ein Veränderungsziel vorschlägt und ihn dahingehend entwickelt, so ist das autoritär und eben nicht an einem Wert Freiheit orientiert.
Mit wenigen Ausnahmen sind daher die meisten Coachinansätze autoritär. Ethische Entwürfe der Anhänger dieser Ansätze werden höchstwahrscheinlich nie einen Wert FREIHEIT definieren.
Ich glaube, den Coachingverbänden wird es nicht gelingen, sich auf ein freiheitliches Menschenbild zu einigen, das ja ganz gut aus dem Grundgesetz bekannt ist. Das Vorherrschen autoritärer Ansätze bei denen der Coach weiß, was gut für seinen Coachee (… die Entwicklung) ist, wird das zu verhindern wissen.
Dieser Wert würde eine Umorientierung bedeuten, eine Abkehr von Beratung. Und solange bekannte Verände wie der DBVC Coaching als Beratung definieren wird sich da wohl nichts ändern.
Da auf der ethischen Ebene das Menschenbild nicht definiert ist, kann eine Diskussion über Normen und Qualität auch nicht erfolgen. Es fehlt schlichtweg eine brauchbare ethische Grundlage. Professionswerte sind richtig - müssen aber Orientierung für professionelles Verhalten im Thema bieten auf Basis eines Menschenbildes. Freiheit ist ein Persönlichkeitsrecht. Für einen Coach bedeutet das, dass er sich in all seinem Tun daran zu orientieren hat.
Problem Nr. 2 - Die Definition
Nachwievor wird unter Coaching einerseits Beratung, andererseits “Hilfe zur Selbsthilfe” verstanden.
Über Beratung lohnt es sich nicht zu diskutieren. Wer unter Coaching Beratung versteht, der soll es so nennen, dann kann er sich an den vorhandenen Empfehlungen, z.B. des BDU orientieren. Was allerdings konkret unter “Hilfe zu Selbsthilfe” verstanden wird, gilt es zu definieren. Auch hier wird vielleicht deutlich, dass die Diskusssion vom Menschenbild nicht trennbar ist.
Wenn das geschehen ist, ist zu definieren, was ein Coachingansatz ist (nach Hamburger Schule: Wirkungserwartung an das Coaching) und dann kann induktiv geprüft werden, welche Ansätze dem was Coaching erreichen will, also dem Ziel des Themas, gerecht werden. Oder es wird deduktiv vorgegangen und aus dem Ziel der Ansatz abgeleitet. Zwangsläufig ergibt sich dann die Erkenntnis, was ein Prozess im Coaching leisten muss und wie Verantwortungen aufzuteilen sind.
Zukünftige Normen können lediglich den Coachingprozess untersuchen und ggf. normieren. Voraussetzung ist ein klares Verständnis von Coaching. Der Prozess ist Teil des wertegedeuteten Kontext, der sich Coaching nennt. Und wenn ein Wert FREIHEIT lautet, fällt Beratung damit schon einmal aus.
Das es in Deutschland eine DinNorm für Verhalten gibt, ist wohl eher unwahrscheinlich. Das wird eine Ethik leisten müssen. Bestandteil einer Ethik müssen immer die Persönlichkeitsrechte eines Menschen sein.
Und wenn das alles erledigt ist, kann es sein, dass so etwas wie die Hamburger Schule (www.hamburger-schule.net) dabei rauskommt.
Da zu viele Einzelinteressen sich im Thema Coaching vereinigen wollen, werden die Verbände das nicht schaffen, da sie sich dann Konflikten aussetzen und sich von Mitgliedern trennen müssen. Eine Einigung ist nur auf sehr hoher Abstraktionsebene möglich. Daraus kann sich Qualität jedoch schlecht entwickeln.
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