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6.7.2009 von Axel Janßen.
Nun habe ich ein wenig recherchiert zum Thema “Prozesse” in der Welt von Psychologie und Therapie und bin dabei auf das Transtheoretische Modell, TTM (Prochaska & DiClemente, 1983; Prochaska, Velicer, DiClemente, & Fava, 1988) gestoßen (Nachdem andere Recherchen und Telefonate mit psychologischen Psychotherapeuten zur Definition von Prozess lediglich “das, was ein Patient durchlaufen muß, um Heilung zu erlangen” als Ergebnis brachten).
Wohlgemerkt geht es immer noch um das Thema “Beratung auf Prozessebene”. Das Modell wurde von mir ausgewählt, da es nach meiner Recherche (bisher) als Einziges sowohl den Begriff Prozess als auch Ebene (level) enthält. Im Sinne dieses blog-Beitrages wird es nicht vollständig behandelt.
Das Modell besteht aus drei Kerndimensionen: Prozesse (processes), Phasen (stages) und Ebenen (levels) der Veränderung.
Es postuliert 6 Stadien (stages) der (Verhaltens-)Veränderung, die es bei “problematischem Verhalten” zu durchlaufen gilt. Innerhalb dieses “Durchlaufens” gibt es wiederum 10 Prozesse (Processes of Change), 5 kognitiv-affektive Prozesse und 5 verhaltensorientierte Prozesse, die Menschen nutzen, um sich durch die Stadien zu bewegen.
Prozess im Sinne dieses Modells sind offene oder verdeckte Aktivitäten, in die Menschen sich einlassen, um Emotion, Denken, Verhalten oder Beziehungen zu bestimmten Problemen oder Verhaltensmustern zu ändern.
kognitiv-affektiv
• Steigerung des Problembewusstseins („Consciousness raising“)
• emotionale Entlastung („Catharsis/dramatic relief”), („Emotional arousal“)
• Neubewertung des Selbst („Self-reevaluation“)
• Neubewertung der persönlichen Umwelt („Environmental reevaluation“)
• Selbstbefreiung („Self-liberation“), Selbstverpflichtung („Commitment“)
• Soziale Befreiung („Social liberation“)
verhaltensorientiert
• Gegenkonditionierung („Counterconditioning“)
• Stimuluskontrolle/ Kontrolle der Umwelt („Stimulus control“)
• Wiederholt gleicher Umgang mit Möglichkeiten („Contingency management“), Selbstverstärkung („Reinforcement management“)
• Hilfreiche Beziehung („Helping relationship“)
Diese 10 “Prozesse” müssen (nacheinander) durchlaufen werden, um eine Verhaltensveränderung herbeizuführen.
Ein Prozess im psychologisch-therapeutischem Sinne beschreibt demnach, wie Menschen Veränderungen in Angriff nehmen, um selbstschädigendes Verhalten mit oder ohne professionelle Behandlung zu verändern.
Allgemein verstanden ist ein Prozess ein gerichteter (mit Prozessziel) Ablauf eines Geschehens. Prozesse im Sinne der Psychologie haben zwar Ablaufcharakter - im Sinne eines Ziels geht es jedoch darum, “selbstschädigendes Verhalten” in ein selbstförderliches Verhalten zu wandeln. Das Ziel eines Prozesses im Sinne der Psychologie beinhaltet demnach immer eine “Idealvorstellung” von selbstförderlichem Verhalten. Diese Idealvorstellung ist abhängig von der jeweiligen Persönlichkeitstheorie (oder stark vereinfacht: dem Menschenbild) der ein Psychologe folgt. Der bemerkenswerteste Unterschied liegt in dem, was verändert werden soll.
Wenn wir uns dem Begriffspaar “Beratung auf Prozessebene” weiter nähern, empfehle ich, zuerst zu fragen “welcher Schule” entstammt der Autor?” Eine Entlehnung von Begrifflichkeiten aus der Psychotherapie beinhaltet m.E. zwangsläufig eine “therapeutische Deutung”.
Ziehe ich den Bogen vereinfacht zum Thema Coaching, entsteht folgendes Bild: Der Berater als der “Profi” für den Prozeß (die Prozesse), macht eine Analyse und diagnostiziert, entsprechend seiner professionellen Einschätzung, (möglicherweise) eine Abweichung von “seiner” Idealvorstellung. Anschließend entwickelt er eine Vorstellung davon, welche Prozesse sein Coachee zu durchlaufen hat und berät seinen Coachee, wie diese Veränderung wohl am besten in Angriff zu nehmen ist.
DiePsychotherapie ist die Behandlung psychisch, emotional und psychosomatisch bedingter Krankheiten, Leidenszustände oder Verhaltensstörungen mit Hilfe verschiedener Formen verbaler und nonverbaler Kommunikation.Letzen Endes bleibt es “Therapie”. Besonders “prickelnd” ist dann auch die Sichtweise von Dr. Björn Migge, der in seinem Handbuch Coaching und Beratung nicht von Analyse sondern Anamnese spricht. Ein Krankenbild.
Näher betrachtet erfordert diese Vorgehensweise (neben psychologisch) fundierter Ausbildung eine ausgesprochen tragfähige Beziehungsebene. Da zwischen “Coach” und “Coachee” ein Konsens bestehen muss, dass das Ziel der Veränderung, das der “Coach” orientiert an seiner Idealvorstellung, formuliert, auch das Ziel des Coachees ist. Für mich ist der Mensch im Coaching gesund. Er ist von einem selbstschädigenden Verhalten weit entfernt.
Ein therapeutisch orientierter Coach müßte auf die Frage, “was will Coaching?” seine Idealvorstellung eines “selbstwirksamen” (gesunden) Menschen formulieren.Damit wiese er letztlich nach, dass er autoritär ist und unter Coaching demnach “Fremdführung” versteht. In den Hochglanzprospekten steht aber “Hilfe zur Selbsthilfe”.
Die Hamburger Schule verwendet bewußt keine Deutungen aus einem therapeutischem Verständnis heraus. Der Prozeß im Coaching wird hier als “teilautonomes Handlungslernen” verstanden mit dem Ziel einer nachhaltigen Selbstlernkonzeption.
Durch die Sichtweise von Coaching als empathisch-dramaturgischen Kontext ist auch der Prozeß grundsätzlich an die Werte von Coaching (Freiheit, Freiwilligkeit, Ressourcenverfügung und Selbststeuerung) gebunden. Wie alles, was in irgendeiner Form im Coaching statt findet, an diese Werte gebunden ist. Daraus ergibt sich auch das Menschenbild und vor allem wird durch den Coach keine Lösung angeboten. Weder durch eine Frage, noch durch einen Rat. Ein Coach im Sinne der Hamburger Schule macht Reflektionsangebote auf einer Abstraktionsebene. Die auf dieser Ebene durch den Coachee entdeckten Verhaltensalternativen werden (deduktiv) ebenfalls nur durch den Coachee in seine thematische Welt übertragen und überprüft. Es geht darum, dass der Coachee selbst seine Lösung findet. Diese Lösungen sind durch den Coachee selbst in andere Kontexte übertragbar. Der Coachee hat “gelernt”. Er kann sich selber (kontextübergreifend) in seinem Veränderungsanliegen erfolgreich steuern.
Fazit: Stützten sich die Analyse und das Vorgehen im Coaching rein auf o.a. Prozesse ab, so bleibt Coaching Therapie.
Bemerkung: An dieser Stelle kann ich die Psychologen verstehen, die ein abgeschlossenenes Psychologiestudium für Coachs fordern …. Coachs, die lediglich in beliebigen Methoden ausgebildet sind, haben nicht einmal die Ressourcen für eine Analyse zur Verfügung. Sie denken in einer Matrix “Bei Anliegen XY hole ich Tool 41 aus dem Koffer”. Das ist weitaus schlimmer als unter Coaching Therapie zu verstehen.
Abgesehen davon würde bei diesem Verständnis auch ein Psychologiestudium nicht reichen. Eine therapeutische Zusatzqualifikation ist hier auch vom Gesetzgeber vorgesehen. Noch sind die deutschen Gerichte nicht so weit, die Dienstleistung Coaching zu bewerten. Gelingt jedoch einmal der Nachweis, dass Laien therapeutisch arbeiten, so wird die Hamburger Schule in dieser Zeit hoffentlich nicht die “einzige Schule” sein, die das Zepter von Freiheit, Freiwilligkeit, Ressourcenverfügung und Selbststeuerung hochhält. Da werden viele Mitstreiter gebraucht.
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4.7.2009 von Dr. Meier.
Es gibt wirklich gut Einrichtungen - so z.B. das Internetnetzwerk “Xing”. Da gibt es viele Foren in dem “man” sich mit Gleichgesinnten treffen kann. Rumalbern, Frust abladen, Gedankenaustausch und ernsthaft diskutieren kann man und Vieles mehr - alles ist oder scheint möglich. Aber ich glaube gegen Dummheit, Arroganz und assoziale Werte und Verhaltensweisen kann wenig getan werden. In Xing gibt es ein Forum “Coaching”. Mittlerweile sind dort über 3.700 Mitglieder eingetragen, von der weit überwiegenden Zahl merkt man nichts, weil sie sich nicht durch Beiträge zu erkennen geben.Eine ernsthafte, differenzierte und am Thema Coaching orientierte Diskussion kann ich dort nicht führen. Selbstdarsteller, Besserwisser und schlicht dumme Menschen, die sich da zum Teil tummeln. Schade, daß sich so was Coach nennen darf.Ich könnte ja die Lust verlieren - tue ich nicht, dann bliebe mir nur Frust. Schöner ist es doch, wenn die Anderen Frust haben und ich Lust auf meine Missionarstätigkeit in Sachen Coaching nach den Erkenntnissen der Hamburger Schule fröne.
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