Archive für 16.6.2009

Die ersten drei “Zertifizierten” nach der Hamburger Schule

Cynthia Dürr, Wolfgang Giebelhäuser und Jan Van Riet sind die ersten drei Teilnehmer aus unsereren Ausbildungen Start Oktober 2008 “Systemischer Management Coach” (SMC), die die Prüfung bestanden haben. Siehe auch: http://www.systemische-coach-ausbildung.de. Herzlichen Glückwunsch von uns Ausbildern Axel Janßen und Dr. Rolf Meier. Jan Van Riet hat seine Homepage schon fertig und im Netz. http://www.erfolgreicher-mit-coaching.de. Die Prüfungen sind ein paar Wochen her und die Drei bestätigen die hohe Ausbildungsqualität, die wir anbieten.   

Der lernende Kunde

Betrachten wir den Kunden als lernendes Wesen, so liegt in der Verwendung des Begriffs “Beratung” (auf “Prozessebene”) im Zusammenhang mit Coaching eine ungeheure Brisanz.

Der Mensch interpretiert “Neues” grundsätzlich auf der Basis von “Bekanntem”. Wissen wird “angedockt”. Biete ich einen Begriff an, der das Wort “Beratung” enthält, so wird unser Gehirn zuerst nach allem suchen, was es über “Beratung” weiß. Aus diesem Rahmen heraus wird der Begriff Coaching gedeutet. Damit besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass ein Kunde auch Beratung erwartet. Und vielleicht auch Qualitätskriterien von Beratung an Coaching anlegt.
Gehen wir noch einen Schritt weiter und folgen dem Axiom, das Wahrnehmung letztlich auf der Wahrnehmung von Unterschieden basiert, so bleibt als wahrnehmbarer Unterschied vermutlich nur das Wort “Prozessebene”. Andockbar sind die Begriffe “Prozess” und “Ebene”. Es bleibt ein kognitives Rauschen. Denn was das so genau eigentlich ist bleibt schleierhaft. (Natürlich besteht die Möglichkeit einer unsauberen Recherche meinerseits)
Wenn genügend “Kundige” oft genug schreiben, dass Coaching Beratung ist, wird vielleicht durch die pure Penetration diese Behauptung zur Meinung Vieler. Da gibt´s noch eine Menge zu klären. Auf Prozessebene versteht sich.

Ist Coaching “erfolgreiche Beratungsarbeit”?

Nein.
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Coaching sogar unter der Ägide von Cristopher Rauen vom DBVC (Deutscher Bundesverband Coaching) als “professionelle Beratung” formuliert wird. Die Frage, warum Coaching denn Coaching genannt wird und nicht Beratung / Optimierungsberatung / Lebensbewältigungsberatung o.ä, drängt sich hier auf. Die Verantwortung für das Ergebnis wird auch bei dieser Sicht nicht durch den Coach übernommen. Die Beratung erfolgt auf “Prozessebene”.
Eine zentrale Rolle scheint ebenfalls das Wort “Klärung” einzunehmen. Was genau soll geklärt werden? Oder: Was ist denn trübe? Häufig werden hier “zum Problem führende Prozesse” genannt, die es zu erkennen gilt. Hier macht sich das Wort “Prozess” erneut bemerkbar. Ein Prozess beschreibt, unabhängig von der deutenden Wissenschaft, immer einen Ablauf und er beinhaltet einen Zweck. Bei der Verwendung des Wortes Prozessebene liegt die Vermutung nahe, dass es noch andere Ebenen geben muss. Auf welcher Ebene erfolgt Beratung denn in der Regel? Was macht Coaching hier besonders? Geht es hier nicht eher um Zusammenhänge?
Nachwievor ist unklar, was denn mit der “Prozessebene” genau gemeint ist.
Vermutlich analysiert der Coach seinen Coachee, macht sich so seine Gedanken und bietet ihm eine andere Perspektive an. Ein Perspektivwechsel ist im Coaching generell förderlich. Nur darf es hier niemals um die Perspektive des Coachs gehen. Ein Coachee ist selbst in der Lage, unterschiedlichste Perspektiven einzunehmen und zu reflektieren.
Möglicherweise ist das Funktionsprinzip einer Beratung auf Prozessebene in der Tat das Prinzip einer Beratung. Der Berater analysiert (die Prozessebene) und bietet eine Lösungsidee vor dem Hintergrund seiner Expertise an. Der Kunde hat jederzeit die Freiheit zu entscheiden, ob er die Lösung annimmt oder nicht. Das begriffliche Novum “Coaching” erhält seine Legitimation durch die Berücksichtigung des Menschen als Individuum. Die Beratung ist “persönlich” und nicht von “der Stange”.
Doch Coaching dieser Denkart ist noch weitaus autoritärer als jede Beratung. Als Ziel von Coaching wird oft “die Entwicklung einer Arbeits- und Lebensperspektive” genannt. Ist es das was Coaching will? Wenn der Coach so denkt, wird er im Coaching auch genauso handeln. Er. entwickelt für seinen Coachee eine Perspektive (für das Leben). Autoritär bedeutet “aus der Person kommend”. Die Idee kommt also aus der beratenden Person des Coachs.
Eins ist sicher: Beratungsarbeit ist erfolgreicher, wenn sie auf den Menschen eingeht. Doch warum das dann Coaching genannt wird, ist schwer zu klären. Zumindest auf der Prozeßebene. Was auch immer das ist.

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