Archive für 1.8.2008

Haben wir eine Beziehung?

Wenn Sie diese Frage irritiert, haben Sie vielleicht ein ganz eigenes Verständnis von diesem Wort. Vielleicht deuten Sie es aus einem bestimmten Kontext heraus.

Die Zeitschrift Wirtschaftspsychologie aktuell veröffentlicht in Ihrer Ausgabe 2/2008:
“Die zehn Gebote: Was ein Coach von der Therapie-Forschung lernen kann” (E. de Haan ). Innerhalb dieses Artikels nimmt die Beziehung zwischen Coach und Coachee einen hohen Stellenwert ein. Unter anderem spricht de Haan von einer Allianz zwischen Coach und Coachee.

Beleuchten wir mal ein wenig “Beziehung” im Sinne von “Vertrauen” so stoßen wir auf Beziehungen, die ein Patient zum Arzt eingeht, die ein Christ zum Seelsorger eingeht, die ein Mandant zum Anwalt eingeht u.v.m.. Es handelt sich um “Beziehungen”, die in einem bestimmten Kontext zeitlich befristet eingegangen werden. Durch Werte, die in diesem Kontext akzeptiert werden, wird bereits größtenteils eine solide Arbeitsgrundlage sicher gestellt. Natürlich spielt Sympathie eine Rolle. Letzendlich wird auch sie durch Wertegemeinsamkeiten getragen.
Diesen Beziehungen ist gemeinsam, dass Sie von “seelisch Gesunden” aufgebaut werden.
Laut de Haan geht der Coach eine Allianz mit seinem Coachee ein. Hier sei die Frage nach der Absicht gestattet. Allianz beinhaltet Nähe. Die Kunst eines Coaches liegt darin, Distanz zu wahren. Der Rahmen für eine professionelle Bziehungsgestaltung ist durch die Ethik begründet.
Wenn Coaching eine “nachhaltige Selbstlernkonzeption” bewirken will, dann ist jede Form von Allianz hinderlich. Wer als Coach den Blick auf seinen Coachee frei haben möchte, braucht Distanz und ein hohes Maß an Persönlicher Kompetenz und Handlungskompetenz. Es besteht sonst die Gefahr, dass der Coach letztendlich für sich selbst coacht.
Konfrontation, aufbrechen gewohnter Denkstrukturen, Feedback. Wird eine Beziehungs-Allianz-Coach das machen?

Die Distanz des Coachs ist eine Distanz, die von Werten des Coachings getragen wird.
Ein Therapeut benötigt eine andere Beziehungsebene als der Coach, da sein Klientel bereits leidet und es mit der Selbstregulation nicht so ganz klappt. Ein Patient der regrediert benötigt in der Tat eine andere Form der Beziehung.
Coaching ist keine Therapie. Lernen kann von der Therapie nur der, der ein von Fakultäten unabhängiges Verständnis von Coaching entwickelt hat. Mit diesem thematischen Filter kann ein Coach mit Bedacht aus unterschiedlichsten Disziplinen auswählen. Konfrontieren, aufbrechen, auslösen. Und das bei jedem Wetter. Die Beziehung steht.

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