Es regnet Coaching-Preise

Ich wurde vor kurzem gefragt, ob ich an einer Preisverleihung teilnehmen möchte. Schließlich ist die Hamburger Schule sehr innovativ.

Ein Preis ist in der Regel mit einer Ehrung für besondere Verdienste in Bezug auf ein Thema verbunden. Auch der Preis in einem sportlichen Wettbewerb folgt dieser Idee. Der Sportler hat in seiner Disziplin, d.h. seinem Thema eine Platzierung innerhalbp eines Wettbewerbs errungen. Die Plätze 1-3 entsprechen einer Taxonomie der besonderen Verdiensten innerhalb dieses Wettbewerbs.

Was hat das nun alles mit Coaching zu tun? Ob nun auf “Conventions”, Personalmessen oder bei anderen Gelegenheiten, man wird nicht müde, Preise an alle zu verleihen, die irgendwie mit dem Thema Coaching zu tun haben oder zu tun haben könnten.
Doch welche Verdienste werden geehrt? Leider existiert keine verbindliche Übereinkunft in den zentralen Themen von Coaching, z.B.:
- Was genau ist und beinhaltet Hilfe zur Selbsthilfe?
- Welche Bedeutung hat der Prozess im Coaching?
- Was heißt es, konstruktivistisch zu denken und zu handeln?
- Warum wird Coaching als Beratung bezeichnet?

So bleiben dann bei näherem Hinsehen auf die Kriterien zur Preisvergabe Zweifel. Entweder sie sind überhaupt nicht vorhanden oder entstammen der Deutung einer Zweckgemeinschaft.

Doch welchen Zweck verfolgen diese Preise, wenn sie nachgerade willkürlich verteilt werden (Auffällig oft an Mitglieder der ausrichtenden Zweckgemeinschaft)? Ich glaube, es ist nichts anderes als Marktschreierei. Eine Öffentlichkeit wird auf “besondere Verdienste” aufmerkasm gemacht, der Geehrte und vor allem die Preisverleiher stehen im Licht.

Ich finde Preise gut. Sie sind ein Feedback für Geleistetes. Wenn aber nicht klar ist, was konkret dafür geleistet werden muss, welches Menschenbild die Verleiher haben und ob nicht mehr Schaden als Nutzen mit der öffentlichen Meinung getrieben wird, dann kann meine Antwort nur NEIN lauten.

Was mich ehrlich verwundert ist die Einstellung der Preisverleiher gegenüber denen, die sie aufmerksam machen wollen.
Bei sportlichen Wettbewerben stehen die Regeln nicht nur der Jury, sondern auch der Öffentlichkeit zur Verfügung. Wäre die Öffentlichkeit in der Anwendung dieser Regeln so erfahren wie die Preisrichter, käme sie zu einer vergleichbaren Bewertung.
Bei Coaching-Preisen wird das der Öffentlichkeit nicht zugetraut. Ohne verfügbaren Maßstab haben diese Preise keine Legitimation. Da der Maßstab der Verleiher oftmals nicht oder nur ungenügend zur Verfügung steht, frage ich mich, was es hier zu verbergen gilt. Bisweilen liegt wohl nichts anderes vor, als eine Manipulation des Marktes zugunsten der Verleiher.

Ich habe mir übrigens auch gerade einen Preis verliehen. Jetzt muss ich nur noch ein Logo dafür haben und kann´s dann auf unsere Internetseite stellen. Gewinner des “Excellence awards der Hamburger Schule 1st class” Das wär doch was. Beeindruckt?

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