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Coaching und Prinzipien
Dieser Eintrag stammt von Axel Janßen Am 25.6.2009 @ 14:58 In Allgemein | Keine Kommentare
Cristopher Rauen nimmt in seinem Newsletter vom 23.06.09 das Thema “Prinzipien im Coaching” auf. Vorweg sei gesagt, dass mir die Quelle seines Vergleichs unklar ist. Sätze wie ” Nicht selten gestalten sich ethische Grundsätze auf einem eher trivialen Niveau, welches zudem häufig in sich widersprüchlich ist.” drücken aus, dass irgendwo irgendwer etwas geschrieben hat, das als Ursache für den Beitrag dient. Im Rahmen eines “blogs” ist das erlaubt. Ob ein Newsletter dadurch profitiert, ich glaube es nicht.
Im Sinn der Hamburger Schule sind Werte eine Orientierung für Verhalten. Eine Ethik für Coachs formuliert demnach die “grundsätzlichen Werte” an denen sich das Verhalten eines Coachs während des Handelns als Coach orientiert. Werte sind in keinem Fall zu verwechseln mit Regeln. Werden Wörter wie ethische “Standards” verwendet so ist das eher irritierend als nutzbringend.
Mittlerweile gibt es eine bunte Begriffswelt rund um das Thema. Was konkret ein Standard im Coaching ist, ob nun im Zusammenhang mit Ethik oder Qualität, bleibt rätselhaft für mich. Mir stellt sich die Frage, ob dieser Beitrag nicht letztendlich nur geschrieben wurde, um ein wenig “Promotion” für den DBVC zu machen.
Natürlich darf eine “Ethik” nicht aus do´s and dont´s bestehen. Das so etwas eher einem Regelwerk ähnelt, darin stimme ich zu.
Erfeulich ist es, dass der DBVC nunmehr sein, dem Coaching zugrunde liegendes, Menschenbild veröffentlicht hat. Damit nimmt das Thema “Beratung” erneut Fahrt auf. Unabhängig davon, ob nun Prinzipien, Ethik oder anderes angelegt werden. Spannend, dass die Psychologen Anleihen bei der Anthropologie machen.
“Der Mensch ist Teil seiner Lebenswelt”
Sowohl der Coach als auch der Klient sind in einen Kontext eingebunden, der zu beachten ist.” …” Denn sowohl er selbst als auch sein Klient sind von Umgebungsfaktoren abhängig, die sich einer direkten Kontrolle durch den Coach entziehen.” Der Kontext in den Coach und Klient gleichermaßen eingebunden sind heißt schlicht und einfach Coaching. Er ist über Werte definiert. Was sich im Newsletter eher wie die Entschuldigung eines Beraters liest, gewinnt seine Bedeutung im Nebensatz: “die sich einer direkten Kontrolle durch den Coach entziehen.” Ein Coach hat ausschließlich die Verantwortung für den Coaching-Prozess. Ganz vereinfacht gesagt für eine plausible, kreativitäsfördernde Abfolge von Reflektionsangeboten. Eine direkte Kontrolle kann er also nur auf den Prozess ausüben, nicht aber auf die Konrolle von “Umgebungsfaktoren” (sehr schwammiges Wort). Es mag ja sein, dass die Formulierung dieses Prinzips aus Sicht des DBVC notwendig ist. Doch was genau sagt dieses Prinzip wirklich? Das Veränderungsanliegen des Klienten ist immer in Kontexte eingebunden, vereinfacht gesagt immer systemisch (nicht systemtheoretisch). Eine intensivere Beschäftigung mit dem Konstruktivismus, der ja keine Erfindung der Psychologen ist, gäbe hier bessere Einblicke.
“Der Mensch ist ein dialogisches Wesen”
..”Ein Dialog ist dann wertvoll, wenn er gegenseitigen Perspektivenwechsel und Erkenntnisgewinn zulässt und nicht durch (gegenseitige) Rechthaberei charakterisiert ist.” Hier frage ich mich, warum “gegenseitig”?. Brauche ich als Coach einen Erkenntnisgewinn wo ich doch nur für den Prozess zuständig bin? Oder geht es vielmehr um eine solide Hypothesenbildung,die zu einem Reflektionsangebot führt? Warum soll der Coach die Perspektive des Klienten einnehmen? und warum soll der Klient (wenn auch nur hypothetisch) eine durch den Coach angebotene Perspektive annehmen? Ein Menschenbild, dass dem Menschn etwas zutraut, läßt es zu, dass der Klient selbst eine andere Perspektive einnimmt. Nun hätte ja auch geschrieben werden können, dass der Mensch ein soziales Wesen ist. Ich glaube, “dialogisch” rechtfertigt hier lediglich ein autoritäres Verhalten des Coachs.
“Der Mensch hat einen Wert jenseits seiner Funktionen”
Das ist durch die brutale sprachliche Plakativität einfach nicht mehr zu “toppen”. Ich vermute mal, dass dieses Prinzip notwendig war.
Wiederum spannend die Wortverwendung “Rolle und Funktion”. Rolle ist immer noch eine normative Zuschreibung. Entweder spreche ich vom einen oder vom anderen. Wobei ich persönlich die Verwendung des Wortes “Rolle” als kritisch empfinde. Paßt das mit dem hier formulierten Menschenbild? Okay, der Autor ist ja auch Teil des Kontexts. Von daher entschuldbar. Ich kann mir nicht helfen. Doch drängt sich mir die Anmutung auf, dass dieses Prinzip eher einer “Ermahnung” entspricht und vielleicht auch die Gültigkeit von “Nachts ist es dunkel” hat. Wenn ich es richtig verstehe, dann wird hier angeregt, als Coach diese Perspektive anzubieten (”Dies ist ein zu reflektierendes Selbstverständnis und die Hinterfragung eines solchen Menschenbildes ist immer wieder ein implizites Ziel anspruchsvoller Coaching-Prozesse”) Wer gibt da eigentlich das Ziel vor? Ein humanistisches Menschenbild traut dem Menschen in der Regel zu, dass er sich mit Hilfe von Coaching verändern möchte. Es traut ihm zu, dass er sich selbst hinterfragen kann. Nur darf es niemals implizites Ziel von Coaching sein. Es sei denn der Coach ist ein “Weltverbesserer”. Irgendwie auch beruhigend so
ein Prinzip. Wird das vielleicht später auch in die geheimnisvollen Coaching-Konzepte einfließen? Oder ist es einfach ein Teil der Beratung auf Prozessebene?
“Der Mensch ist lebenslang offen für bisher nicht verwirklichte Lebensmöglichkeiten”
Schon richtig als Satz. Doch wofür wird dieses Prinzip im Coaching benötigt? Wer sich coachen läßt, geht auch als Laie erst einmal davon aus, dass er etwas verändern kann. Mir deucht, dass dieses Prinzip aus dem Coach einen Berater macht. Prozessverantwortung heißt, nur für den Prozess die Verantwortung zu übernehmen. Was sich hier aufdrängt ist, dass der Coach “Lebensmöglichkeiten” seines Klienten erkennt und ihn zu dieser Erkenntnis coacht. (War da nicht so ein Möbelkonzern, der mit “entdecke die Möglichkeiten” wirbt?)
Nun fällt mir zu jedem der “Prinzipien”, die C. Rauen auch als “ethische Standards” beschreibt, etwas ein, was mit meinem Verständnis von Coaching nicht korrespondiert oder was in der Deutung erhebliche Plausibilitätslücken aufweist. Abschließen möchte ich diesen blog-Beitrag mit einer letzten Kommentierung der Prinzipien:
“Macht ist ein elementarer Bestandteil zwischenmenschlicher Beziehungen”
Sprache ist eine Ursache für Konflikte. Ein Coach untersucht Bedeutungen und Bedeutungszusammenhänge. Nun wird hier das Wort “Macht” verwandt. Ein Wort, dass, berücksichtigen wir o.a. Prinzipien, durch diese nicht erklärt werden kann. Das Wort macht, kann, systemisch gedacht, auf unterschiedlichste Weise gedeutet werden. Abhängig vom Kontext wird dem Wort ein Wert zugeschrieben. Ein “Prinzip” wird dann als Prinzip akzeptiert, wenn eine hohe Wahrscheinlichkeit an “Eineindeutigkeit” vorliegt. “….Machtmissbrauch präventiv reflektieren.” Welchen Auftrag hat der Coach? Welche “ethischen Standards” werden angelegt an das Wort “Macht” und das Wort “Missbrauch”?. Im Coaching obliegt die Deutung dem Coachee. Aussagen wie die Zitierte zeigen, dass ein Coach im Verständnis der “Prinzipien” entscheidet, dass ein “Missbrauch” vorliegt. Er entscheidet präventiv etwas zu unternehmen. (oder fragt er seinen Klienten, wie er sein Ausüben von Macht bewertet im Kontext xy? Ein Coachhe, der darüber reflektiert und ggf. zu einer Bewertung “missbräuchlich” kommt, wird sein Verhalten ändern, wenn er misserfolgreich war und einen Vorteil in einer
Veränderung erkennt) Hier wird erneut dem Meschen nichts zugetraut. Der Coach erhebt sich zum Korrektiv. Das bestätigt auch die letzte Aussage zum Prinzip “Coaching kann ein solches Korrektiv sein, um dysfunktionale (Selbst-)Wahrnehmungsprozesse bewusst zu machen und zu verändern.”
FAZIT: Ein Coach, der sich im Verständnis o.a. Prinzipien bewegt ist grundsätzlich autoritär. Er entscheidet, was zu “korrigieren” ist. Natürlich tut er das auf “Augenhöhe”.
Nachbemerkung
Meiner Meinung nach schadet ein solches Verständnis von Coaching. Coachs, die aus sich heraus (autoritär) bewerten, was gut für den Menschen ist, erheben sich. Lege ich als Modell einfach mal (ganz vereinfacht) ein wenig TA an, so ist da ein Ich-Zustand des Coachs, den ich mit “kritischem Eltern ICH” bezeichnen möchte. Eine tragfähige Beziehung unter dieser Voraussetzung zu gestalten ist schwierig. Es kann zu Übertragungen kommen, Trotz. Das volle Programm. Doch eins wird mir immer klarer. Die Überbetonung der Beziehungsebene ist für diese Coachs notwendig. Sonst werden Sie schlichtweg vom Klienten emotional abgelehnt. Warum mancherorts Coaching ein beflecktes Image hat wird daraus auch ersichtlich. Wer läßt sich schon gerne bevormunden? Auch wenn alles nur zum eigenen Besten erfolgt. Ist eine Absicht nur allein dadurch gut, weil der Beabsichtigende es für gut hält? Ich würde nicht wollen , , nicht für mich und nicht für meine Mitarbeiter, dass ich im Denken bevormundet werde.
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