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15.6.2009 von Axel Janßen.
An Wunderwaffen zu glauben ist nicht verboten. Doch gilt auch hier der englische Grundsatz “A Fool with a tool is still a fool”.
Doch was macht ein Tool aus? Was macht ein Tool effizient?
Zunächst einmal ist bereits der Begriff “Tool” in hohem Maße irreführend. Tool kann direkt mit “Arbeitsgerät” oder “Werkzeug”übersetzt werden. Ein Werkzeug wird für einen Arbeitsvorgang benötigt. Das Werkzeug selbst hat keinen Ablaufcharakter. Es kann nicht an Zeit abgebildet werden. Dem Charakter von Werkzeugen entspräche im Coaching am ehesten “die Frage” oder ein konkretes Hilfsmittel zur Visualisierung. In Publikationen über Coaching wird “Tool” meist synonym zum Wort “Methode” verwandt. Warum das Wort “Tool” bevorzugt wird, obgleich es schlichtweg falsch verwandt wird, läßt sich vielleicht durch den Wunsch nach einem Wunderwerkzeug erklären. Vermutlich aber deutet die Flucht in einen Anglizismus auf ein mangelndes Verständnis hin oder gibt der Materie Coaching im Sinne von “Vermarktung” einen modernen Anstrich. So erfährt das Wort “Tool” rasch eine enorme Verbreitung. Wer modern sein will schreibt “Tool” anstatt “Methode”.
Effizienz ergibt sich aus dem Verhältnis zwischen Aufwand und Nutzen. Mit wenig Aufwand viel erreichen. Wer will das nicht.Entscheidend hier ist die Frage: Was (welcher Nutzen) soll denn erreicht werden? Nur darüber läßt sich vergleichend die Frage nach Effizienz beurteilen. Coaching will, dass ein Coachee selbst erkennt, welche Kompetenzen er im Zusammenhang mit seinem Ziel erlangen muß und wie er diesen Weg beschreitet. Im engeren Sinne geht es darum, dass die Selbstwahrnehmung des Coachee erweitert wird, dass die Entwicklung von Handlungsaltenativen durch den Coachee ausgelöst/ermöglicht wird und dass die Entscheidungsfähigkeit des Coachee ausgelöst/ermöglicht wird. Daran kann beurteilt werden, ob eine Methode (Tool) effizient ist.
Der Coachee und nur der Coachee kann Effizienz beurteilen. Er beurteilt, mit welchem Aufwand er welchen konkreten Nutzen im Coaching hat.
Ein weitaus größeres Problem in Hinblick auf den Begriff “Effizienz” ergibt sich aus der Haltung vieler Coachs dem Coaching selbst gegenüber. Weitestgehend besteht Einigkeit darüber, dass der Coach die Verantwortung für den Prozess hat, der Coachee für das Ergebnis. Eine Methode kann im Coaching selbst kein Ergebnis gebären. Der Coachee reflektiert und produziert Ergebnisse eigenständig. Eine Methode wird somit immer nur einen “Angebotscharakter” haben. Sobald ein Coach jedoch die Ergebnisverantwortung übernimmt, wird er Methoden wählen, die ihn eben darin unterstützen. Folglich wird er hier eine gänzlich andere Effizienzbewertung durchführen. Eine Sichtung verschiedener Ausbildungsangebote unterstützt diese These (Quellen können über die Betreiber der Hamburger Schule erfragt werden). So wird geschrieben von “integrativer Methodik - die hilfreichsten und wirksamsten Techniken aus systemischer, konstruktivistischer und hypnotherapeutischer Arbeit, NLP, Sport-Mentaltraining und Provokativer Therapie”. Es sei erlaubt, das Wort “Techniken” hier synonym zum Wort “Tool” zu interpretieren, da die Autoren selbst nicht differenzieren. Aus welchem Grund bedient sich ein Coach der Therapie oder dem NLP? Er hat die Idee, zu wissen, was gut für seinen Coachee ist. Um eben dieses Bild zu befriedigen wählt er Methoden, die ihn dabei unterstützen, ein Ergebnis zu erzielen. Ist der Aufwand gering, so ist die Methode effizient aus Sicht des Coachs. Doch letzten Endes manipuliert ein solcher Coach. Er coacht seinen Coachee zu einer Erkenntnis, der Erkenntnis des Coachs. Das gelingt natürlich mit einer Methodenwahl wie o.a. ganz vortrefflich. Welches Menschenbild dahinter steckt und ob das noch etwas mit Coaching zu tun hat, ist fraglich. Doch vielleicht ist es effizient.
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15.6.2009 von Axel Janßen.
So jedenfalls stellt sich mir der Markt an Coach-Ausbildungen da. Orientiert am “quasi Standard -mehr als 150 Ausbildungsstunden” wird munter drauf los “ausgebildet”. Ausbilder werden nur zu gern als “erfahrene” Experten auf ihrem Gebiet ausgewiesen. Einmal zwischen den Zeilen gelesen wird jedoch sehr selten auf die Erfahrung als Ausbilder hingewiesen. Eine Trainer-Ausbildung oder irgendeine andere geeignete Ausbildung, die ein Mindestmaß an pädagogischem Handlungsvermögen garantiert, ist fast nicht zu finden. Das Prinzip “Vormachen-Nachmachen” ist zentrale Vermittlungsmethode. “Effiziente Tools” sind der Köder für die Kunden. Für was konkret zahlt der Kunde seine Ausbildungsgebühr?
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15.6.2009 von Axel Janßen.
In der Regel ist der Kunde selber nicht als Ausbilder tätig und kann nur über sein Gefühl die Qualität bewerten. Gefühle sind körperlich empfundene Indikatoren für die Summe bisheriger Erfahrung und fungieren hier als Bewertungsinstanz. Die “bisherige Erfahrung” liegt meistens nicht vor. Insofern kann Qualität im eigentlichen Sinne nicht oder noch nicht bewertet werden. Was bewertet wird, ist, ob eine Veranstaltung als angenehm oder unangenehm empfunden wurde. Botschaften, die “hocheffiziente Tools” versprechen werden gerne gehört. Was diese Tools denn hocheffizient macht und was sie denn mit Coaching zu tun haben, diese Fragen können vor dem eigenen Erfahrungshintergrung oft nicht gestellt werden.
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